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Krankenstand in Deutschland stabil

Im Jahr 2017 verzeichneten die Unternehmen in Deutschland einen ähnlich hohen Krankenstand wie im Jahr zuvor. Damit sind die Ausfallzeiten seit geraumer Zeit zum ersten Mal nicht weiter gestiegen, wie aus der Auswertung der aktuellsten Daten hervorgeht, die der Dachverband der Betriebskrankenkassen vorgelegt hat. Alles Wissenswerte rund um den Krankenstand in zehn interaktiven Grafiken.

Die durchschnittlichen Krankheitstage

Seit dem Jahr 2016 erfassen die Betriebskrankenkassen auch Atteste während der Reha sowie Krankschreibungen infolge von Arbeitsunfällen vollständig. Dadurch ist die Zahl der Krankheitstage 2016 gegenüber dem Vorjahr um zwei Tage gestiegen. 2017 gab es einen minimalen Rückgang. Der Krankenstand stabilisiert sich also auf diesem Niveau.

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflichtversicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfängern von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner, ab 2016 wegen neuer Methodik nur bedingt mit früheren Werten vergleichbar

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die durchschnittliche Krankheitsdauer

Zwei Drittel der Krankheitsfälle dauern höchstens eine Woche – Kurzzeiterkrankungen ohne ärztliches Attest nicht eingerechnet. Nach spätestens zwei Wochen sind vier von fünf Mitarbeitern wieder zurück am Arbeitsplatz. Allerdings geht mehr als die Hälfte aller Ausfallzeiten auf das Konto von schwerwiegenderen Krankheitsfällen, deren Genesung mindestens vier Wochen dauert.

So viel Prozent der Krankheitsfälle 2017 dauerten …

image/svg+xml 34,9 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage
image/svg+xml 4,5 > 6 Wochen 4–6 Wochen 2–4 Wochen 1–2 Wochen 4–7 Tage 1–3 Tage

Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkasse

Der Krankenstand im Jahresverlauf

Über das Jahr schwankt der Krankenstand in Deutschland vor allem aufgrund winterlicher Erkältungswellen, das zeigt das Ergebnis einer BKK-Stichprobe: Im Februar und März 2018 wurden viele Beschäftigte von Husten und Schnupfen geplagt. Die Werte lagen über denen von 2017, sodass man für das gesamte Jahr einen leichten Anstieg des Krankenstands erwarten kann.

Krankgemeldete in Prozent aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen

Auswertung einer Stichprobe; krankgemeldete Mitglieder: arbeitsunfähig mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitsgründe

Mit steigendem Alter treten vermehrt Verschleißerscheinungen des Muskel- und Skelettsystems auf. Dies gilt nicht nur für körperlich belastende Berufe, sondern auch für klassische Bürojobs. Seelische Leiden rangieren auf Rang zwei der wichtigsten Gründe für Krankschreibungen. Sie fallen vor allem aufgrund der langwierigen Behandlung ins Gewicht. Zu kurz greift jedoch der einfache Rückschluss, Globalisierung und Wettbewerbsdruck, Digitalisierung und Arbeitsverdichtung machten krank. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass das Arbeitsleben sich auch günstig auf das seelische Gleichgewicht auswirken kann.

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen 4,4 Krankheiten des Kreislaufsystems 4,2 Krankheiten des Verdauungssystems 4,7 24,7 Muskel- und Skeletterkrankungen Krebserkrankungen 4,1 Krankheiten des Atmungssystems 14,8 Sonstige Ursachen 15,2 Psychische Störungen 16,6 Verletzungen und Vergiftungen 11,3 So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2017 auf …

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen 4,4 Krebserkrankungen 4,1 Psychische Störungen 16,6 Krankheiten des 14,8 Atmungssystems Krankheiten des 4,2 Kreislaufsystems Krankheiten des 4,7 Verdauungssystems Verletzungen und 11,3 Vergiftungen 24,7 Muskel- und Skeletterkrankungen So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2017 auf …

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfängern von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Rest zu 100: Sonstige Ursachen

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfängern von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Rolle des Alters

Es liegt nahe, langwierige Ausfälle mit dem Alter der Beschäftigten in Verbindung zu bringen. Denn offenkundig beansprucht die Genesung älterer Mitarbeiter mehr Zeit. Jenseits der 55 liegt die durchschnittliche Ausfallzeit mehr als doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen. Jüngere Kollegen sind dafür häufiger krankgeschrieben.

Durchschnittliche Zahl der Krankheitstage 2017

image/svg+xml image/svg+xml Tage 0,0
25–29
Jahre
30–34 35–39 40–44 45–49 50–54 55–59 60–64

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest von pflicht- und freiwillig versicherten Mitgliedern der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfängern von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Häufigkeit von Krankschreibungen

Da 52 Prozent der Mitglieder einer Betriebskrankenkasse im Jahr 2017 mindestens einmal krankgeschrieben waren, heißt das umgekehrt auch: Fast jedes zweite Mitglied blieb völlig gesund. Allerdings fallen Kurzzeiterkrankungen, für die der Arbeitgeber kein Attest verlangt, aus dem Raster.

