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Fachkräfte: Jugend fehlt

Schon heute sind Fachkräfte in einigen Regionen Deutschlands rar. In den kommenden Jahren dürfte sich die Lage vielerorts noch verschärfen, wie die Relation von Jugendlichen zu älteren Arbeitnehmern zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Welche Regionen in Deutschland künftig vom Fachkräftemangel betroffen sein werden, zeigt sich bei der Gegenüberstellung von heute 10- bis 20-Jährigen und älteren Beschäftigten.
  • Ostdeutschland bekommt demnach laut einer Untersuchung der IW Consult für die Bertelsmann Stiftung bald die größten Probleme, seinen Fachkräftebedarf zu decken.
  • Aber auch die Unternehmen in den ländlichen Regionen Baden-Württembergs und Bayerns stehen vor einer großen Herausforderung.
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Vor 20 Jahren war das eine eher absurde Vorstellung: Arbeitskräfteknappheit gefährdet das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Doch genau dieses Problem bereitet den Konjunkturforschern derzeit große Sorgen (siehe iwd.de: „Deutsche Wirtschaft bleibt auf dem Wachstumspfad“). Schuld daran ist der demografische Wandel:

Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter wird in Deutschland bis 2060 um 20 Prozent auf 38 Millionen schrumpfen.

Hauptgrund dafür ist, dass die geburtenstarken Jahrgänge der heute 48- bis 62-Jährigen schon bald in den Ruhestand zu wechseln beginnen – und dies durch Zuwanderung bei weitem nicht zu kompensieren ist.

Doch der Mangel an Nachwuchskräften trifft längst nicht ganz Deutschland im selben Ausmaß, wie eine regionale Gegenüberstellung von Berufseinsteigern und Rentnern in spe zeigt (Grafik): So viele 10- bis 20-Jährige kamen im Jahr 2015 auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Alter von 55 bis 64 Jahren

West-Ost-Gefälle. In Sachsen-Anhalt kamen im Jahr 2015 auf jeweils 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwischen 55 und 64 Jahren lediglich 98 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren – von denen in zehn Jahren gemessen an den üblichen Erwerbstätigenquoten nur knapp 80 Prozent berufstätig sein werden. Schleswig-Holstein dagegen hat mit 179 Kindern und Jugendlichen pro 100 ältere Arbeitnehmer gute Chancen, seinen demografischen Fachkräftebedarf zu decken. Günstig sehen die Nachwuchsrelationen auch in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen aus. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen stehen dagegen ähnlich schlecht da wie Sachsen-Anhalt.

Ostdeutschland steht vor einem eklatanten Mangel an Fachkräften.

Gefälle zwischen Stadt und Umland. Stadtstaaten wie Bremen und Hamburg fallen bei diesem Vergleich deutlich hinter die Flächenländer zurück – und das hat vor allem einen Grund: In Großstädten gibt es reichlich Arbeit und damit auch viele über 55-jährige Beschäftigte. Familien mit Kindern leben indes eher im grünen Umland – und das findet sich bei den Stadtstaaten eben in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Auch Unternehmen auf dem Land brauchen Fachkräfte

Die wirtschaftliche Stärke erklärt auch die Nachwuchsprobleme Baden-Württembergs und Bayerns: Für die dortige Industrie, insbesondere die oft in ländlichen Regionen ansässigen Mittelständler, wird es künftig schwieriger, die ausscheidenden Fachkräfte durch qualifizierte Berufsanfänger zu ersetzen. Ansatzpunkte, um Firmen und Nachwuchs zusammenzubringen, sind neben mehr Wohnraum in den Städten vor allem attraktivere Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Land. Die Unternehmen tragen selbst einiges dazu bei (siehe Interview: „Wir bilden unsere Fachkräfte meistens selbst aus“). Denn am Ende können flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Weiterbildungen darüber entscheiden, ob ein Bewerber eine freie Stelle annimmt.
   

Weiterführende Links

  • Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Bertelsmann Stiftung
  • Eine Checkliste zur überregionalen Rekrutierung von Fachkräften bietet das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung auf kofa.de

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