Jugendarbeitslosigkeit Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Weniger Jugendliche auf Jobsuche

In den vergangenen Jahren war immer wieder zu lesen, dass in einigen südeuropäischen Ländern mehr als 40 Prozent der Jugendlichen einen Job suchten. Eine sachgerechtere Abgrenzung der Jugendarbeitslosigkeit kommt allerdings zu deutlich niedrigeren Werten. Zudem war der Trend auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen in vielen EU-Ländern zuletzt positiv.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die offiziellen Arbeitslosenquoten für 15- bis 29-Jährige klammern diejenigen aus, die noch zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder studieren, und vermitteln daher ein falsches Bild.
  • Tatsächlich befanden sich 2018 nur gut 8 Prozent aller jungen Menschen in der EU nicht mehr im Bildungssystem und wollten grundsätzlich arbeiten.
  • Auch nach dieser Abgrenzung ist die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa am höchsten, der Trend war jedoch auch dort in letzter Zeit positiv.
Zur detaillierten Fassung

Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat nicht zuletzt die junge Bevölkerung hart getroffen. Bis 2013 stieg die offizielle Arbeitslosenquote der 15- bis 29-Jährigen in Griechenland und Spanien auf mehr als 40 Prozent; in Kroatien, Italien und Portugal erreichte die Quote etwa 30 Prozent. Dass gerade die jungen Beschäftigten in konjunkturell schwierigen Zeiten besonders leicht ihren Job verlieren, ist unstrittig – unter anderem ist der Kündigungsschutz für sie meist schwächer als für ältere Arbeitnehmer.

Offizielle Arbeitslosenquoten für Jugendliche verzerrend

Dennoch vermitteln die hohen Jugendarbeitslosenquoten leicht ein falsches Bild. Denn sie beziehen die Zahl der jungen Jobsucher nicht etwa auf alle Altersgenossen, sondern nur auf jene, die für den Arbeitsmarkt verfügbar sind. Außen vor bleiben damit alle Jugendlichen, die noch zur Schule gehen oder studieren. Diese Gruppe dürfte bei den 15- bis 29-Jährigen aber in vielen Ländern recht groß sein. Hinzu kommt, dass Jugendliche, die dem Bildungssystem früh den Rücken kehren, tendenziell schlechter qualifiziert sein dürften und deshalb eher Probleme bei der Stellensuche haben als die, die nach der allgemeinbildenden Schule noch eine weiterführende Ausbildung oder ein Studium absolvieren.

Im EU-Schnitt betrug im Jahr 2018 der Anteil der 15-bis 29-Jährigen, die sich nicht mehr im Bildungssystem befanden und tatsächlich arbeiten wollten, 8,1 Prozent.

Um die Arbeitslosigkeit der jungen Generation sachgerecht abzubilden, ist es daher sinnvoll, die Gruppe derjenigen, die sich nicht mehr im Bildungssystem befinden und tatsächlich arbeiten wollen, in Relation zur gesamten Altersgruppe zu setzen. Das Ergebnis (Grafik): Von allen 15- bis 29-Jährigen waren in den EU-Ländern 2018 zwischen knapp 3 und gut 17 Prozent auf der Suche nach einem Job – im EU-Durchschnitt betrug die Quote 8,1 Prozent. So viel Prozent der 15- bis 29-Jährigen wollten 2018 grundsätzlich arbeiten und standen in keinem Beschäftigungs-, Bildungs- oder Ausbildungsverhältnis Deutschland liegt mit 4,5 Prozent auf einem guten sechsten Rang – nicht zuletzt dank des dualen Ausbildungssystems, das vielen Jugendlichen einen reibungslosen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht. Am problematischsten ist die Lage auch nach der hier vorgenommenen Abgrenzung in den südeuropäischen Ländern. Allerdings kommt selbst Schlusslicht Italien nur auf 17,3 Prozent Jugendarbeitslosigkeit – die klassische Eurostat-Statistik weist dagegen für 2018 eine Quote von 25 Prozent aus.

Positiver Arbeitsmarkttrend

Zudem hat die überwiegend robuste Konjunktur in der EU in den vergangenen Jahren die Jobchancen der Jugendlichen verbessert. Zwar ist der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind, in Griechenland, Italien und Kroatien immer noch höher als im Jahr 2009. In den meisten Ländern ist die Quote jedoch deutlich gesunken, am stärksten in den baltischen Staaten, Irland und Ungarn.

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