So viel Prozent der BKK-Mitglieder waren 2017 so häufig krankgeschrieben

BKK-Mitglieder: Pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfängern von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner; krankgeschrieben: mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Bundesländern

Warum fallen Thüringer deutlich häufiger aus als Hamburger? Weshalb erholen sich Mitarbeiter in Rheinland-Pfalz schneller als im angrenzenden Saarland? Um diese Unterschiede erklären zu können, müssen verschiedene Einflüsse beachtet werden, angefangen vom regionalen Branchenmix bis hin zur Altersstruktur der Beschäftigten.

Durchschnittliche Krankheitstage 2017 …

je Mitglied je Fall

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Branchen

Die Branchenwerte 2017 lassen sich nicht mit denen vergangener Jahre vergleichen, denn die Statistiker des BKK-Dachverbands orientieren sich seit diesem Jahr an der amtlichen Branchengliederung. Weil die Betriebskrankenkassen aber nicht überall hinreichend stark vertreten sind, um die Ergebnisse auf die Verhältnisse in der gesamten Gesetzlichen Krankenversicherung hochrechnen zu können, wird hier der Krankenstand für die beschäftigten BKK-Mitglieder ausgewiesen und nicht – wie in der Vergangenheit – der Schätzwert für alle gesetzlich versicherten Beschäftigten. Die Kernbotschaft des Branchenvergleichs aber bleibt bestehen: Das Vorurteil gegenüber den vermeintlichen Knochenjobs in der Industrie gilt heute nicht mehr.

Krankheitstage je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen im Jahr 2017

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung
24,3
Gesundheits- und Sozialwesen
19,3
Baugewerbe
18,8
Verarbeitendes Gewerbe
18,2
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
17,9
Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz
17,1
Gastgewerbe
16,4
Energieversorgung
15,5
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
14,9
Finanz- und Versicherungs­dienstleistungen
13,7
Information und Kommunikation
10,6

Branchenauswahl; Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand nach Berufsgruppen

Die geringsten Krankenstände werden bei Lehr – und Forschungstätigkeiten an Hochschulen gemessen, auch Human- und Veterinärmedizin oder wirtschaftswissenschaftliche Berufe weisen geringe Fehlzeiten auf. In der Spitzengruppe sind sowohl Industrie als auch Dienstleistung vertreten. Die viel zitierten Belastungen in der Altenpflege spiegeln sich ebenfalls in der Statistik wider.

Krankheitstage 2017 je beschäftigtes Mitglied der Betriebskrankenkassen

Die fünf Berufsgruppen mit den wenigsten Krankheitstagen
Lehr- und Forschungstätigkeit an Hochschulen
5,0
Geologie, Geografie und Meteorologie
6,4
Tiermedizin und Tierheilkunde
7,2
Wirtschafts­wissenschaften
7,4
Softwareentwicklung und Programmierung
7,6
Die fünf Berufsgruppen mit den meisten Krankheitstagen
Industrielle Keramikherstellung und -verarbeitung
29,7
Technischer Betrieb des Eisenbahn-, Luft- und Schiffverkehrs
28,2
Servicekräfte im Personenverkehr
28,0
Altenpflege
27,8
Fahrzeugführung im Schiffverkehr
27,3

Krankheitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner.

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitskosten der Arbeitgeber

Zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung mussten die Chefs im Jahr 2017 rund 60 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung aufbringen – Tendenz steigend. Die günstige Beschäftigungsentwicklung und die jährlichen Gehaltssteigerungen haben die Aufwendungen zuletzt in die Höhe getrieben. Der Krankenstand selbst hält sich auf annähernd konstantem Niveau.

Ausgaben der Unternehmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall in Milliarden Euro

Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber: einschließlich der gesetzlichen Unfallversicherung; 2016: vorläufig, 2017: geschätzt

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutsche Rentenversicherung, Institut der deutschen Wirtschaft

Die Angaben in den Grafiken basieren auf einer jährlichen Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK), in die alle von einem Arzt attestierten Krankheitstage einfließen. Die Ergebnisse lassen sich angesichts der 4,4 Millionen beschäftigten BKK-Mitglieder gut auf die Gesamtwirtschaft übertragen.

Alle Daten in einer Excel-Tabelle zum Herunterladen
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Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2017 fehlten Arbeitnehmer in Deutschland krankheitsbedingt durchschnittlich 17,2 Tage.
  • Muskel- und Skeletterkrankungen sind die häufigsten Gründe für Krankschreibungen, am längsten fallen Arbeitnehmer durchschnittlich mit psychischen Erkrankungen aus
  • Weitere Informationen zur Rolle des Alters, dem Krankenstand nach Berufen und den Kosten finden Sie in unserer interaktiven Grafik unter www.iwd.de/krankenstand-in-Deutschland
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