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Europäische Union Lesezeit 3 Min.

EU-Nettozahler: Zahlungssalden der Mitgliedsstaaten sorgen für Transparenz

Deutschland hat von allen Mitgliedsstaaten im Jahr 2024 per saldo am meisten in den EU-Haushalt eingezahlt, sowohl in absoluten Beträgen als auch gemessen an der Wirtschaftsleistung. Zu den größten Nettoempfängern von Mitteln aus den EU-Fördertöpfen gehören die baltischen Staaten und Griechenland.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland war im Jahr 2024 der größte Financier der EU, sowohl in absoluten Beträgen als auch gemessen an der Wirtschaftsleistung.
  • Der rein zahlenmäßig größte Profiteur von EU-Fördermitteln war Griechenland. In Relation zum Bruttonationaleinkommen belegten die baltischen Staaten die drei vorderen Positionen.
  • Insgesamt waren die über den regulären EU-Haushalt getätigten Ausgaben im Jahr 2024 mit 123 Milliarden Euro niedriger als ein Jahr zuvor. Hierbei spielt unter anderem der als Reaktion auf die Coronakrise geschaffene Extrahaushalt NextGeneration EU eine Rolle.
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Die Europäische Union ist eine Staatengemeinschaft, von der alle profitieren – so hat der Binnenmarkt die Wirtschaftskraft und den Wohlstand in den Mitgliedsländern in den vergangenen Jahrzehnten wachsen lassen.

Zugleich verteilt die EU im Rahmen ihrer zahlreichen Projekte große Summen um. Deshalb führt die Frage, wer wie viel in den EU-Haushalt einzahlt und wem in welchem Umfang Finanzmittel zufließen, immer wieder zu Diskussionen. Das IW hat die aktuellen Zahlen ermittelt:

Absolut betrachtet, hat Deutschland zuletzt unterm Strich am meisten an die EU abgeführt:

Mit gut 13,1 Milliarden Euro war der deutsche Nettobeitrag zum EU-Haushalt im Jahr 2024 mit Abstand am größten – Frankreich kam als Zweitplatzierter auf eine Nettozahlung von knapp 4,8 Milliarden Euro.

Griechenland war in dieser Rechnung per saldo der größte Profiteur, fast 3,5 Milliarden Euro flossen den Hellenen netto zu. Polen und Rumänien folgten mit knapp 2,9 beziehungsweise 2,7 Milliarden Euro.

Nun sind die EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlich groß, sodass es naheliegt, die Zahlungen an und aus dem EU-Haushalt in Relation zur jeweiligen Wirtschaftsleistung zu setzen (Grafik):

Auch gemessen am Bruttonationaleinkommen (BNE) war Deutschland mit einer Nettozahlung von 0,29 Prozent 2024 der wichtigste EU-Financier.

Finanzielle Mittel, die ein Mitgliedsstaat aus dem EU-Haushalt erhielt, abzüglich der Beitragszahlungen an die EU im Jahr 2024 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Dahinter verschieben sich die Ränge in dieser Betrachtung allerdings deutlich: Zweitgrößter Nettogeber war demnach im vergangenen Jahr mit 0,18 Prozent des BNE Österreich. Auf der Empfängerseite belegen nun die baltischen Staaten die drei vorderen Positionen, wobei Lettland mit 2,60 Prozent des BNE per saldo zuletzt das meiste Geld aus Brüssel erhielt.

Im Jahr 2024 war Deutschland mit einem Nettobeitrag von 0,29 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) der wichtigste EU-Financier. Mit 2,60 Prozent des BNE stand Lettland auf Position eins der Nettoempfänger.

Die EU-Haushaltsmittel sind zum großen Teil für die Bereiche „Natürliche Ressourcen und Umwelt“ – dahinter steckt im Wesentlichen die Agrarpolitik – und „Zusammenhalt, Resilienz und Werte“ vorgesehen. Bei Letzterem geht es um die sogenannte Kohäsionspolitik, mit der die EU wirtschaftlich schwächere Regionen unterstützt.

Schaut man nur auf den Agrarhaushalt, erweist sich erneut Lettland als größter Nettoempfänger – der baltische Staat strich 2024 per saldo Agrarhilfen von 0,91 Prozent des BNE ein. Auf ähnlich hohe Anteile kamen Bulgarien, Griechenland und Litauen. Die wichtigsten Geldgeber für diesen Haushaltsbereich – gemessen an ihrer jeweiligen Wirtschaftsleistung – waren Luxemburg, Belgien und Malta. Deutschland folgte auf Rang vier.

Auch von der Kohäsionspolitik profitierte Lettland im vergangenen Jahr mehr als alle anderen – netto flossen dem Land 1,31 Prozent seines BNE an entsprechenden Fördermitteln zu. Die EU-Zahlungen an die Slowakei und Kroatien machten rund 0,9 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung aus. Zur Finanzierung der Kohäsionsmittel trugen am stärksten Finnland, Irland und Frankreich bei.

Gegenüber 2023 haben sich die EU-Haushaltssalden teils deutlich verschoben

Vergleicht man die Haushaltssalden mit den Daten für 2023, zeigen sich größere Verschiebungen. So ist Deutschlands Nettobeitrag deutlich gesunken. Ein Grund ist die schwache Konjunktur hierzulande, hängen doch die Zahlungen der Mitgliedsstaaten an die EU von der jeweiligen Wirtschaftskraft ab.

Auch insgesamt waren die über den regulären EU-Haushalt getätigten Ausgaben im Jahr 2024 mit 123 Milliarden Euro niedriger als ein Jahr zuvor. Hierbei spielt unter anderem der als Reaktion auf die Coronakrise geschaffene Extrahaushalt NextGeneration EU eine Rolle. Über ihn wurden zuletzt viele Zahlungen abgewickelt, die zuvor der Kohäsionspolitik zugeordnet waren.

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