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Der Arbeitsmarkt in Deutschland

Eine stetig wachsende Zahl an Erwerbstätigen, immer weniger Arbeitslose – mehr als zehn Jahre lang ging es am deutschen Arbeitsmarkt kontinuierlich aufwärts. Die Corona-Pandemie sorgte nun zwar für einen leichten Dämpfer, dieser fiel aber sehr moderat aus. Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht nach wie vor sehr gut da, wie diese Grafikstrecke zeigt.

Erwerbstätige und Arbeitslose: Der Corona-Effekt

Mehr als 45 Millionen Erwerbstätige und nur noch rund 2,3 Millionen Arbeitslose – im Jahr 2019 stand der deutsche Arbeitsmarkt so gut da wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Ein Jahr später macht sich die Corona-Krise zumindest leicht bemerkbar. Das größte Problem für den deutschen Arbeitsmarkt ist derzeit aber nicht, dass die Unternehmen Mitarbeiter entlassen, sondern dass sie kaum noch Arbeitskräfte suchen (siehe Führt Corona zu mehr Arbeitslosigkeit?).

Erwerbstätige Arbeitslose Unterbeschäftigte (ab 2008)
in 1.000

Erwerbstätige: mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept); Unterbeschäftigte: Arbeitslose einschließlich Teilnehmern an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, Älteren, Erkrankten und geförderten Existenzgründern, aber ohne Kurzarbeiter

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt

Arbeitslosenquote: Überall stark gesunken

2020 lag die Arbeitslosenquote mit Ausnahme von Bremen und Berlin in allen Bundesländern unter 8 Prozent. Im Jahr 2005, in dem die deutschen Arbeitslosenzahlen ihren Höchststand erreicht hatten, lag sie noch mit zwei Ausnahmen überall darüber – teilweise deutlich. Besonders die ostdeutschen Bundesländer haben vom Boom am Arbeitsmarkt profitiert: Die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland lag 2020 mit 7,3 Prozent mehr als 11 Prozentpunkte unter dem Niveau von 2005.

2005 2020
Arbeitslosenquote in Prozent

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Jugendarbeitslosigkeit: In Deutschland gering

Im EU-Vergleich glänzt Deutschland mit seiner geringen Arbeitslosigkeit – insbesondere die Jugendarbeitslosenquote von 5,8 Prozent war 2019 knapp nach Tschechien der zweitgeringste Wert. Zwar stehen in Griechenland, Spanien und Italien keineswegs jeweils rund ein Drittel aller Jugendlichen auf der Straße – sondern die Quote bezieht sich nur auf jene unter 25-Jährigen, die wirklich Arbeit suchen. Aber auch beim Anteil der arbeitslosen Jugendlichen an allen unter 25-Jährigen schneidet Deutschland gut ab. In diesen Zahlen noch nicht enthalten ist der Corona-Effekt – im Gegensatz zu anderen EU-Ländern hat die Pandemie in Deutschland aber bislang keine großen Auswirkungen auf die Jugendarbeitslosigkeit (siehe Junge Menschen verschieben Berufseinstieg).

Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen Anteil der Arbeitslosen an allen unter 25-Jährigen
2019 in Prozent

Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen: Arbeitslose in Prozent der Erwerbspersonen, also jener Jugendlichen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und nicht in einer Ausbildung sind; Arbeitslosenquote (ALQ): Erwerbslosenquote nach ILO-Definition

Quelle: Eurostat

Erwerbsformen: Vollzeit ist normal

Das deutsche Jobwunder wird oft mit dem Hinweis kleingeredet, es seien hauptsächlich prekäre Arbeitsplätze entstanden, also beispielsweise befristete Stellen und Minijobs. Ein Blick zurück zeigt jedoch: In Deutschland gab es 2019 gut 2,5 Millionen Vollzeitbeschäftigte mehr als vor zwölf Jahren – und 232.000 mehr als 1997. Einen regelrechten Boom haben vor allem Teilzeittätigkeiten mit mehr als 20 Stunden erfahren, die Zahl der anderen Teilzeitbeschäftigungen ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Anders als oft vermutet, verdrängen Befristungen, Zeitarbeit und Werkverträge in Deutschland also keineswegs die regulären Arbeitsplätze (siehe Mehr Regulierung wäre schädlich).

