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Berufswahl: Typisch Mann, typisch Frau

Ein Blick in die Kitas und auf die Baustellen zeigt, dass sich an der Rollenverteilung auf dem deutschen Arbeitsmarkt wenig verändert hat – Frauen und Männer entscheiden sich nach wie vor für ganz bestimmte Berufe.

Kernaussagen in Kürze:
  • Frauen und Männer folgen bei der Berufswahl immer noch klassischen Rollenmustern.
  • Viele männliche Jugendliche absolvieren beispielsweise eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, viele junge Frauen zur Medizinischen oder Zahnmedizinischen Fachangestellten.
  • Ähnlich gelagert sind die akademischen Schwerpunkte: Frauen studieren oft Geisteswissenschaften oder Medizin, Männer Ingenieurwissenschaften.
Zur detaillierten Fassung

Heute gehen in Deutschland wesentlich mehr Frauen einer Erwerbstätigkeit nach als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dennoch sind sie in manchen Unternehmen und Branchen kaum vertreten. Wie kann das sein?

Die Antwort liegt in der Berufswahl – hier folgen Frauen und Männer nach wie vor althergebrachten Rollenmustern (Grafik):

Während in einigen der Bau- und Metallberufe deutlich weniger als 10 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, beträgt ihr Anteil vor allem in den Berufen des Erziehungs- und Gesundheitswesens mehr als 80 Prozent. Die beliebtesten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern

An diesen Strukturen hat sich seit den 1970er Jahren wenig geändert, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung feststellt. Und wenn sich doch etwas bewegt hat, lag das zum Teil daran, dass im Zuge des Strukturwandels vor allem männerdominierte Industrieberufe an Bedeutung verloren haben.

Frauen und Männer folgen bei der Berufswahl althergebrachten Rollenmustern.

Die Weichen für den typisch weiblichen respektive männlichen Lebenslauf werden früh gestellt. Schon bei der Wahl des Ausbildungsberufs gehen die Geschlechter meist getrennte Wege (Grafik):

Im Jahr 2016 gehörten die Kaufleute für Büromanagement, die Medizinische und die Zahnmedizinische Fachangestellte zu den beliebtesten Ausbildungsberufen von Frauen – der Männeranteil betrug in diesen drei Ausbildungsgängen maximal rund ein Viertel. Berufsgruppen mit dem höchsten Frauen- und dem höchsten Männeranteil

Bei den Männern waren 2016 die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, Elektriker oder Industriemechaniker besonders beliebt – hier war teils nicht mal jeder zwanzigste neue Azubi eine Frau.

Unter den Top-5-Ausbildungsgängen ist allein die Kauffrau beziehungsweise der Kaufmann im Einzelhandel bei beiden Geschlechtern etwa gleichermaßen angesagt.

Was Frauen und Männer studieren

In den vergangenen Jahren haben sich Frauen gerade in den akademischen Berufen stärker positioniert. Dennoch sind manche Studienfächer weiterhin eher Männer- oder eben Frauensache:

In den Geisteswissenschaften sowie in den medizinischen Fächern sind zwei von drei angehenden Akademikern Frauen, in den Ingenieurwissenschaften liegt ihr Anteil dagegen unter einem Viertel.

Weitgehend ausgewogen ist das Geschlechterverhältnis vor allem in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Insgesamt zeigt sich, dass gesellschaftlich geprägte Stereotype die Berufswahl von Frauen und Männern noch immer maßgeblich beeinflussen. Einen wesentlichen Einfluss übt dabei der unterschiedliche Blick auf das Thema Familie aus. Während sich Männer in der Familiengründungsphase häufig in der Rolle des Ernährers sehen, planen Frauen stärker berufliche Auszeiten ein und wünschen sich genügend Zeit und Flexibilität, um die Betreuung der Kinder zu organisieren (siehe „Familie versus Karriere“). Daher sind Berufe, die mit vielen Reiseverpflichtungen verbunden sind, für viele Frauen eher unattraktiv.

Warum es sich auszahlt, wenn mehr Frauen in Männerberufe gehen

Generell ist nichts daran auszusetzen, wenn sich Männer und Frauen individuell für unterschiedliche Berufe entscheiden. Dennoch gibt es gute Gründe dafür, Frauen zu ermutigen, die traditionellen Pfade zu verlassen.

So sind einige Berufe, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, zum Beispiel im Sozialwesen und im Gesundheitssektor, mit relativ niedrigen Löhnen und schlechten Aufstiegschancen verbunden. Diese Unterschiede in der Berufswahl erklären einen Großteil des Gender Pay Gaps – also des Unterschieds zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen.

Auch der Fachkräftemangel drängt darauf, Geschlechterklischees über Bord zu werfen. So fehlen in vielen Firmen qualifizierte Mitarbeiter im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), mehr Bewerbungen von Frauen wären hochwillkommen.

Schon Mädchen mit Technik-Berufen vertraut machen

Immerhin: Gute Ansätze, alte Muster bei der Berufswahl aufzubrechen, gibt es bereits. So wollen die InfoTrucks die Neugier von Jungen und Mädchen auf die Berufe in der Metall- und Elektro-Industrie wecken (Kasten unten).

Um speziell Schülerinnen für Ausbildungsberufe und Studiengänge in der Informationstechnologie, im Handwerk sowie in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, findet jedes Jahr der Girls’Day statt – diesmal am 26. April. Seit 2001 haben bereits mehr als 1,8 Millionen Mädchen an diesem Berufsorientierungsprojekt teilgenommen.

    

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