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Reallöhne: Konflikte in Sicht

Die Tarifentgelte in Deutschland sind zuletzt kräftig gestiegen. Die wieder anziehende Inflation frisst davon allerdings einiges auf. Stellen die Gewerkschaften daraufhin noch höhere Lohnforderungen, wird es für die Unternehmen schwierig – zumal die Konjunktur zu schwächeln droht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Über alle Wirtschaftszweige legten die Tariflöhne im ersten Halbjahr 2018 um 2,7 Prozent zu – das war das größte Plus seit 2014.
  • Seit einiger Zeit steigt die Inflation wieder stärker – für die Gewerkschaften ist das bereits Anlass, höhere Lohnforderungen zu stellen.
  • Mittelfristig könnten hochgeschraubte Tarifforderungen jedoch zu Problemen führen. Denn die Konjunktur schwächt sich ab und die Produktivität steigt nur langsam.
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Viele Arbeitnehmer haben beim Blick auf ihre Gehaltsabrechnungen derzeit Grund zur Freude. Laut Tarifabschluss steigen 2018 zum Beispiel in der Bauindustrie die Entgelte um bis zu 6,6 Prozent. In der Metall- und Elektro-Industrie beträgt das Plus im Schnitt 4,3 Prozent und im öffentlichen Dienst knapp 3,2 Prozent. Über alle Wirtschaftszweige legten die Tariflöhne im ersten Halbjahr 2018 um 2,7 Prozent zu – das war das größte Plus seit 2014. Berücksichtigt man die Entwicklung der Verbraucherpreise, blieb den Beschäftigten im ersten Halbjahr ein reales Lohnplus von knapp 1 Prozent. Ähnlich sah es auch in den vergangenen Jahren aus (Grafik): Seit 2010 sind die tariflichen Reallöhne um insgesamt 8 Prozent gestiegen, die effektiv gezahlten Bruttolöhne sogar um 12 Prozent. Entwicklung von Löhnen und Gehältern in Deutschland seit 2010 Dabei profitierten die Arbeitnehmer vor allem von 2014 bis 2016 von der sehr niedrigen Inflationsrate. Seit einiger Zeit geht es mit den Verbraucherpreisen allerdings wieder schneller aufwärts – 2017 zog die Inflation auf 1,8 Prozent an und im Mai 2018 überschritt sie die 2-Prozent-Schwelle. Bliebe die Teuerung auf diesem Niveau, würde sie einen guten Teil des für 2018 insgesamt erwarteten Tariflohnzuwachses von 2,6 Prozent auffressen.

Mittelfristig könnten hochgeschraubte Tarifforderungen zu Problemen führen. Denn die Konjunktur in Deutschland schwächt sich ab.

Für die Gewerkschaften ist die gestiegene Inflation bereits Anlass, höhere Lohnforderungen zu stellen. Bislang ließen sich diese oft auch durchsetzen, schließlich ging es der deutschen Wirtschaft gut. Zudem herrscht mittlerweile fast Vollbeschäftigung, sodass die Firmen im Wettbewerb um knappe Fachkräfte auf die vereinbarten Tariflöhne oft noch etwas drauflegen.

Produktivität steigt nur langsam

Mittelfristig könnten hochgeschraubte Tarifforderungen jedoch zu Problemen führen. Denn die Konjunktur schwächt sich ab – wie andere Forschungsinstitute hat das IW seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2018 und 2019 nach unten korrigiert (siehe: „Wirtschaftswachstum im Sinkflug“). Schon jetzt steigt die Produktivität in der deutschen Wirtschaft im Schnitt um weniger als 1 Prozent pro Jahr, sodass die Unternehmen die Kosten höherer Löhne nicht selbst erwirtschaften können, sondern auf die Preise ihrer Erzeugnisse überwälzen müssen. Lässt dies die Wirtschaftslage nicht mehr zu, schrumpfen die Gewinne und es fehlt das Geld für notwendige Investitionen – das Wirtschaftswachstum würde so zusätzlich geschwächt.

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