M+E-Strukturbericht 2017 (Teil 1) Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Arbeitsproduktivität wächst kaum noch

Eine hohe Arbeitsproduktivität ist für die Unternehmen der deutschen Metall- und Elektro-Industrie wichtig, um die im internationalen Vergleich hohen Löhne zahlen zu können und dennoch den Standort Deutschland attraktiv zu halten. Doch seit der Finanzkrise fällt das Produktivitätswachstum nur noch gering aus, was den Betrieben zunehmend Sorge bereitet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Arbeitsproduktivität ist in der Metall- und Elektro-Industrie zuletzt wesentlich langsamer gestiegen als zu Beginn der 2000er Jahre.
  • Ein Grund dafür ist der kräftige Beschäftigungsaufbau.
  • Eine weitere Erklärung ist aber auch, dass sich die Exporte in jüngerer Zeit nicht mehr so dynamisch entwickelt haben und dadurch auch das Inlandsgeschäft einen Dämpfer erhielt.
Zur detaillierten Fassung

Produktivität ist für Unternehmen eine entscheidende Größe. Sie misst die Wertschöpfung je Arbeitnehmer oder Arbeitsstunde. Je produktiver die Beschäftigten arbeiten, mit desto weniger Arbeitskräfteeinsatz können Unternehmen oder Branchen ihre Erzeugnisse herstellen.

Die Arbeitsproduktivität in der deutschen M+E-Industrie ist in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten im Durchschnitt jährlich um 2,5 Prozent gewachsen. Die Entwicklung verlief jedoch nicht linear, sie lässt sich vielmehr in verschiedene Phasen unterteilen.

In vielen M+E-Branchen lässt das Produktivitätswachstum sehr zu wünschen übrig.

Im Zeitraum von 1993 bis 2000 gab es eine kontinuierliche Steigerung. Während die M+E-Unternehmen anschließend bis 2007 ein jährliches Wachstum der Arbeitsproduktivität von 4,4 Prozent verzeichnen konnten, kam mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 ein deutlicher Einbruch. Anschließend gab es zwar wieder ein Plus zu vermelden, große Wachstumssprünge blieben aber aus (Grafik):

Zwischen 2012 und 2016 stieg die Arbeitsproduktivität in der M+E-Industrie im Durchschnitt nur um 0,5 Prozent, 2016 legte sie immerhin um schätzungsweise 1,1 Prozent zu.

Das Bild sieht kaum anders aus, wenn man die Bruttowertschöpfung nicht auf die Zahl der Erwerbstätigen, sondern auf die geleisteten Arbeitsstunden bezieht. Auch diese Stundenproduktivität hat nach der Finanzkrise nicht mehr zur alten Dynamik zurückgefunden.

Fast alle M+E-Branchen sind von der Produktivitätsschwäche betroffen

Die schleppende Entwicklung des Produktivitätswachstums lässt sich in fast allen M+E-Branchen feststellen: Zwischen 2012 und 2016 konnte lediglich die Metallerzeugung und -bearbeitung im Vergleich zum Zeitraum von 2000 bis 2007 zulegen. In den anderen Zweigen gingen die Wachstumsraten teils deutlich zurück – bei den Herstellern von elektrischen und optischen Erzeugnissen zum Beispiel um fast 13 Prozentpunkte. Manche Branchen konnten zuletzt keinerlei Wachstum mehr verzeichnen (Grafik):

In fünf M+E-Zweigen schrumpfte die Produktivität zwischen 2012 und 2016. Darunter waren der Maschinenbau, der Sonstige Fahrzeugbau und der Bereich Reparatur/Installation.

Unter dem Strich steht für die gesamte M+E-Wirtschaft ein Minus von fast 4 Prozentpunkten gegenüber dem Schnitt der Jahre 2000 bis 2007. Um die Entwicklung der Arbeitsproduktivität genauer bewerten zu können, lohnt sich ein Blick auf deren Komponenten.

Grund eins: Die Zahl der Beschäftigten ist stark gestiegen

Die deutsche M+E-Industrie beschäftigte 2016 rund 213.000 Mitarbeiter mehr als fünf Jahre zuvor. Das entspricht einem Anstieg von 4,8 Prozent. Zwar haben alle Branchen zusätzliches Personal eingestellt, einige stechen aber deutlich heraus. So ist allein der Maschinenbau für knapp ein Drittel des gesamten Personalzuwachses in der M+E-Industrie verantwortlich, die Automobilindustrie liegt mit etwa 29 Prozent nur knapp dahinter. Prozentual gesehen haben die Hersteller sonstiger Waren am stärksten zugelegt.

Doch während im gleichen Zeitraum rund 60 Prozent des Anstiegs der Wertschöpfung auf die Automobilindustrie entfielen, konnte der Maschinenbau lediglich 5 Prozent Zuwachs generieren. Entsprechend sank die Arbeitsproduktivität der Maschinenbauer.

Grund zwei: Die Wertschöpfung ist kaum gestiegen

Die breite Aufstockung des Personals lässt darauf schließen, dass die Auftragslage in der M+E-Industrie entsprechend gut gewesen ist. Das Wachstum der Wertschöpfung ist dagegen fast flächendeckend geringer ausgefallen. Nur die Metallerzeugung und -bearbeitung konnte zwischen 2012 und 2016 ihr Ergebnis im Vergleich zum Zeitraum 2000 bis 2007 verbessern.

Alle anderen M+E-Zweige verbuchten geringere Wachstumsraten als noch zu Beginn des Jahrtausends. Besonders stark eingebrochen sind die Branchen DV-Geräte, elektrische und optische Erzeugnisse (minus 11,5 Prozentpunkte) und Reparatur/Installation (minus 6,9 Prozentpunkte). Auch der Maschinenbau und die Automobilindustrie mussten mit einem Minus von 2,6 beziehungsweise 1,0 Prozentpunkten Rückschläge verkraften.

Da trotz des schwächeren Wertschöpfungswachstums zusätzliches Personal eingestellt wurde, lässt sich die nur langsam ansteigende Produktivität nicht mit Schwankungen in der Auftragslage erklären. Vielmehr muss man sich ansehen, warum die Wertschöpfung momentan keine großen Fortschritte macht. Als Referenz kann der Umsatz herangezogen werden.

Die Umsatzentwicklung spielt eine Rolle

Die M+E-Industrie konnte in der Vergangenheit ihren Auslandsumsatz schneller steigern als den Inlandsumsatz. Aber auch hier gilt: Seit der Finanzkrise hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. Während die Exporte zwischen 2000 und 2007 jährlich um 8,4 Prozent stiegen, betrug das Plus von 2012 bis 2014 nur noch 2,4 Prozent.

Die schwächelnden Exporte beeinflussen auch das Inlandsgeschäft erheblich. Durch die Vorleistungsverflechtungen profitieren auch Unternehmen, die für den heimischen Markt produzieren, indirekt von einer starken Nachfrage aus dem Ausland. Die langsamer wachsenden Exporte schmälern so auch das Inlandswachstum. Darunter leidet im Endeffekt die Wertschöpfung der deutschen M+E-Industrie.

   

Gutachten

Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Vierter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter gesamtmetall.de

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