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Krankenstand in Deutschland steigt

Der langjährige Trend zu steigenden Fehlzeiten hat sich nach einer kurzen Verschnaufpause fortgesetzt. Im Jahr 2018 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 18,5 Tage krankgeschrieben, das geht aus der Auswertung der neuesten Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervor. Weitere Daten und Fakten zum Krankenstand in Deutschland finden Sie in unseren interaktiven Grafiken.

Krankenstand in Deutschland

Die durchschnittlichen Krankheitstage

Seit 2016 schauen die Statistiker der Betriebskrankenkassen (BKK) genauer hin – Atteste während einer Reha oder infolge von Arbeitsunfällen werden vollständig erfasst. Dadurch gab es einen sprunghaften Anstieg der Krankheitstage. Nach einer kurzen Verschnaufpause legte der Krankenstand 2018 wieder deutlich zu.

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner, ab 2016 wegen neuer Methodik nur bedingt mit früheren Werten vergleichbar.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die durchschnittliche Krankheitsdauer

Fast zwei Drittel der Krankmeldungen sind nach spätestens einer Woche erledigt – Kurzzeiterkrankungen ohne ärztliches Attest nicht eingerechnet. In über 80 Prozent der Fälle sind die Mitarbeiter spätestens nach 2 Wochen wieder an Bord. Langwierige Erkrankungen machen zwar nur rund 8 Prozent der Krankheitsfälle aus, führen aber bei einer Genesungsdauer von durchschnittlich mehr als 4 Wochen zu besonderen Herausforderungen für die Betriebe.

So viel Prozent der Krankheitsfälle 2018 dauerten …

image/svg+xml 34,9 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage
image/svg+xml 4,5 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage

Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkasse

Der Krankenstand im Jahresverlauf

Übers Jahr schwankt der Krankenstand vor allem aufgrund winterlicher Erkältungswellen. Das zeigen die Ergebnisse einer stichtagsbezogenen Sonderauswertung der BKK. In welchem Monat Husten, Schnupfen oder Heiserkeit ihr Unwesen treiben, lässt sich aber kaum vorhersagen. Übers Jahr gesehen deuten die Auswertungen auf eine stabile Entwicklung des Krankheitsgeschehens 2019 hin.

Krankgemeldete in Prozent aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen

Auswertung einer Stichprobe; krankgemeldete Mitglieder: arbeitsunfähig mit ärztlichem Attest.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitsgründe

Mit steigendem Alter treten vermehrt Verschleißerscheinungen auf. Besonders deutlich ist das bei den Muskel- und Skeletterkrankungen zu erkennen. Dies scheint für körperlich belastende Berufe naheliegend, aber auch der klassische Bürojob ist davon nicht ausgenommen. Präventive Maßnahmen wie ein immer stärker verbreitetes betriebliches Gesundheitsmanagement werden sich erstlangfristig in den Statistiken positiv bemerkbar machen. Seelische Leiden rangierten 2018 aufgrund der langen Genesungsdauer auf Rang zwei der wichtigsten Krankheitsursachen.

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen 4,8 Krankheiten des Kreislaufsystems 4,1 Krankheiten des Verdauungssystems 4,6 23,8 Muskel- und Skeletterkrankungen Krebserkrankungen 4,0 Krankheiten des Atmungssystems 16,4 Sonstige Ursachen 15,6 Psychische Störungen 15,7 Verletzungen und Vergiftungen 11,2 So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2018 auf …

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen 4,8 Krebserkrankungen 4,0 Psychische Störungen 15,7 Krankheiten des 16,4 Atmungssystems Krankheiten des 4,1 Kreislaufsystems Krankheiten des 4,6 Verdauungssystems Verletzungen und 11,2 Vergiftungen 23,8 Muskel- und Skeletterkrankungen So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2018 auf …

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Rest zu 100: Sonstige Ursachen

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Rolle des Alters

Es liegt nahe, langwierige Ausfälle mit dem Alter der Beschäftigten in Verbindung zu bringen. Denn offenkundig beansprucht die Genesung älterer Mitarbeiter mehr Zeit. Jenseits der 55 liegt die durchschnittliche Ausfallzeit mehr als doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen. Körperliche Verschleißerscheinungen oder schwerwiegende Erkrankungen treten bei jüngeren Kollegen seltener auf.

