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Bergbau in Deutschland lohnt wieder

Auch wenn es eine lange Tradition des Erzbergbaus gibt – heute ist Deutschland vollständig auf Metall­importe angewiesen. Dabei gibt es insbesondere im Erzgebirge noch große Vorräte, die vielleicht bald wieder abgebaut werden können.

Kernaussagen in Kürze:
  • Auch wenn es eine lange Tradition des Erzbergbaus gibt – heute ist Deutschland vollständig auf Metallimporte angewiesen.
  • Zinn etwa kostet heute 150 Prozent mehr als zu Zeiten der Wiedervereinigung, Kupfer doppelt so viel.
  • Unabhängig von Importen werden wird Deutschland auch in Zukunft nicht; Deutschland bleibt auf einen funktionierenden Weltmarkt und eine sichere internationale Versorgung angewiesen.
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Obwohl viele Mineralien und Ener­gierohstoffe wie Braunkohle im Inland gefördert werden, gilt die Bundesrepublik als rohstoffarmes Land. Wenn es um Metalle geht, ist der Befund allerdings richtig. Nahezu alle Erze müssen importiert werden. Dabei war der Erzbergbau in Deutschland lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Stahlindustrie an der Ruhr basierte auf den Rohstofffunden vor Ort. Denn Bodenschätze konnten früher kaum zu vernünftigen Kosten über weite Strecken transportiert werden. Sie bildeten die Basis für eine wachsende Industrie, die ihre Produkte in alle Welt verkaufte.

In Sachsen hat sich der Bergbau sogar im Namen einer Landschaft verewigt. Das Erzgebirge trägt seinen Namen seit dem 16. Jahrhundert aufgrund von Metallfunden in den vorangegangenen Jahrzehnten: Bereits im 12. Jahrhundert wurde in dieser Region Silber abgebaut.

Das Schürfen von Metallerzen ist in Deutschland spätestens seit der Wiedervereinigung praktisch zum Erliegen gekommen. In der DDR wurden noch zahlreiche Bergwerke betrieben, da man keine Devisen hatte, um sich auf den Weltmärkten einzudecken. Anfang der 1990er Jahre erwiesen sich die Abbaustätten aber als unwirtschaftlich und wurden geschlossen.

Inzwischen sind die Metallpreise jedoch so stark gestiegen, dass sich der Erzbergbau in Deutschland wieder lohnen könnte. Vor allem in den vergangenen Jahren kam es zu einer wahren Preisrallye.

Zinn etwa kostet heute 150 Prozent mehr als zu Zeiten der Wiedervereinigung, Kupfer doppelt so viel.

Umfassende Probebohrungen noch zu DDR-Zeiten lassen darauf schließen, dass Sachsen über stattliche Erzvorkommen verfügt. Je nach Metall decken sie mehr als die gesamte Weltproduktion eines Jahres (Grafik):

Zinn. Die sicheren Vorräte an Zinn sind in Sachsen etwa doppelt so hoch wie die weltweite Produktion von Zinn im Jahr 2011. Inklusive weiterer möglicher Vorkommen sind es sogar mehr als 300 Prozent.

Lithium. Der Stoff für die Batterietechnik ist in Sachsen so reichhaltig vorhanden, dass die nachgewiesenen Vorräte 124 Prozent der Weltjahresproduktion ausmachen. Einschließlich der vermuteten Lager sind es 144 Prozent.

Wolfram. Die sächsischen Wolframvorräte – man benötigt das Metall z. B. für den Bau von Flugzeugturbinen – würden für drei Viertel der internationalen Jahresproduktion ausreichen. Zählt man mögliche weitere Vorkommen hinzu, kommt man sogar auf 318 Prozent.

Blei. Die hiesigen Vorräte belaufen sich auf 7 bis 9 Prozent der jährlichen globalen Bleierzeugung.

Zink. Immerhin 4 bis 6 Prozent der Jahresproduktion könnten mit Zink aus Sachsen gedeckt werden.

Kupfer. Die Kupfervorräte machen 1 bis 1,5 Prozent der Weltjahresproduktion aus.

Gerade die relativ bescheidenen Vorkommen an Blei, Zink und Kupfer verdeutlichen jedoch ebenfalls, dass – sofern der Erzbergbau in Sachsen überhaupt wieder in Gang kommt – Deutschland nicht unabhängig von Importen werden wird und auch in Zukunft auf einen funktionierenden Weltmarkt und eine sichere internationale Versorgung angewiesen ist.

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