Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Der Krankenstand in Deutschland

Rund 22 Tage war jeder Arbeitnehmer in Deutschland 2024 im Schnitt krankgeschrieben, das geht aus der Auswertung der neuesten Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervor. Damit verharrt der Krankenstand seit 2022 auf hohem Niveau. Das liegt auch daran, dass seitdem alle ärztlichen Atteste – auch bei Kurzzeiterkrankungen – digital gemeldet werden und die Erfassung des Krankstands damit genauer ist als zuvor. Weitere Daten und Fakten zum Krankenstand in Deutschland finden Sie in unseren interaktiven Grafiken.

Krankenstand in Deutschland

Die durchschnittlichen Krankheitstage

Auf den ersten Blick haben die ersten vier Coronawellen kaum Spuren in der Statistik hinterlassen. Denn zu Beginn der Pandemie waren vor allem hochbetagte Menschen betroffen, die Belegschaften durch Lockdown, Abstandsregeln und Homeoffice relativ gut geschützt. Doch das hat sich seit 2022 mit der Omikron-Variante geändert. Und nach dem Wegfall von Schutzmasken und Co. trafen altbekannte Erkältungsviren auf eine Bevölkerung, deren Immunität während der Pandemie abgenommen hat. Das führte insgesamt zu einem deutlichen Anstieg des Krankenstands. Hinzu kommt, dass seit 2022 alle ärztlichen Atteste – auch bei Kurzzeiterkrankungen – digital gemeldet werden und die Erfassung des Krankstandes damit genauer ist als zuvor.

Krankheitstage einschließlich Reha und Arbeitsunfälle: Kalendertage mit ärztlichem Attest, ab 2016 wegen neuer Methodik nur bedingt mit früheren Werten vergleichbar

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die durchschnittliche Krankheitsdauer

Das Gros der Krankschreibungen entfiel 2024 erneut auf kurzzeitige Erkrankungen – fast sieben von zehn Beschäftigten sind nach spätestens einer Woche wieder fit. Im Vergleich zu den Vorjahren sind vor allem die Krankmeldungen für einen Zeitraum von einer bis zwei Wochen zurückgegangen.

So viel Prozent der Krankheitsfälle 2024 dauerten …

0,0 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage
0,0 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage

Kalendertage mit ärztlichem Attest von beschäftigten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand im Jahresverlauf

Die jährlich wiederkehrenden Erkältungswellen sorgen zwar schon immer für einen Anstieg der Ausfallzeiten in den Herbst- und Wintermonaten, seit 2022 ist die Ausfallquote in dieser Zeit aber deutlich höher. Die elektronische Erfassung der Atteste bildet dabei vor allem die saisonal stark schwankenden Atemwegserkrankungen besser ab als in den Vorjahren.

Krankgemeldete in Prozent aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen

Auswertung einer Stichprobe; krankgemeldete Mitglieder: arbeitsunfähig mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitskosten der Arbeitgeber

Bis zu sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt weiter, wenn ein Mitarbeiter krankgeschrieben ist. Erst danach springen die Krankenkassen mit ihrem Krankengeld ein, das allerdings nur noch 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoentgelts beträgt. Zuletzt brachten die Unternehmen rund 82 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung auf – gut 80 Prozent mehr mehr als noch im Jahr 2012. Die Gründe: Jährliche Lohnsteigerungen treiben die Ausgaben ebenso in die Höhe wie der Beschäftigungszuwachs im vergangenen Jahrzehnt und die Alterung der Belegschaften. Aber auch der langfristig steigende Krankenstand trägt zu der Entwicklung bei.

Ausgaben der Unternehmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall in Milliarden Euro

Entgeltfortzahlung: ohne gesetzlichen Mutterschaftsurlaub; Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber einschließlich der gesetzlichen Unfallversicherung; 2023: vorläufig, 2024: geschätzt

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Institut der deutschen Wirtschaft

Die Krankheitsgründe

Mit steigendem Alter treten vermehrt Verschleißerscheinungen auf. So ist rund ein Fünftel aller Krankheitstage auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen. In keiner anderen Krankheitsart steigen die Ausfälle mit dem Alter so kräftig an. Psychische Leiden treten zwar nur in 5 Prozent aller Fälle auf, Behandlung und Genesung sind dafür aber besonders langwierig.

Infektionen 0,0 Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems 0,0 Krankheiten des Verdauungssystems 0,0 0,0 Muskel- und Skeletterkrankungen Krebserkrankungen 0,0 Krankheiten des Atmungssystems 0,0 Sonstige Ursachen 0,0 Psychische Störungen 0,0 Verletzungen und Vergiftungen 0,0 So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2024 auf …

Infektionen 0,0 Krebserkrankungen 0,0 Psychische Störungen 0,0 Krankheiten des 0,0 Atmungssystems Krankheiten des 0,0 Herz-Kreislauf-Systems Krankheiten des 0,0 Verdauungssystems Verletzungen und 0,0 Vergiftungen 0,0 Muskel- und Skeletterkrankungen So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2024 auf …

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von beschäftigten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen; Auswahl der Krankheitsursachen mit den höchsten Anteilen an allen Krankheitstagen

Quellen: Dachverband der Betriebskrankenkassen, Institut der deutschen Wirtschaft

Rest zu 100: Sonstige Ursachen

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Rolle des Alters

Es liegt nahe, langwierige Ausfälle mit dem Alter der Beschäftigten in Verbindung zu bringen. Das zeigt sich vor allem bei körperlichen Verschleißerscheinungen oder schwerwiegenden Krankheitsursachen, die in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens häufiger auftreten und oftmals einer längeren Genesung bedürfen. Jüngere Beschäftigte sind dagegen häufiger aufgrund von Atemwegserkrankungen krankgeschrieben, die in der Regel schnell wieder auskuriert sind. Das spiegelt sich in der Zahl der Ausfalltage wider: Jenseits der 59 ist die durchschnittliche Ausfallzeit fast doppelt so lang wie in den Altersgruppen der 20- bis 44-Jährigen.