Durchschnittliche Zahl der Krankheitstage 2018

image/svg+xml image/svg+xml Tage 0,0
25–29
Jahre
30–34 35–39 40–44 45–49 50–54 55–59 60–64

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Häufigkeit von Krankschreibungen

44 Prozent der Mitglieder einer Betriebskrankenkasse sind 2018 gesund geblieben. Allerdings fallen jene Kurzzeiterkrankungen aus dem Raster, für die der Arbeitgeber kein Attest verlangt. Fast jeder Fünfte war mindestens dreimal krankgeschrieben.

So viel Prozent der BKK-Mitglieder waren 2018 so häufig krankgeschrieben

BKK-Mitglieder: Pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner; krankgeschrieben: mit ärztlichem Attest.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Bundesländern

Warum genesen Mitarbeiter in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg schneller als in anderen Bundesländern? Diese Unterschiede ergeben sich aus dem regionalen Branchenmix, den regional unterschiedlichen Unternehmensstrukturen oder der damit einhergehende Mischung verschiedener Berufsgruppen.

Durchschnittliche Krankheitstage 2018 …

je Mitglied je Fall

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Branchen

Das Vorurteil gegenüber den vermeintlichen Knochenjobs in der Industrie gilt heute weniger denn je. Angesichts zunehmend hybrider Wertschöpfungsketten in der Industrie sind Branchenvergleiche ohnehin mit Vorsicht zu interpretieren, kommt es doch eher auf den Mix unterschiedlicher Berufsgruppen in den Unternehmen an.

Krankheitstage je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen im Jahr 2018

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung
25,4
Verkehr und Lagerei
24,3
Gesundheits- und Sozialwesen
20,4
Verarbeitendes Gewerbe
19,5
Baugewerbe
19,3
Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz
18,1
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
17,5
Gastgewerbe
17,0
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
17,0
Energieversorgung
16,5
Finanz- und Versicherungs­dienstleistungen
14,3
Information und Kommunikation
10,9

Branchenauswahl; Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand nach Berufsgruppen

Die geringsten Krankenstände gibt es bei Lehr – und Forschungstätigkeiten an Hochschulen, glänzen können auch Human- und Zahnmedizin sowie wirtschaftswissenschaftliche Berufe. Unter den Spitzenreitern der Krankenstand-Statistik finden sich neben Industrieberufen auch die Beschäftigten in der Altenpflege.

Krankheitstage 2018 je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen

Die fünf Berufsgruppen mit den wenigsten Krankheitstagen
Lehr- und Forschungstätigkeit an Hochschulen
5,1
Wirtschafts­wissenschaften
7,3
Geologie, Geografie und Meteorologie
7,8
Geschäftsführung und Vorstand
7,9
Human- und Zahnmedizin
7,9
Die fünf Berufsgruppen mit den meisten Krankheitstagen
Industrielle Keramikherstellung und -verarbeitung
30,7
Kunsthandwerkliche Keramikherstellung und -verarbeitung
30,4
Textiltechnik und -produktion
29,2
Altenpflege
29,2
Bau- und Transportgeräteführung
28,4

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitskosten der Arbeitgeber

Zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung mussten die Unternehmen im Jahr 2018 rund 62 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung aufbringen. Damit setzt sich der langjährige Kostenanstieg weiter fort. Das hat zum einen mit dem hohen Krankenstand zu tun, zum anderen aber treiben auch der hohe Beschäftigungsstand und die jährlichen Gehaltssteigerungen die Kosten in die Höhe.

Ausgaben der Unternehmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall in Milliarden Euro

Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber: einschließlich der gesetzlichen Unfallversicherung; 2017: vorläufig, 2018: geschätzt.

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutsche Rentenversicherung

Die Angaben in den Grafiken basieren auf einer jährlichen Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK), in die alle von einem Arzt attestierten Krankheitstage einfließen. Die Ergebnisse lassen sich angesichts der 4,4 Millionen beschäftigten BKK-Mitglieder gut auf die Gesamtwirtschaft übertragen.

Alle Daten in einer Excel-Tabelle zum Herunterladen
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Kernaussagen in Kürze:
  • Der langjährige Trend zu steigenden Fehlzeiten in Deutschland hat sich nach einem Jahr Verschnaufpause weiter fortgesetzt. Im Jahr 2018 waren Arbeitnehmer im Durchschnitt 18,5 Tage krankgeschrieben.
  • Die häufigste Ursache für Krankschreibungen waren Muskel- und Skeletterkrankungen, besonders lange fielen Arbeitnehmer mit psychischen Erkrankungen aus.
  • Weitere Informationen zur Rolle des Alters, dem Krankenstand nach Berufen und den Kosten finden Sie in unserer interaktiven Grafik unter www.iwd.de/krankenstand-in-deutschland
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