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Deutschland: Viel Schwein, wenig Obst

In Deutschland wird wieder gehamstert: Seitdem Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine führt, decken sich deutsche Konsumenten verstärkt mit Grundnahrungsmitteln ein. Zunächst wurden Speiseöle und Mehl stark nachgefragt, nun steht Reis auf vielen Einkaufszetteln. Dabei ist eine Vorratshaltung für viele Agrarerzeugnisse gar nicht nötig, da der Anbau in Deutschland den heimischen Bedarf zumindest rein rechnerisch deckt oder teilweise sogar übererfüllt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Viele Agrarerzeugnisse werden in Deutschland in einem Ausmaß produziert, das weit mehr als den heimischen Bedarf deckt.
  • Zu den Waren, die nicht allein von den deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern verzehrt werden können, zählen im Inland angebaute Kartoffeln sowie deutsche Frischmilcherzeugnisse.
  • Bei einigen Grundnahrungsmitteln ist die Bundesrepublik allerdings nicht autark – etwa bei Eiern, Gemüse und Obst.
Zur detaillierten Fassung

Speiseöl, Weizenmehl und Reis sind in der Bundesrepublik gerade sehr gefragt. Und zwar so sehr, dass in einigen deutschen Supermarktregalen seit Kriegsbeginn in der Ukraine gähnende Leere herrscht. Tatsächlich sind die Produkte nicht wirklich knapp, doch die Nachfrage nach diesen Grundnahrungsmitteln ist kriegsbedingt stark gestiegen, denn die Ukraine ist ein wichtiger Sonnenblumenöl- und Getreidelieferant auf dem Weltmarkt.

Viele Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Getreide werden in ausreichender Menge in Deutschland angebaut.

Tatsächlich ist die Bundesrepublik bei einer ganzen Reihe landwirtschaftlicher Erzeugnisse jedoch durchaus in der Lage, sich autark zu versorgen – zumindest rein rechnerisch (Grafik):

So produzierten deutsche Landwirte im Jahr 2020 rund 4 Prozent mehr Getreide, als in der Bundesrepublik verbraucht wurde.

So viel Prozent dieser in Deutschland verbrauchten landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden im Jahr 2020 zumindest rechnerisch auch in der Bundesrepublik erzeugt beziehungsweise angebaut

Besonders groß war der Überschuss bei Innereien: Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands für Rinderleber, Nieren und Kalbsbries lag im Jahr 2020 bei erstaunlichen 1.745 Prozent. Doch auch viele andere Grundnahrungsmittel außer Getreide werden in ausreichender Menge in Deutschland angebaut und hergestellt: So wurden 2020 mehr als 140 Prozent Kondensmilcherzeugnisse „zu viel“ produziert und die Bauern ernteten 44 Prozent mehr Kartoffeln, als von heimischen Verbaucherinnen und Verbrauchern nachgefragt wurden.

Deutscher Fisch ist Mangelware

Andererseits gibt es aber auch Erzeugnisse, die Händler umfassend importieren müssen, um die Nachfrage der Bundesbürger zu befriedigen. So stammte Fisch im Jahr 2020 nur zu 19 Prozent aus heimischen Gewässern und Aquakulturen, beim Obst war es genau ein Fünftel und bei pflanzlichen Ölen und Fetten mit 22 Prozent nur wenig mehr. Auch mehr als die Hälfte des in Deutschland verzehrten Gemüses stammt aus dem Ausland: Der Selbstversorgungsgrad für Erbsen, Möhren und Co. beträgt in Deutschland lediglich 37 Prozent.

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