Social Media Age Gap 14.09.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Die digitale Alterskluft

Weltweit nutzen unter 35-Jährige Twitter, Facebook und andere soziale Medien viel intensiver als ältere Erwachsene. Doch nirgendwo ist der Generationenunterschied so groß wie in Deutschland. Wie ist das zu erklären?

Kernaussagen in Kürze:
  • Rund um den Globus kommt kaum noch ein unter 35-Jähriger ohne die sozialen Medien aus.
  • Die über 35-Jährigen sind seltener in den sozialen Netzwerken aktiv, dies gilt besonders in Deutschland.
  • Erklären lässt sich die unterschiedliche Größe des Social Media Age Gap unter anderem durch den demografischen Wandel sowie die wirtschaftliche und politische Lage in einem Land.
Zur detaillierten Fassung

„Digital Native“ oder „Digital Immigrant“? Insider erkennen den Unterschied schon daran, ob jemand seine Whatsapp-Nachrichten mit beiden Daumen oder dem Zeigefinger tippt. Die Altersgrenze, die die geborenen Onliner von den angelernten trennt, zieht man derzeit gemeinhin bei etwa 35 Jahren.

Weltweit kommen unter 35-Jährige kaum noch ohne soziale Medien aus, ältere Erwachsene – vor allem in Deutschland – sind dagegen twitter- und instagramscheu.

Der Generationenunterschied manifestiert sich aber nicht nur in der Handhabung des Smartphones, sondern auch in der Nutzung des Internets: So kommt von den unter 35-Jährigen rund um den Globus kaum noch einer ohne die sozialen Medien aus, während sich die älteren Jahrgänge in puncto Facebook, Twitter und Instagram eher zurückhalten. Besonders auffällig ist dieses Phänomen in den Industrieländern – vor allem in Deutschland (Grafik):

Von den über 35-jährigen Internetnutzern sind nur 39 Prozent in den sozialen Netzwerken aktiv, von den unter 35-Jährigen aber 81 Prozent – damit beträgt der „Social Media Age Gap“ in Deutschland satte 42 Prozentpunkte.

Größer ist die Alterslücke in keinem anderen der 30 Länder, deren Bürger vom amerikanischen Forschungsinstitut Pew Research Center zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt wurden. Vergleichbar ist der Abstand zwischen Jung und Alt lediglich in Frankreich, wo er bei 41 Prozentpunkten liegt. Schon beim drittplatzierten Vietnam sind es nur 37 Punkte.

Zur Ehrenrettung der Bundesbürger lässt sich nur eines sagen: Weil der Anteil der Internetnutzer an der Bevölkerung in Deutschland mit 85 Prozent relativ hoch ist, übersteigt die absolute Zahl der Twitterer, Facebook-Freunde und Business-Networker immerhin die von Vietnam, denn von dessen 93 Millionen Einwohnern ist nur jeder zweite überhaupt online.

Die Ursachen des Social Media Age Gap

Wie viele Menschen Zugang zum digitalen Datenstrom haben, hängt in erster Linie vom Entwicklungsstand eines Landes ab, also vom Ausbau der Infrastruktur und davon, wer sich ein Smartphone oder ein anderes internetfähiges Endgerät leisten kann. Für den Social Media Age Gap sind jedoch andere Faktoren ausschlaggebend:

Altersbedingte Ursachen. Ältere Erwachsene müssen den Umgang mit den sozialen Medien erst lernen. Zu erkennen ist das zum Beispiel daran, dass sie viel seltener Bilder und Videos teilen. Zudem sind Angehörige der Generation 40 plus meist nur mit jenen Menschen über Facebook und Co. verbunden, mit denen sie auch im realen Leben besser bekannt oder befreundet sind. Viele „Digital Natives“ dagegen nehmen jeden, zu dem sie einen Berührungspunkt haben, in ihr virtuelles Netzwerk auf – und leiten aus dessen Größe ihren sozialen Status ab.

Für viele Jüngere geht es schon deshalb nicht mehr ohne WhatsApp und Instagram, weil alle Freunde diese Kommunikationsmedien nutzen – und wer sich verweigert, wird zum Außenseiter.

Wirtschaftliche und politische Gründe. Dass der Social Media Age Gap in Deutschland und vielen anderen Industriestaaten so groß, in wirtschaftlich schwachen Ländern dagegen klein ist, hängt auch mit der Altersstruktur der jeweiligen Bevölkerung zusammen: Es gibt hierzulande aufgrund des demografischen Wandels relativ gesehen wenige „Digital Natives“, die die Älteren mitziehen könnten.

Eine wichtige Rolle spielen aber auch der Ausbau der sonstigen Kommunikationsnetze und die politische Unabhängigkeit der Massenmedien. So bietet beispielsweise das Fernsehen in Deutschland verlässliche Informationen, und wichtige Dokumente werden nach wie vor noch per Post verschickt. In Kenia dagegen lassen sich Daten am einfachsten via Smartphone austauschen, in politisch unruhigen Ländern wie Venezuela oder der Türkei sind die sozialen Netzwerke die schnellste Informationsquelle – und vom Staat am schlechtesten zu kontrollieren.

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