Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Deutschland – ein kostspieliger M+E-Standort

Die M+E-Industrie in Deutschland sieht sich einem harten internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Um sich gegen die ausländische Konkurrenz zu behaupten, sind günstige Bedingungen am heimischen Standort von enormer Bedeutung. Nachteile wie hohe Arbeitskosten und Steuern bringen die Unternehmen in Deutschland ins Hintertreffen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland schneidet im Vergleich zu den internationalen Wettbewerbern bei den Standortfaktoren bescheiden ab, wie ein Gutachten der IW Consult zeigt.
  • Besonders die hohen Arbeitskosten und die Belastungen durch Steuern und Abgaben sind für die Unternehmen der heimischen Metall- und Elektro-Industrie problematisch.
  • Für die kommenden Jahre erwarten die M+E-Unternehmen laut einer Umfrage einen steigenden internationalen Wettbewerbsdruck in puncto Arbeitskosten.
Zur detaillierten Fassung

Die Konkurrenz deutscher M+E-Betriebe sitzt nicht nur im eigenen Land, sondern auch in anderen EU-Staaten, in China oder den USA. Neben der Qualität der Produkte sind daher vor allem die Standortfaktoren für den Erfolg auf den Weltmärkten entscheidend. Doch Deutschland schneidet im Vergleich zu den internationalen Wettbewerbern bescheiden ab, wie ein Gutachten der IW Consult im Auftrag von Gesamtmetall zeigt, das 13 starke M+E-Länder miteinander vergleicht. Arbeits- und Lohnstückkosten. Deutschland hat mit 43,42 Euro je Stunde die mit Abstand höchsten Arbeitskosten. Auf Rang zwei folgt Österreich mit 39,56 Euro. Ähnlich hoch sind die Kosten sonst nur noch in den USA und in Frankreich. Zwischen 28 und 29 Euro je Stunde zahlen die M+E-Unternehmen in Japan, Italien und Großbritannien. Und China unterbietet alle deutlich: Mit 8,54 Euro haben die Chinesen nicht einmal ein Fünftel der deutschen Arbeitskosten. Obwohl die Arbeitskosten in Deutschland hoch sind, ist keine Tendenz zur Angleichung zu verzeichnen: Seit 2007 sind die Arbeitskosten in der deutschen M+E-Industrie um 23,7 Prozent gestiegen – und damit fast genauso stark wie durchschnittlich in den europäischen Vergleichsländern. Auch in den USA haben sich die Arbeitskosten in etwa dem gleichen Maß wie in Deutschland erhöht. In Japan lag der Zuwachs dagegen nur bei gut 10 Prozent. Steuern und Abgaben. Auch bei den Unternehmensteuern gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Belastung (Grafik): Die kombinierte Belastung aus Körperschaftsteuer, durchschnittlicher Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag belief sich 2018 für deutsche Unternehmen auf 31 Prozent des Gewinns. So viel Prozent ihrer Gewinne mussten die Unternehmen 2007 und 2017 an Steuern zahlen Übertroffen wurde dieser Wert nur in Frankreich mit 34,4 Prozent. Gleichwohl sind die Unternehmensteuern in den meisten Ländern seit 2007 gesunken – so auch in Deutschland. Das Minus von 7,4 Prozentpunkten ist vor allem auf die Senkung der Körperschaftsteuer im Jahr 2008 zurückzuführen. Am stärksten haben die US-Firmen von Steuersenkungen durch die Regierung Trump profitiert. 13,5 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2007 bedeuten eine derzeitige Steuerbelastung von 25,8 Prozent.

Die Arbeitskosten spielen für die M+E-Unternehmen die größte Rolle im internationalen Wettbewerb.

Energiekosten. Deutschlands Stromkosten für die Industrie gehören nach Angaben der Internationalen Energieagentur zu den höchsten im Ländervergleich. Nur Japan und Italien überbieten den deutschen Wert von 131 Euro je Megawattstunde. Auffällig: In Deutschland machen Abgaben wie die EEG-Umlage und die Netzentgelte mit insgesamt mehr als 64 Euro fast die Hälfte des Strompreises für die Industrie aus. Ähnliche Größenverhältnisse gibt es nur in Italien. In den anderen Ländern liegen vergleichbare Abgaben zwischen 5 und 27 Euro je Megawattstunde. Arbeitsmarkt. Der Kündigungsschutz ist in Deutschland stark ausgeprägt. Noch striktere Regularien haben laut OECD von den Vergleichsländern nur Frankreich, Italien und China. Dagegen sind die Vorgaben für Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge in der Bundesrepublik nicht so einschneidend wie in vielen Konkurrenzländern. Allerdings arbeitet die Bundesregierung gerade an einer Verschärfung der Regelungen zur Befristung. Renditen. Die hohen Kosten für Arbeit und Energie sowie die starke Steuerbelastung bleiben nicht ohne Folgen: Die Umsatzrendite der deutschen M+E-Industrie fiel im Jahr 2016 vergleichsweise gering aus. Auch langfristig betrachtet ist der Trend negativ. Im Vergleich der Jahre 2007 und 2016 gingen die Nachsteuerrenditen in der deutschen M+E-Industrie stärker zurück als in allen Vergleichsländern. Die Sicht der Unternehmen. Für ihr Gutachten hat die IW Consult nicht nur Daten ausgewertet, sondern auch die M+E-Unternehmen selbst zu Wort kommen lassen. Im Rahmen des IW-Zukunftspanels wurden sie zu den Wettbewerbsfaktoren befragt (Grafik): Die Arbeitskosten spielen für die M+E-Unternehmen die größte Rolle im internationalen Wettbewerb. So schätzen M+E-Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt diese Faktoren für ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der internationalen Konkurrenz ein Dahinter folgen Steuern und Abgaben sowie die Flexibilität der Arbeitszeiten. Neben einer Einordnung der Wettbewerbsfaktoren konnten die M+E-Unternehmen diese auch bewerten. Ergebnis: Die Zufriedenheit der M+E-Betriebe mit den Wettbewerbsfaktoren in Deutschland ist insgesamt gering. Lediglich die Flexibilität der Arbeitszeit wurde unterm Strich positiv bewertet. Am meisten Sorgen bereiten den Firmen Steuern und Abgaben, die Stromkosten sowie die fehlende Flexibilität des Arbeitsmarktes. Einen steigenden internationalen Wettbewerbsdruck erwarten die M+E-Unternehmen in puncto Arbeitskosten. Ebenfalls kritisch werden die Faktoren Steuern und Abgaben bewertet. Rund 42 Prozent schätzen den künftigen Druck als „eher hoch“ ein, 37 Prozent sogar als „hoch“. Einen geringeren Druck durch ausländische Konkurrenz sehen die Unternehmen dagegen bei den Strom- und Energiekosten.

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