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„Praktika bieten oft die beste Möglichkeit, sich näher kennenzulernen“

Weil Menschen mit Behinderungen keine homogene Gruppe darstellen, ist die Übergangsphase von der Schule in das Berufsleben für viele von ihnen eine besondere Herausforderung. Wie der Berufseinstieg dennoch gelingt, erläutert Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Kernaussagen in Kürze:
  • Um jungen Menschen mit Behinderung den Berufseinstieg zu ermöglichen, müssen Wohl und Potenzial des Einzelnen im Mittelpunkt stehen. Ein Patentrezept gibt es nicht, sagt Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.
  • Von großer Bedeutung ist laut Dorn eine umfassende berufliche Orientierung in der Schule, die systematisch, adressatengerecht und praxisnah durchgeführt wird.
  • Praktika im Betrieb bieten der Expertin zufolge oft die beste Möglichkeit für die Jugendlichen wie für die Betriebe, sich näher kennenzulernen und die Passgenauigkeit zu erproben.
Zur detaillierten Fassung

Behinderte stehen ebenso wie nicht behinderte junge Menschen vor der Herausforderung, den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten und damit die Basis für ein gutes und möglichst eigenständiges Leben zu legen. Ziel aller Bemühungen muss es sein, allen Jugendlichen eine gute, stärkenorientierte, auf den individuellen Unterstützungsbedarf ausgerichtete berufliche Orientierung anzubieten. Dieser Anspruch verlangt Engagement und Willen zur Kooperation aller am Übergangsprozess Beteiligten. Die Arbeitgeber bringen sich hier in Zusammenarbeit insbesondere mit den Schulen und den Arbeitsagenturen intensiv ein. Wohl und Potenzial des einzelnen jungen Menschen müssen im Mittelpunkt stehen. Es gibt kein Erfolgsrezept, das pauschal auf alle angewandt werden kann. Der Vielfalt der unterschiedlichen individuellen Ausgangslagen entspricht eine Vielfalt der Wege. Menschen mit Behinderung sind keine homogene Gruppe. Doch bei allen Kindern, mit und ohne Behinderung, sind Diagnose und Analyse ihrer Stärken und besonderen Kompetenzen – wie auch ihrer Grenzen – vorzunehmen und die Stärken weiter zu fördern. Die Potenzialanalyse muss auch für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf stattfinden und zur Selbsteinschätzung wie zur Beratung der Eltern hinzugezogen werden.

Junge Menschen mit Behinderungen brauchen die Chance, ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln und ihr Können unter Beweis zu stellen.

Von großer Bedeutung ist eine umfassende berufliche Orientierung in der Schule, die systematisch, adressatengerecht und praxisnah durchgeführt wird. Praxisnahes Lernen motiviert Kinder mit Handicaps, besonders mit Lernbehinderungen, aller Erfahrung nach sehr. Auch Praxisklassen haben sich bewährt, die das Lernen im Betrieb mit der Schule koppeln.

 Barbara Dorn ist Abteilungsleiterin Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände; Foto: privat Praktika im Betrieb bieten oft die beste Möglichkeit für die Jugendlichen wie für die Betriebe, sich näher kennenzulernen und die Passgenauigkeit zu erproben. Begabungen und Kompetenzen können zum Leuchten gebracht werden und die Bedeutung von Handicaps für den betrieblichen Alltag relativiert werden.

Gerade für den gelingenden Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung wird ein intensives regionales Netzwerk benötigt. Schulen bauen oft umfassende Netzwerke mit Betrieben und anderen Einrichtungen auf, um Wege in die Ausbildung zu ebnen. Das von den Arbeitgeberverbänden getragene Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT ist eine ideale Plattform, um Partnerschaften zwischen Schule und Unternehmen zu organisieren. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit hat SCHULEWIRTSCHAFT den Leitfaden „Handicap – na und? Berufs- und Studienorientierung inklusiv gestalten“ herausgegeben. Junge Menschen mit Behinderungen brauchen die Chance, ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln und ihr Können unter Beweis zu stellen. Aus Sicht der Arbeitgeber ist richtig verstandene Inklusion nicht nur gesellschaftspolitisch erwünscht, sondern trägt auch zur Verringerung der Fachkräftelücke bei.

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