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Frauen wollen mehr arbeiten

In Deutschland steigt die Erwerbsbeteiligung von Frauen seit Jahren. Insbesondere viele Mütter wünschen sich nach der Kinderpause mehr als nur einen kleinen Teilzeitjob.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland ist seit 1998 stark gestiegen.
  • Grund dafür sind gesetzliche Änderungen, zum Beispiel im Rentenrecht, sowie ein verändertes Erwerbsverhalten der Frauen.
  • Insbesondere Mütter wollen nach der Kinderpause seltener nur Teilzeit arbeiten.
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Die Entwicklung ist eindeutig: Im Jahr 1998 betrug die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 64-jährigen Frauen knapp 59 Prozent – damit lag Deutschland nur im europäischen Mittelfeld. Zwanzig Jahre später gehen bereits mehr als 76 Prozent dieser Altersgruppe einer bezahlten Arbeit nach – das ist der dritthöchste Wert aller 28 EU-Länder hinter Schweden und Litauen. Zu diesem Anstieg dürften zwei Faktoren beigetragen haben: zum einen die Änderungen im Rentenrecht, insbesondere die Erhöhung des Rentenalters für Frauen von 60 auf 65 Jahre ab dem Jahr 2000, und zum anderen der Ausbau der Betreuungsangebote für kleine Kinder. Allerdings: Der Anstieg der Erwerbsquote wird vor allem von den 45- bis 54-Jährigen getragen, also von Frauen, die typischerweise weder vom verbesserten Betreuungsangebot noch vom späteren Renteneinstieg direkt betroffen waren: Die Erwerbsbeteiligung der 45- bis 54-jährigen Frauen ist seit 1993 um gut 20 Prozentpunkte gestiegen, die der 35- bis 44-Jährigen dagegen nur um knapp 12 Punkte. Dass die 55- bis 64-jährigen Frauen mit fast 42 Prozentpunkten den stärksten Anstieg der Erwerbsbeteiligung hatten, war aufgrund des heraufgesetzten Renteneintrittsalters nur logisch.

Die Erwerbsbeteiligung von 45- bis 54-jährigen Frauen ist seit 1993 um gut ein Fünftel gestiegen.

Die Frauen zwischen 45 und 64 Jahren arbeiten heute zudem länger. Hatte 2008 noch fast ein Drittel von ihnen einen Teilzeitjob mit weniger als 21 Wochenstunden, sind es inzwischen gut 3 Prozentpunkte weniger – umgekehrt hat sich der Anteil derjenigen mit 21 bis 29 Stunden pro Woche um fast 3 Punkte auf gut 42 Prozent erhöht. Diese Entwicklungen zeigen, dass sich das Erwerbsverhalten der Frauen spürbar verändert. Vor allem Mütter steigen nach der Geburt ihrer Kinder deutlich früher wieder in den Arbeitsmarkt ein: Sowohl bei Frauen mit 10- bis 14-jährigen Kindern als auch bei denen mit 15- bis 17-jährigen Kindern hat die Erwerbsbeteiligung seit 2008 um rund 8 Prozentpunkte zugelegt. Zudem haben diese Mütter ihre Arbeitszeit ausgeweitet. Der Anteil der Frauen mit weniger als 21 Wochenstunden ist in dem Maße gesunken, in dem der Anteil der Frauen mit längeren Arbeitszeiten gestiegen ist.

Frauen wollen weniger Teilzeit arbeiten

Dass dies keine Modeerscheinung ist, zeigen die Arbeitszeitwünsche der Frauen (Grafik): Gefragt, welche Arbeitszeit sie sich wünschen, entschieden sich 2017 gut 42 Prozent der Mütter mit 15- bis 17-jährigen Kindern für 35 Stunden und mehr – im Jahr 2008 wollten das erst 34 Prozent. Arbeitszeitwünsche von Müttern in Deutschland Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen. Politisch wird es deshalb darauf ankommen, die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder sowohl quantitativ als auch qualitativ weiter auszubauen.

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