Arbeitsmarkt Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Fachkräftemangel: Chancen durch die „Generation Erfahrung“

In Deutschland finden immer mehr Ältere einen Job, dennoch ist die Arbeitslosenquote der 55- bis 65-Jährigen höher als die aller anderen Altersgruppen. Den Unternehmen bietet sich daher reichlich Potenzial, den Fachkräftemangel aufzufangen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Trotz eines Rückgangs in den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosenquote der über 55-Jährigen noch immer überdurchschnittlich hoch.
  • Unternehmen könnten sich stärker auf ältere Arbeitnehmer konzentrieren, um den Fachkräftemangel abzuschwächen.
  • Die Akquise funktioniert am besten, wenn die Unternehmen gemeinsam mit der regionalen Politik und Verwaltung agieren.
Zur detaillierten Fassung

Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl der potenziellen Erwerbstätigen in Deutschland in den nächsten Jahren Schritt für Schritt sinken, da mehr Menschen in den Ruhestand gehen als auf den Arbeitsmarkt kommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln geht davon aus, dass es 2035 je nach Stärke der Zuwanderung 41 bis 43 Millionen Erwerbspersonen geben wird. Zum Vergleich: Derzeit sind 49 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter. Daher tun die Unternehmen gut daran, sich intensiv um ältere Arbeitnehmer zu bemühen und dadurch den Fachkräftemangel abzuschwächen.

Die Situation älterer Erwerbspersonen hat sich in den vergangenen Jahren bereits spürbar verbessert (Grafik):

Die Arbeitslosenquote der 55- bis 65-Jährigen lag 2016 bei 6,8 Prozent, 2007 waren es noch 8,9 Prozent.

Besonders in Bayern ist die Arbeitslosigkeit dieser Altersgruppe niedrig: Im Landkreis Eichstätt waren 2016 nur 1,9 Prozent der älteren Erwerbspersonen ohne Job. Auch viele andere Kreise zwischen Nürnberg und München liegen auf einem ähnlichen Niveau. In Ostdeutschland sind die Quoten zwar deutlich höher. Aber auch dort hat sich einiges getan:

Von 2007 bis 2016 konnten viele ostdeutsche Kreise die Arbeitslosigkeit der 55- bis 65-Jährigen um rund 10 Prozentpunkte senken.

An der Spitze liegt der Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit einem Rückgang von 12,9 Prozentpunkten.

Ein Blick auf die Beschäftigungsquote verdeutlicht, dass diese Altersgruppe trotzdem noch viel Potenzial hat. Denn erst 51,4 Prozent der über 55-Jährigen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach – über alle Altersgruppen hinweg ist die Beschäftigungsquote 6,4 Prozentpunkte höher.

Deutsche Unternehmen könnten mit älteren Arbeitnehmern ihre Fachkräftelücke verkleinern.

Für Unternehmen kann sich eine stärkere Fokussierung auf die älteren Arbeitnehmer also durchaus lohnen, schließlich verfügen diese über viel Lebens- und Berufserfahrung. Beim Werben um die „Generation Erfahrung“ gibt es verschiedene Möglichkeiten: So können die Firmen spezielle Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen anbieten, die Arbeitszeiten flexibel gestalten oder verstärkt auf gesundheitliche Vorsorge setzen. Auch Mentoringprogramme, in denen die Älteren ihr Wissen an die jungen Generationen weitergeben, sind ein Ansatz, um ältere Fachkräfte zu gewinnen.

Besonders erfolgreich war die Akquise bisher, wenn die Unternehmen gemeinsam mit der regionalen Politik und Verwaltung agieren. Dadurch können sie auf die regionalen Gegebenheiten eingehen und gezielte Maßnahmen ergreifen, um ältere Menschen wieder in den Arbeitsmarkt einzubinden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Bertelsmann Stiftung.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de