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Von der Schule in die Ausbildung

Etwas mehr als 50.000 Jugendliche mit Behinderung verlassen in Deutschland jedes Jahr die Schule und machen sich auf den Weg in ihre berufliche Zukunft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast 90 Prozent der Unternehmen, die Menschen mit Behinderung ausbilden, setzen auf die regulären drei- bis dreieinhalbjährigen Berufe, zum Beispiel den Einzelhandelskaufmann.
  • Rund 9 Prozent der Betriebe bilden junge Menschen mit Behinderung in Sonderausbildungsberufen aus, etwa zum Fachpraktiker im Verkauf oder in der Metallbearbeitung.
  • Der wichtigste Partner für die Betriebe sind die Berufsbildungswerke. Das sind von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte außerbetriebliche Bildungseinrichtungen, die sowohl eigenständig als auch in Kooperation mit Unternehmen ausbilden.
Zur detaillierten Fassung

Ob mit oder ohne Behinderung – grundsätzlich unterscheidet sich für junge Menschen der Übergang von der Schule in die Ausbildung erst einmal nicht: Alle können eine duale oder eine schulische Berufsausbildung beginnen.

Reguläre Ausbildungsberufe ...

Eine repräsentative Unternehmensbefragung aus dem Jahr 2015 zeigt, wie die betriebliche Realität aussieht: Fast 90 Prozent der Unternehmen, die Menschen mit Behinderung ausbilden, setzen auf die regulären drei- bis dreieinhalbjährigen Berufe, zum Beispiel den Einzelhandelskaufmann. Rund 20 Prozent bieten ihren Auszubildenden mit Behinderung zweijährige Ausbildungsberufe an, zum Beispiel als Verkäufer. Es geht aber nicht nur das eine oder das andere, sondern viele Unternehmen bilden parallel in zwei- sowie drei- oder dreieinhalbjährigen Berufen aus.

... und Sonderausbildungsberufe

Rund 9 Prozent der Betriebe bilden junge Menschen mit Behinderung in Sonderausbildungsberufen aus, etwa zum Fachpraktiker im Verkauf oder in der Metallbearbeitung (Grafik): Im Jahr 2017 haben fast 8.300 junge Menschen mit Behinderung einen Ausbildungsvertrag in einem speziellen Beruf abgeschlossen. Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in speziellen Berufen für Menschen mit Behinderung Diese Jugendlichen lernen praktische und theoriereduzierte Inhalte, die sich an den regulären Ausbildungsberufen orientieren. Bei Erfolg erhalten sie einen Berufsabschluss als sogenannter Fachpraktiker oder Werker. Absolventen von Sonderausbildungsberufen haben je nach Beruf unterschiedliche Perspektiven. So waren Ende 2018 zum Beispiel die Arbeitsmarktchancen derjenigen, die eine Ausbildung zur Fachkraft für den Verkauf absolviert hatten, wesentlich schlechter als die Chancen neu ausgebildeter Metallwerker.

Viele Unternehmen setzen auf die zahlreichen Fördermöglichkeiten wie ausbildungsbegleitende Hilfen, um Jugendlichen mit Behinderung einen regulären Ausbildungsberuf zu ermöglichen.

Die Zahl der Jugendlichen in Sonderausbildungsberufen ist seit Jahren rückläufig. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen setzen viele Unternehmen auf die zahlreichen Fördermöglichkeiten wie ausbildungsbegleitende Hilfen, um Jugendlichen mit Behinderung einen regulären Ausbildungsberuf zu ermöglichen. Zum anderen hat die Bundesagentur für Arbeit Sonderausbildungen, insbesondere in den neuen Ländern, lange stark gefördert, diese Förderung im Laufe der Jahre aber sukzessive zurückgefahren. Zudem kann ein Unternehmen heute nur dann eine Ausbildung in Sonderberufen anbieten, wenn die Ausbilder sich gesondert schulen lassen oder das Unternehmen mit einem externen Partner zusammenarbeitet.

Die Berufsbildungswerke

Der wichtigste Partner für die Betriebe sind die Berufsbildungswerke. Das sind von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte außerbetriebliche Bildungseinrichtungen, die sowohl eigenständig als auch in Kooperation mit Unternehmen ausbilden. In den bundesweit 52 Einrichtungen werden Jugendliche mit Behinderung sonderpädagogisch unterstützt und leben vielfach in einem Internat vor Ort. Inwiefern außerbetriebliche Ausbildungen die betriebliche Realität widerspiegeln, ist ebenso umstritten wie die Schaffung von Sonderräumen für Jugendliche mit Behinderung. Berufsbildungswerke versuchen diesen Kritikpunkten zu begegnen, indem sie mehr Praktika in die Ausbildung integrieren und Phasen der Ausbildung in die Unternehmen verlagern.Vorrangig junge Menschen mit geistiger Behinderung werden direkt nach der Schule in Werkstätten für Menschen mit Behinderung aufgenommen. In diesen öffentlich finanzierten Arbeitsstätten werden sie beruflich wie privat betreut. Sie absolvieren keine vollständige Ausbildung, erhalten aber eine berufliche Grundbildung. In Kombination mit Berufspraxis in arbeitsmarktnahen Routinetätigkeiten soll ihnen mittelfristig der Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen.

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