Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Mehr Geld für Investitionen in die Hand genommen

Seit der Finanzkrise 2009 hat die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland ihre Investitionsausgaben kontinuierlich gesteigert. Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung haben die Unternehmen der Branche zuletzt einen stärkeren Fokus auf ihre Auslandsstandorte gelegt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die M+E-Unternehmen in Deutschland haben 2018 mehr als 41 Milliarden Euro in Bauten, Ausrüstungen und sonstige Anlagegüter investiert.
  • Während jahrelang vor allem Kapazitäten ausgebaut wurden, fließt das Geld aufgrund der abgekühlten Konjunktur nun vermehrt in Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungsmaßnahmen.
  • Für die international vernetzte M+E-Industrie sind die Auslandsstandorte von großer Bedeutung. Bis Ende 2017 haben die deutschen M+E-Unternehmen insgesamt 217 Milliarden Euro jenseits der Landesgrenze investiert.
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Maschinen, komplette Produktionsanlagen, Fahrzeuge und Flugzeuge aller Art: Etwa 80 Prozent der in der Metall- und Elektro-Industrie hergestellten Güter sind Investitionsgüter. Das bedeutet, diese Güter kommen nicht direkt beim Verbraucher an, sondern werden von anderen Unternehmen für ihre Produktion genutzt. Deshalb ist die M+E-Industrie zu einem erheblichen Teil von der Investitionskonjunktur im Inland abhängig. Entsprechend negativ wirken sich die seit einem halben Jahr rückläufigen Auftragseingänge aus. Die M+E-Industrie ist aber nicht nur der Lieferant für die Investitionen der Wirtschaft, sie investiert auch selbst in die Erneuerung und den Ausbau ihrer Produktionsanlagen (Grafik): Im Jahr 2018 beliefen sich die Investitionen der M+E-Unternehmen in Bauten, Ausrüstungen und sonstige Anlagegüter auf mehr als 41 Milliarden Euro. Bruttoanlageinvestitionen der M+E-Betriebe in Deutschland in Milliarden Euro Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 8,4 Prozent. Die Investitionen sind damit deutlich stärker gestiegen als der Umsatz, der nur um 2 Prozent zulegte. Dementsprechend hat sich auch die Investitionsquote, die das Verhältnis von Investitionen zum Gesamtumsatz angibt, von 3,3 Prozent im Jahr 2017 auf 3,5 Prozent im vergangenen Jahr erhöht.

Im Jahr 2018 nutzten die M+E-Unternehmen nur noch 39 Prozent ihrer Investitionen zur Ausweitung ihrer Kapazitäten. Darin spiegelt sich die abgekühlte Konjunktur wider.

Die Investitionen werden von den Unternehmen zum Großteil aus den Gewinnen finanziert. Im Jahr 2018 haben die M+E-Betriebe in Deutschland nach ersten Prognosen einen Gesamtgewinn nach Steuern von 46 Milliarden Euro erzielt und davon rechnerisch rund 90 Prozent wieder in Fabriken, Maschinen und Anlagen investiert. Die Unternehmen verfolgen mit ihren Investitionen drei übergeordnete Ziele:

  • Ersatzbeschaffung: Ausgediente Maschinen werden durch neue, modernere ersetzt.
  • Erweiterung: Mit dem Aus- oder Neubau von Produktionsstandorten werden die Kapazitäten erhöht.
  • Rationalisierung: Die Produktion wird effizienter gestaltet und das notwendige Personal verringert.

Investitionen in die Rationalisierung waren und sind eine Reaktion der Unternehmen auf den steigenden Druck bei den Personalkosten. Deutschland hat im internationalen Vergleich die fünfthöchsten Arbeitskosten (siehe: „Hohe Kostenbelastung“). Die Rationalisierung führt aber auch zu einer höheren Produktivität in einzelnenBetriebsteilen oder sogar im ganzen Unternehmen. Weil die Produktion in der vergangenen Dekade wuchs und die Kapazitäten zuletzt hoch ausgelastet waren, hat sich die M+E-Industrie auf die Erweiterung ihrer Anlagen konzentriert (Grafik): Im Durchschnitt gingen in den Jahren 2007 bis 2017 drei Viertel der M+E-Investitionen in die Erweiterung der Kapazitäten. So viel Prozent der M+E-Investitionen dienten diesem Zweck Die Ersatzbeschaffung vereinte 18 Prozent der Ausgaben auf sich, zur Rationalisierung setzten die Unternehmen im Schnitt 7 Prozent ihrer Mittel ein. Diese über ein Jahrzehnt stabile Aufteilung hat sich im vergangenen Jahr deutlich gewandelt: Im Jahr 2018 nutzten die M+E-Unternehmen nur noch 39 Prozent ihrer Investitionen zur Ausweitung ihrer Kapazitäten. Fast die Hälfte der Gelder floss in die Ersatzbeschaffung. Der Anteil der Rationalisierung hat sich ebenfalls deutlich erhöht und liegt nun bei 15 Prozent. In der Schwerpunktverlagerung spiegelt sich die abgekühlte Konjunktur wider. Die Unternehmen gehen nicht mehr von einem großen Wachstum aus und wappnen sich für einen möglichen Abschwung in Deutschland.

Ausländische Standorte sehr wichtig

Neben dem Heimatmarkt sind ausländische Märkte für die international vernetzte und exportstarke M+E-Industrie seit Langem von großer Bedeutung. Durch die immer weiter fortschreitende Globalisierung hat sich ihr Stellenwert für die M+E-Unternehmen nochmals erhöht, das lässt sich unter anderem an den Direktinvestitionen ablesen. Sie sind im Vergleich zu den Inlandsinvestitionen in den vergangenen Jahren prozentual stärker gestiegen. Bis Ende 2017 haben die deutschen M+E-Unternehmen insgesamt 217 Milliarden Euro im Ausland investiert. Zusätzlich zu ihren Standorten in Deutschland unterhalten die M+E-Betriebe 6.900 Unternehmen, Beteiligungen und eigene Standorte im Ausland. In diesen Firmen arbeiten knapp zwei Millionen Menschen. Die M+E-Beschäftigung ist zwar in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, im Ausland war der Anstieg aber noch deutlich größer: Während die Beschäftigung an ausländischen Standorten gemessen an der Mitarbeiterzahl in Deutschland 2010 noch bei 41 Prozent lag, überschritt sie im Jahr 2017 schon die 50-Prozent-Marke.

Wettbewerbsbedingungen als Investitionssignal

Für die Entscheidung, ob, wann und wo die Unternehmen investieren, spielen die Wettbewerbsbedingungen für die M+E-Industrie an den verschiedenen Standorten eine wichtige Rolle. Denn die Globalisierung und die Vernetzung der internationalen Wertschöpfungsketten werden weiter voranschreiten. Gerade mit Blick auf die Investitionen ergibt sich daraus ein verschärfter Wettbewerb auf Standortebene. Im Vergleich mit wichtigen Konkurrenzländern wie den USA, China, Japan oder Frankreich hat Deutschland nicht nur höhere Arbeitskosten, sondern auch Nachteile beim Strompreis – maßgeblich wegen der hohen Abgaben – und durch hohe Unternehmensteuern. Zudem ist der Kündigungsschutz in Deutschland relativ rigide. Um die Investitionen weiter auf einem hohen Niveau zu sichern, muss die Politik für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sorgen, damit die Unternehmen auch von Deutschland aus auf den globalen Märkten erfolgreich sein können.

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