Durchschnittliche Zahl der Krankheitstage 2024

Tage 0,0

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von beschäftigten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Häufigkeit von Krankschreibungen

Blieb 2021 noch rund die Hälfte aller Beschäftigten das ganze Jahr gesund, ist es seitdem nur noch gut ein Drittel. Dabei handelt es sich aber wohl eher um einen statistischen Effekt. Denn seit 2022 werden alle attestierten Erkrankungen digital erfasst, während zuvor Arbeitnehmer schlicht vergessen haben könnten, bei Kurzzeiterkrankungen ihre Krankenkasse zu benachrichtigen. Ob Frauen häufiger erkranken als Männer, lässt sich mit der Statistik nicht belegen. Eine mögliche Erklärung, warum Frauen vergangenes Jahr öfter krankgeschrieben waren als Männer: Beschäftigte Mütter legen deutlich häufiger ein Attest wegen ihres erkrankten Kindes vor als Väter.

So viel Prozent der beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen waren 2024 so häufig krankgeschrieben

Krankgeschrieben: mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Branchen

Das Vorurteil, die Arbeit in der Industrie sei ein Knochenjob, gilt heute weniger denn je. Der steigende Dienstleistungsanteil an Industrieprodukten, der hohe Standard in der Arbeitssicherheit und nicht zuletzt das betriebliche Gesundheitsmanagement lassen die Branchenunterschiede schwinden.

Krankheitstage je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen im Jahr 2024

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung
31,6
Verkehr und Lagerei
27,4
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung
25,3
Baugewerbe
25,3
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
24,5
Gesundheits- und Sozialwesen
24,4
Verarbeitendes Gewerbe
22,2
Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz
21,9
Kunst, Kultur und Erholung
20,1
Gastgewerbe
19,1
Erziehung und Unterricht
17,9
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
17,8
Energieversorgung
17,0
Finanz- und Versicherungs­dienstleistungen
13,7
Information und Kommunikation
11,9

Branchenauswahl; Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand nach Berufsgruppen

Die Zahl der Krankheitstage variiert stark zwischen den verschiedenen Berufen: Legten Beschäftigte in Lehre und Forschung an Hochschulen im Schnitt nur für acht Kalendertage im Jahr 2024 ein ärztliches Attest vor, waren es in der Altenpflege fast fünfmal so viele.

Krankheitstage 2024 je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen

Die fünf Berufsgruppen mit den wenigsten Krankheitstagen
Lehr- und Forschungstätigkeit an Hochschulen
8,2
Wirtschaftswissenschaften
9,7
Technische Forschung und Entwicklung
9,8
Geschäftsführung und Vorstand
9,9
Geisteswissenschaften
10,1
Die fünf Berufsgruppen mit den meisten Krankheitstagen
Altenpflege
38,7
Industrielle Keramikherstellung und -verarbeitung
36,0
Textiltechnik und -produktion
34,9
Industrielle Glasherstellung und -verarbeitung
34,4
Kunststoff- und Kautschukherstellung und -verarbeitung
34,3

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Bundesländern

Sind Hamburger gesünder als Thüringer, genesen Schwaben schneller als Hessen? Die Unterschiede zwischen den Bundesländern liegen wohl weniger am Wohnort, sondern ergeben sich unter anderem aus dem regionalen Branchenmix, den unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und der damit einhergehenden unterschiedlichen Bedeutung der einzelnen Berufsgruppen.

Durchschnittliche Krankheitstage 2024 …

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von beschäftigten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Angaben in den Grafiken basieren auf einer jährlichen Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK), in die alle von einem Arzt attestierten Krankheitstage einfließen. Die Ergebnisse lassen sich angesichts der 4,8 Millionen beschäftigten BKK-Mitglieder gut auf die Gesamtwirtschaft übertragen.

Alle Daten in einer Excel-Tabelle zum Herunterladen
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Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2024 waren Arbeitnehmer im Durchschnitt 22,3 Tage krankgeschrieben. Der Krankenstand bleibt damit auf hohem Niveau – geht aber gegenüber dem Vorjahr leicht zurück.
  • Die häufigsten Ursachen für Fehlzeiten sind Krankheiten des Atmungssystems wie zum Beispiel Erkältungen – diese sind aber meist schnell wieder auskuriert.
  • Steil nach oben zeigen die Kosten für die Unternehmen. Neben dem langfristig steigenden Krankenstand tragen die höheren Löhne und die wachsende Beschäftigung zu dieser Entwicklung bei.
  • Die interaktiven Grafiken finden Sie unter iwd.de/krankenstand
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