1997 2007 2017 2019
Erwerbstätige in 1.000

Erwerbstätige: ohne Erwerbstätige, die noch zur Schule gehen, studieren oder eine Ausbildung absolvieren, sowie ohne Wehr-, Zivil- und Freiwilligendienstleistende; teilweise Überschneidungen; Zeitarbeitnehmer 1997: keine Angaben verfügbar

Quelle: Mikrozensus

Erwerbstätige: ohne Erwerbstätige, die noch zur Schule gehen, studieren oder eine Ausbildung absolvieren, sowie ohne Wehr-, Zivil- und Freiwilligendienstleistende; teilweise Überschneidungen; Teilzeit < 20 h/Woche: einschließlich Minijobs; Zeitarbeitnehmer 1997: keine Angaben verfügbar

Quelle: Mikrozensus

Minijobs: Gefragter Zuverdienst

Zwar ist die Zahl der Nur-Minijobber seit 2015 rückläufig, einen Boom gibt es dafür bei den Minijobs im Nebenerwerb. Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse werden also nicht als Ersatz für normale Teilzeit- und Vollzeitstellen genutzt – weil nebenerwerbliche Minijobs aber für Arbeitnehmer steuerfrei sind, wenn die Jobs vom Arbeitgeber pauschal versteuert werden, und bis zur Grenze von 450 Euro keine Sozialabgaben anfallen, ist ein zusätzlicher Minijob oft lukrativer als die Aufstockung der regulären Arbeitszeit. Auch hier macht sich allerdings die Pandemie bemerkbar: Da Sparten wie das Gastgewerbe oder der Einzelhandel, traditionell Branchen mit den meisten geringfügigen Anstellungen, besonders von der Corona-Krise betroffen sind, ist die Zahl der Minijobber im vergangenen Jahr um rund 5 Prozent gesunken.

Geringfügige Beschäftigungs­verhältnisse in 1.000

2020: Durchschnitt von Januar bis September
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Zeitarbeit: Vor allem eine Chance

Zeitarbeit ist keine Arbeit zweiter Klasse, sondern eine vollwertige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit vollem Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Für die Unternehmen bedeuten Zeitarbeitnehmer in erster Linie Flexibilität, weil sie helfen, Engpässe zu überbrücken und bei dünnerer Auftragslage – wie es aktuell in vielen Branchen durch die Corona-Krise der Fall ist – betriebsbedingte Kündigungen der Stammbelegschaft zu verhindern. Arbeitslosigkeit zu beenden oder zu vermeiden sind auch für Zeitarbeiter die zentralen Motive, diese Art der Beschäftigung zu wählen, aber auch die berufliche Neuorientierung und das Schärfen des eigenen Profils sind Argumente dafür (siehe Gutes Geld und reichlich Abwechslung).

So viel Prozent der im ersten Halbjahr 2020 neu eingestellten Zeitarbeit­nehmer waren …

35,8 Prozent … zuvor beschäftigt: 64,2 Prozent … zuvor beschäftigungslos:

Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Institut der deutschen Wirtschaft

Befristet Beschäftigte: Tendenz abnehmend

Familie gründen, Wohnung mieten oder einen Immobilienkredit aufnehmen – all das ist für Arbeitnehmer mit einer unbefristeten Stelle einfacher. Unternehmen betonen dagegen immer wieder, dass der Aufbau von Stellen mit befristeten Verträgen leichter sei, weil diese eine gewisse Flexibilität böten. Anders als oft behauptet ging die Erholung des Arbeitsmarkts in Deutschland seit 2005 jedoch keineswegs mit der Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen einher, seit 2010 sind sie sogar leicht rückläufig (Stand: 2016). Genutzt werden Befristungen allerdings bei nahezu jeder zweiten Neueinstellung, deshalb sind jüngere Mitarbeiter überdurchschnittlich häufig betroffen.

Befristet Beschäftigte in Prozent aller …

Ohne Auszubildende

Quellen: IAB, Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft

Einbetten:
Kernaussagen in Kürze:
  • Die Corona-Krise macht sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt zumindest leicht bemerkbar: Die Zahl der Erwerbstätigen ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Arbeitslosigkeit gestiegen.
  • Insgesamt steht der deutsche Arbeitsmarkt aber weiterhin sehr gut da. So ist die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin sehr gering und so viele Bundesbürger in Vollzeit beschäftigt wie noch nie.
  • Weitere Zahlen zu den einzelnen Bundesländern, Zeitarbeit und Minijobs finden sie in unser interaktiven Grafik unter iwd.de/grafikstrecke-arbeitsmarkt
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