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Krankenstand in Deutschland: Arbeitnehmer fallen länger aus

Der langjährige Trend zu steigenden Fehlzeiten in Deutschland geht weiter: Pflichtversicherte Arbeitnehmer wurden 2016 für durchschnittlich zweieinhalb Wochen krankgeschrieben. Ein Grund dafür ist die alternde Gesellschaft, denn mit dem Alter steigt auch die Zahl der Krankheitstage. Muskel- und Skeletterkrankungen bilden nach wie vor die häufigste Ursache. Viele weitere Daten und Fakten zum Krankenstand in Deutschland finden Sie in unserer interaktiven Grafikstrecke.

Die Krankheitstage

Seit dem Jahr 2016 schauen die Statistiker der Betriebskrankenkassen genauer hin – Atteste während der Reha werden nun mitgezählt, Krankschreibungen infolge von Arbeitsunfällen vollständig erfasst. Dadurch ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage zuletzt um zwei Tage gestiegen. Auch wenn der Wert für 2016 nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar ist, bleibt die Richtung eindeutig – der Krankenstand steigt an.

2016 wegen neuer Methodik nur bedingt vergleichbar mit früheren Werten; Arbeitsunfähigkeitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflichtversicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitsdauer

Zwei Drittel der Krankmeldungen sind nach spätestens einer Woche erledigt – nicht eingerechnet Kurzzeiterkrankungen, für die Mitarbeiter kein ärztliches Attest nachweisen müssen. Mehr als die Hälfte aller Ausfallzeiten geht aber auf das Konto von schwerwiegenderen Krankheitsfällen, die mindestens vier Wochen dauern.

Verteilung der Arbeitsunfähigkeit 2016 in Prozent

34,9 > 6 Wochen 4-6 Wochen 2-4 Wochen 1-2 Wochen 4-7 Tage 1-3 Tage 4,5 > 6 Wochen 4-6 Wochen 2-4 Wochen 1-2 Wochen 4-7 Tage 1-3 Tage

Arbeitsunfähigkeit: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand im Jahresverlauf

Der aktuelle Trend spiegelt vor allem den Einfluss der jährlichen Erkältungswellen wider. Nach den Ergebnissen einer BKK-Stichprobe haben Husten und Schnupfen im Winter 2017 stärker zugeschlagen als im Jahr zuvor. Dafür lag der Wert in den meisten Folgemonaten etwas niedriger.

Arbeitsunfähig gemeldete Mitglieder in Prozent aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen

Arbeitsunfähigkeit: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Leiden

Die Zahl der Muskel- und Skeletterkrankungen ist hoch. Hier steigen die Ausfälle mit dem Alter durch Verschleiß stark an. Seelische Leiden liegen auf Rang zwei der Krankheitsursachen. Der einfache Rückschluss, Arbeitsverdichtung und zunehmender Wettbewerbsdruck machten krank, greift jedoch zu kurz. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich Arbeit auch positiv auf das seelische Befinden auswirken kann – etwa durch Anerkennung im Job und ein verbessertes Sozialleben.

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen4,5Krankheiten des Kreislaufsystems4,3Krankheiten des Verdauungssystems4,925,2Muskel- und SkeletterkrankungenKrebserkrankungen3,9Krankheiten des Atmungssystems14,4Sonstige Ursachen15,2Psychische Störungen16,3Verletzungen und Vergiftungen11,3So viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2016 auf …

Erkrankungen Krankheitstage je Fall

Infektionen4,5Krebserkrankungen3,9Psychische Störungen16,3Krankheiten des14,4AtmungssystemsKrankheiten des4,3KreislaufsystemsKrankheiten des4,9VerdauungssystemsVerletzungen und11,3Vergiftungen25,2Muskel- undSkeletterkrankungenSo viel Prozent der Krankheitstage entfielen 2016 auf …

Arbeitsunfähigkeit: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Ursprungsdaten: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Rest zu 100: Sonstige Ursachen

Arbeitsunfähigkeit: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Ursprungsdaten: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Rolle des Alters

Mit zunehmendem Alter sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ältere Beschäftigte durchschnittlich länger ausfallen. Körperliche Verschleißerscheinungen oder schwerwiegende Erkrankungen treten bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen seltener auf, auch wenn diese häufiger krankgeschrieben werden.

Durchschnittliche Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage 2016

00,0Tage40-44Jahre35-39Jahre25-29Jahre30-34Jahre45-49Jahre50-54Jahre55-59Jahre60-64Jahre

Arbeitsunfähigkeitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Ursprungsdaten: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Häufigkeit von Krankschreibungen

Rund 42 Prozent der Mitglieder einer Betriebskrankenkasse waren 2016 gar nicht krankgeschrieben. Allerdings sind Kurzzeiterkrankungen, für die der Arbeitgeber kein Attest verlangt, nicht berücksichtigt.

So häufig waren die beschäftigten Versicherten 2016 arbeitsunfähig gemeldet, Anteile in Prozent

Arbeitsunfähig gemeldet: mit ärztlichem Attest; Pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Ursprungsdaten: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Bundesländern

In Sachsen-Anhalt sind Mitarbeiter acht Tage länger krank als in Hamburg. Die Saarländer fallen im Schnitt dreieinhalb Tage länger pro Krankheitsfall aus als die Rheinland-Pfälzer. Warum? Das lässt sich derzeit nicht sagen.

Durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitstage 2016 …

… je Mitglied … je Fall

11,812,413,511,912,713,013,813,815,415,115,1HamburgNiedersachsenHessenRheinland-PfalzBaden-WürttembergBayernSaarlandBerlinSachsenThüringenSachsen-AnhaltBrandenburgBremenSchleswig-HolsteinMecklenburg-VorpommernNordrhein-Westfalen15,114,715,413,013,1Insgesamt13,0

Arbeitsunfähigkeit: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen einschließlich Empfänger von Arbeitslosengeld I und II, ohne Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Der Krankenstand in den Branchen

Das Vorurteil, Knochenjobs gäbe es vor allem in der Industrie, ist schon lange widerlegt. Die Chemische Industrie oder die Metall- und Elektro-Industrie weisen annähernd durchschnittliche oder gar unterdurchschnittliche Ausfallzeiten auf. Die Belastungen in manchen Dienstleistungssparten sind dagegen außergewöhnlich hoch. Darauf lassen die hohen Ausfallzeiten etwa bei den Postdiensten oder der Abfallbeseitigung schließen.

Arbeitsunfähigkeitstage 2016 je beschäftigten Versicherten

Verarbeitendes Gewerbe

Nahrung, Genuss

20,5

Metallerzeugung und –bearbeitung

18,9

Kfz-Bau

18,8

Holz, Papier, Druck

18,5

Glas, Keramik, Steine/Erden

18,3

Herstellung von Metallerzeugnissen

18,3

Chemie

18,2

Textil, Bekleidung, Leder

18,0

Baugewerbe

17,6

Sonstiger Fahrzeugbau

17,1

Maschinenbau

16,4

Elektronische und elektrotechnische Fertigung

16,3

Dienstleistungsgewerbe

Postdienste

26,4

Abfallbeseitigung und Recycling

22,5

Verkehr

22,4

Arbeitsvermittlung, Zeitarbeit

22,0

Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherung

19,3

Einzelhandel

18,6

Telekommunikation

17,6

Gesundheitswesen

17,5

Großhandel

15,4

Energie und Wasserwirtschaft

15,4

Erziehung und Unterricht

14,5

Kredit- und Versicherungsgewerbe

13,5

Verlage und Medien

11,0

Arbeitsunfähigkeitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; Hochrechnung für pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder aller gesetzlichen Krankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Berufsgruppen

Die Branchenunterschiede sind mit Vorsicht zu interpretieren. Auch in den industriellen Branchen ist vielfach eine hybride Wertschöpfungskette zu beobachten, in die unterschiedliche Berufe eingebunden sind. Zu den Top 5 der Berufsgruppen mit den höchsten Ausfallzeiten gehören ebenso Altenpfleger wie Lokführer oder Lastwagenfahrer. Auch die Top 5 der gesündesten Berufsgruppen streuen über verschiedene Einsatzfelder.

Arbeitsunfähigkeitstage 2016 je beschäftigten Versicherten

Die fünf Berufsgruppen mit den wenigsten Arbeitsunfähigkeitstagen

Lehr- und Forschungstätigkeit an Hochschulen

5,0

Geologie, Geografie und Meteorologie

7,3

Öffentlichkeitsarbeit

7,7

Geschäftsführung und Vorstand

7,7

Human- und Zahnmedizin

8,0

Die fünf Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen

Servicekräfte im Personenverkehr

29,1

Industrielle Keramikherstellung und -verarbeitung

28,9

Überwachung und Wartung der Verkehrsinfrastruktur

28,6

Polizeivollzugs- und Kriminaldienst, Gerichts- und Justizvollzug

28,2

Altenpflege

28,0

Arbeitsunfähigkeitstage: Kalendertage mit ärztlichem Attest; pflicht- und freiwillig versicherte Mitglieder der Betriebskrankenkassen, ohne Arbeitslose und Rentner

Quelle: Dachverband der Betriebskrankenkassen

Die Krankheitskosten der Arbeitgeber

Die Unternehmen mussten im Jahr 2017 schätzungsweise 53 Milliarden Euro an Gehältern für kranke Mitarbeiter zahlen, im Jahr 2006 waren es nur gut 25 Milliarden Euro. Die höheren Entgeltfortzahlungen haben mehrere Gründe: In Deutschland arbeiten heute mehr Menschen als je zuvor, also erhöht sich natürlich auch die Zahl der Krankheitstage. Gehaltssteigerungen spielen ebenfalls eine Rolle. Außerdem steigt der Krankenstand seit einigen Jahren an.

Ausgaben der Unternehmen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, in Milliarden Euro

Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber einschließlich der gesetzlichen Unfallversicherung; 2015: vorläufig; 2016 und 2017: geschätzt

Ursprungsdaten: BMAS, Deutsche Rentenversicherung

Die Angaben in den Grafiken basieren auf einer jährlichen Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK), in die alle von einem Arzt attestierten Krankheitstage einfließen. Die Ergebnisse lassen sich angesichts der 4,4 Millionen beschäftigten BKK-Mitglieder gut auf die Gesamtwirtschaft übertragen.

Alle Daten in einer Excel-Tabelle zum Herunterladen

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