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Bildungsmonitor: Sachsen siegt, das Saarland holt auf

Die besten Ergebnisse im IW-Bildungsmonitor 2017 erzielen wie bereits in den Vorjahren Sachsen, Thüringen und Bayern. Insgesamt zeigen sich allerdings gegenüber dem Jahr 2013, als Methodik und Indikatorenauswahl zuletzt aktualisiert wurden, nur noch leichte Verbesserungen innerhalb der Bildungssysteme. Der Bildungsmonitor wird seit 14 Jahren vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Bildungsmonitor 2017, dem jährlich vom IW Köln erstellten Bundesländervergleich der Bildungssysteme, belegen Sachsen, Thüringen und Bayern die ersten drei Plätze.
  • Insgesamt haben die Bundesländer seit 2013 keine großen Fortschritte mehr im Bildungsbereich erzielt – eine Ausnahme bildet das Saarland.
  • Um die Bildungssysteme deutschlandweit fit für die Zukunft zu machen, muss vor allem in Kinderbetreuung, Ganztagsschulen, Hochschulen und Integration investiert werden.
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Wie gut sind die Betreuungsbedingungen, funktioniert die Internationalisierung, wie steht es um die Schulqualität und wer fördert den Forschungsnachwuchs besonders gut? Dies sind nur vier der insgesamt zwölf Handlungsfelder, die der IW-Bildungsmonitor alljährlich in den 16 Bundesländern analysiert. Auch im aktuellen Bildungsmonitor erreichen wieder jene Bundesländer Bestwerte, die bereits in früheren Jahren ganz oben standen (Grafik):

  1. Spitzenreiter Sachsen – übrigens zum zwölften Mal Erstplatzierter im IW-Bildungsmonitor – weist eine hervorragende Förderinfrastruktur für Kleinkinder sowie eine hohe Schulqualität auf, die den Schülern ein hohes Niveau an Kompetenzen vermittelt und wenig Bildungsarme hervorbringt. Die unausgewogene Altersstruktur der Lehrkräfte sowie die hohe Schulabbrecherquote unter ausländischen Schülern stellen allerdings große Herausforderungen dar.
  1. Das zweitplatzierte Thüringen kann mit Bestwerten bei der Ausgabenpriorisierung – dem Stellenwert der Bildungsausgaben – und den Betreuungsbedingungen in den Schulen punkten. Allerdings ist auch in Thüringen die Altersstruktur der Lehrer sehr unausgewogen.
  1. Bayern, die Nummer drei des IW-Bildungsmonitors 2017, ist spitze in der beruflichen Bildung und der Effizienz der Ressourcenverwendung. Beim Ausbau der Ganztagsplätze sowohl an Grundschulen als auch an weiterführenden Schulen besteht jedoch weiterhin Nachholbedarf.

Insgesamt zeigt der Vergleich der Bildungsmonitore 2017 und 2013, dass die Bundesländer in den vergangenen Jahren nur noch leichte Fortschritte gemacht haben. Die größten Sprünge über alle Länder hinweg gab es im Vierjahreszeitraum bei der Internationalisierung (plus 16,6 Punkte), der Förderinfrastruktur (plus 10,7 Punkte) und bei den Betreuungsbedingungen (plus 8,8 Punkte). Den größten Rückschritt verzeichnete ausgerechnet die Schulqualität (minus 7,3 Punkte).

Sachsen ist Sieger im IW-Bildungsmonitor 2017 – vor allem dank seiner guten Kinderbetreuung und Schulen.

Natürlich lassen sich Aussagen zum Bundesdurchschnitt nicht automatisch auf alle Bundesländer übertragen. So ist es beispielsweise dem Saarland gelungen, sein Bildungssystem in vielen Handlungsfeldern kontinuierlich zu verbessern. Gegenüber dem Bildungsmonitor 2013 konnte sich das Saarland insgesamt um 15 Punkte steigern, gegenüber dem Bildungsmonitor 2016 legte es um 6 Punkte zu und ist damit Primus im Verbesserungsranking. Vor allem an den Grundschulen hat sich viel getan (Grafik):

Die Ausgaben je Grundschüler sind im Saarland innerhalb eines Jahres von 5.500 Euro auf 6.100 Euro gestiegen. Auch der Anteil der Schüler, die eine Fremdsprache lernen, ist gewachsen.

Außerdem gelingt es den Bildungseinrichtungen im Saarland gut, die Bildungsergebnisse der Kinder und Jugendlichen vom Bildungsstand der Eltern zu entkoppeln. Und auch bei der Zahl der Hochschulabsolventen gab es Fortschritte im kleinsten Flächenland.

Was jetzt noch auf der Reformagenda für die Bildung steht

Da die Herausforderungen für die Kindergärten, die Schulen, die Betriebe und die Hochschulen angesichts der Flüchtlingsmigration, des demografischen Wandels und der Digitalisierung in Deutschland insgesamt nicht kleiner, sondern größer werden, beinhaltet der IW-​Bildungsmonitor 2017 zusätzlich eine Reformagenda. Demnach müssen Bund und Länder mehr Geld für die Bildung ausgeben. Allerdings sollten die Ausgaben nicht pauschal erhöht werden, sondern gezielt in die Stärkung der frühkindlichen Bildung, den Ausbau von Ganztagsschulen, die Integration und die Ausweitung der Hochschulkapazitäten fließen.

Insgesamt ist eine Ausweitung der jährlichen Bildungsausgaben um rund 12 Milliarden Euro nötig.

Diese Summe verteilt sich auf folgende Positionen:

Erstens. Der größte Batzen – jährlich rund 5 Milliarden Euro – sollte in den weiteren Ausbau von Kita-Plätzen und in bessere Betreuungsrelationen für die Kleinsten investiert werden.

Zweitens. Um die Flüchtlinge in Deutschland besser zu qualifizieren, sind weitere Maßnahmen und Förderangebote nötig. Damit die Kindertagesstätten, die Schulen, die Berufsvorbereitung und -ausbildung sowie die Hochschulen für diese Aufgabe gerüstet sind, müssen Bund und Länder pro Jahr 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in die Hand nehmen.

Drittens. Die Rahmenbedingungen an den Schulen müssen besser werden. Dies lässt sich vor allem durch mehr qualifizierte Lehrkräfte, Bildungsstandards und mehr Schulautonomie erreichen. Außerdem sollte es mehr Ganztagsschulen geben. Für zusätzliche Ganztagsplätze müssten jährlich rund 2,7 Milliarden Euro aufgewendet werden.

Viertens. Aufgrund des demografischen Wandels ist Deutschland mehr und mehr auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Deshalb sollte die öffentliche Hand weitere 100.000 Studienplätze für internationale Studenten schaffen. Zusätzlich sollten präventive Maßnahmen ausgebaut werden, um die hohe Zahl der ausländischen Studienabbrecher zu reduzieren. Für den Kapazitätsausbau sind pro Jahr zusätzlich rund 0,8 Milliarden Euro notwendig.

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