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Topmanagerinnen: Vorbild USA

In Deutschland werden zwar nach und nach mehr Führungspositionen mit Frauen besetzt, doch ins Topmanagement dringen nur wenige vor. Andere Länder sind da schon deutlich weiter. Vor allem in den Vereinigten Staaten gibt es viele Managerinnen, die als Geschäftsführerin oder im Vorstand Verantwortung übernehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Frauenanteil im Topmangement von Unternehmen ist in den USA höher als in Deutschland.
  • Hier wir dort machen Frauen häufiger im Gesundheits- und Bildungssektor als in der Industrie Karriere.
  • Mitte 2016 war in Deutschland gerade einmal 1 Prozent aller Vorstandsvorsitzenden börsennotierter Aktiengesellschaften weiblich.
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Als Letitia „Lettie“ Pate Whitehead Evans 1934 in den Vorstand von Coca-Cola berufen wurde, war das etwas ganz Neues: Als erste Frau im Vorstand einer großen US-Firma schrieb sie amerikanische Wirtschaftsgeschichte. Fast 20 Jahre – bis zu ihrem Tod 1953 – lenkte sie die Geschicke des Unternehmens als Direktorin mit.

Auch heute noch ist Amerika in puncto Geschlechtergerechtigkeit ein ganzes Stück weiter als Deutschland – und das nicht nur, weil im 14-köpfigen Coca-Cola-Vorstand aktuell vier Frauen sitzen (Grafik):

Von zehn obersten Führungspositionen sind in den USA fast vier mit Frauen besetzt, in Deutschland dagegen weniger als drei.

In beiden Ländern gibt es allerdings ein großes Branchengefälle: Im Gesundheits- und auch im Bildungssektor, in denen traditionell mehr Frauen als Männer arbeiten, sind auch häufiger mehr Chefinnen als Chefs vertreten. Anders in der Industrie – hier schaffen es in den USA lediglich 18 Prozent und in Deutschland sogar nur 14 Prozent Frauen ins Topmanagement.

Die USA sind Deutschland bei der Gleichstellung der Geschlechter im Management mehr als eine Nasenlänge voraus.

Während man in der Bundesrepublik vermutlich an die erfolgreiche Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller denkt oder an Simone Bagel-Trah, die Ururenkelin von Firmengründer Fritz Henkel und einzige weibliche Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns, ist in den Vereinigten Staaten wohl Mary Barra die bekannteste Unternehmenslenkerin: Die 55-Jährige ist seit drei Jahren Vorstandsvorsitzende von General Motors – und damit die erste Frau an der Spitze eines Automobilkonzerns.

Hohe Aufmerksamkeit genießt – zumindest in den USA – auch Bettina Experton, Gründerin und CEO der IT-Firma Humetrix, die Gesundheits-Apps entwickelt. Das Gleiche gilt für Susan Salka, CEO von AMN Healthcare, einer Gesundheitsfirma mit Sitz in San Diego, sowie für Lindy Benton, CEO und Präsidentin des ebenfalls im Gesundheitsmanagement agierenden Unternehmens Vyne.

In den USA haben Business-Frauen eine relativ lange Tradition. Bereits 1889 stieg Anna Bissell als erster weiblicher CEO Amerikas in die Geschäftsführung der Bissell Sweeper Company ein, ein Unternehmen, das unter anderem recht erfolgreich Teppichfeger für anderthalb Dollar das Stück verkaufte. Heute werden in den USA laut amerikanischem Statistikamt etwa 28 Prozent aller Unternehmen von einer Frau geleitet.

Weibliche Vorstandsvorsitzende sind in Deutschland eine Rarität

Davon ist Deutschland weit entfernt. In der Bundesrepublik hatten im Jahr 2015 von den rund 3,65 Millionen mittelständischen Unternehmen (inklusive der Solo-Selbstständigen) nur 18 Prozent einen weiblichen Boss. Im Topmanagement der größten Firmen sieht es noch weitaus schlechter aus (Grafik):

Im Jahr 2016 waren lediglich 1 Prozent der Vorstandsvorsitzenden der Dax- und MDax-Unternehmen Frauen.

In vergleichbaren börsennotierten amerikanischen Unternehmen gibt es achtmal so häufig weibliche CEOs, im Vereinigten Königreich sind es immerhin sechsmal so viele.

Zu den bekanntesten amerikanischen Vorstandsvorsitzenden dürften Ginni Rometty von IBM, Meg Whitman vom Informationstechnikunternehmen Hewlett-Packard Company sowie die bereits erwähnte Mary Barra zählen. Und selbst in den Vorständen der deutschen börsennotierten Unternehmen gibt es ein paar Frauen: Angela Titzrath ist seit Anfang Januar Vorstandsvorsitzende der im SDax notierten Hamburger Hafen und Logistik AG, Dolores Schendel hat den Vorstandsvorsitz des TecDax-Unternehmens Medigene inne und Anke Schäferkordt ist Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland. Alle drei Unternehmen zählen zu den insgesamt 160 Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Unternehmen, in denen mittlerweile 7 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind (siehe iwd.de „Dieser Weg wird steinig und schwer“).

Vielleicht kommt nun aber schneller Bewegung in die Frauenförderung, als jeder Gesetzesvorstoß dies bewerkstelligen könnte. Denn mehr und mehr Investoren – bislang vor allem amerikanische und britische – verweigern Unternehmen die Entlastung, die auf ihren Hauptversammlungen rein männliche Führungsgremien präsentieren. Mit einem simplen Argument: Gemischte Teams seien erfolgreicher, langfristig erwirtschafteten sie höhere Gewinne.

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