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Lohnstückkosten steigen besonders schnell

Die deutschen Industriebetriebe produzieren meist teurer als die ausländische Konkurrenz, wie ein Vergleich der Lohnstückkosten in 28 Ländern für das Jahr 2018 zeigt. Daran dürfte sich auch 2019 wenig ändern, denn die Lohnstückkosten sind im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland zuletzt besonders stark gestiegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Lohnstückkosten, die die Arbeitskosten je Wertschöpfungseinheit angeben, waren in Deutschland auch im Jahr 2018 vergleichsweise hoch. Im Vergleich von 28 wichtigen Industrieländern landet Deutschland auf Platz sechs.
  • Im Arbeitsproduktivitätsranking belegt die Bundesrepublik Platz neun. Das reicht aber nicht aus, um den Nachteil der hohen Arbeitskosten auszugleichen.
  • Im Jahr 2019 sind die Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland weiter gestiegen – um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zur detaillierten Fassung

Die Lohnstückkosten geben an, wie hoch die Arbeitskosten je Wertschöpfungseinheit sind. Im internationalen Vergleich produziert das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland vergleichsweise teuer (Grafik):

Im Jahr 2018 nahm Deutschland im Lohnstückkosten-Ranking, das 28 wichtige Industrieländer unter die Lupe nimmt, den sechsten Platz ein.

im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2018

Vor allem die außereuropäische Konkurrenz fertigt deutlich weniger arbeitskostenintensiv. Die USA konkurrieren im internationalen Wettbewerb im Vergleich zu Deutschland mit Lohnstückkosten, die ein Fünftel niedriger sind. In Japan produzieren Industrieunternehmen sogar ein Viertel günstiger als in der Bundesrepublik.

Unter 28 Industrieländern nimmt Deutschland im Lohnstückkosten-Ranking Platz sechs ein. In den USA produzieren Industrieunternehmen 20 Prozent günstiger.

Am höchsten sind die Lohnstückkosten in der Industrie Norwegens – sie übertreffen das deutsche Kostenniveau um 12 Prozent. Auch Kroatien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Estland haben zwischen 3 und 7 Prozent höhere Lohnstückkosten als Deutschland.

Innerhalb der EU weisen 13 Länder gegenüber Deutschland einen Lohnstückkostenvorteil von mindestens einem Zehntel auf, darunter sieben Länder aus dem Euroraum. Im Schnitt der Euroländer – ohne Deutschland – fallen die Lohnstückkosten um 8 Prozentpunkte niedriger aus als in der Bundesrepublik.

Die Arbeitsproduktivität der deutschen Industrie ist hoch

Auch die Arbeitsproduktivität ist ein wichtiges Maß für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Deutschland schneidet bei diesem Indikator gut ab: Unter 28 Ländern erreichte Deutschland 2018 Platz neun, höher war die Wertschöpfung je Arbeitsstunde nur in den skandinavischen Ländern, den USA, in Belgien, den Niederlanden und in Österreich. Die Produktivität der 27 Vergleichsländer blieb um 12 Prozent hinter derjenigen Deutschlands zurück, der Euroraum hatte sogar einen Rückstand von 15 Prozent. Trotzdem reichte das Produktivitätsniveau in Deutschland nicht aus, um den Nachteil der hohen Arbeitskosten auszugleichen.

Die deutsche Lohnstückkostenposition hat sich 2019 zudem weiter verschlechtert:

Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamts sind die Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent gestiegen – vor allem deshalb, weil die Produktivität je Arbeitsstunde sank.

In den anderen Euroländern haben sich die Lohnstückkosten deutlich langsamer erhöht – in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 betrug das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich 2,7 Prozent. Auch in den USA blieb der Anstieg der Lohnkosten in den ersten drei Quartalen mit 3,2 Prozent weit hinter dem deutschen Wert zurück. Damit ist die deutsche Lohnstückkostenposition gegenüber dem übrigen Euroraum so schlecht wie zuletzt 2002.

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