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Stahlindustrie: Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Green Deal, Klimaschutz, Lieferkettengesetz – die Anforderungen an Unternehmen steigen, nachhaltig zu wirtschaften und das auch zu belegen. Davon ist die Stahlindustrie nicht ausgenommen. Die Branche ist vor allem bei der Kontrolle der Vorleistungen in der Pflicht. Wie deutsche Unternehmen für sich betrachtet und im internationalen Vergleich dastehen, hat die IW Consult untersucht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die nationalen und internationalen Anforderung an die Nachhaltigkeit in der industriellen Produktion steigen.
  • Die deutsche Stahlindustrie gehört im internationalen Vergleich zu den besten und nimmt eine Vorreiterrolle ein.
  • Bei der CO2-Intensität erreicht sie hinter Japan den zweitniedrigsten Wert. Außerdem werden gut 90 Prozent des Abfalls aus der Wertschöpfungskette deutscher Stahlunternehmen umweltgerecht entsorgt.
Zur detaillierten Fassung

Im Jahr 2023 tritt in Deutschland das Lieferkettengesetz in Kraft. Große Unternehmen müssen sich dann darum kümmern, dass Menschenrechte nicht nur im eigenen Konzern, sondern auch bei den direkten Zulieferern eingehalten werden. In anderen Bereichen steigen die Anforderungen an die Firmen ebenfalls. So stellen die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und der Green Deal der Europäischen Union die Nachhaltigkeit der Wirtschaft in den Fokus.

Die Pflichten sind vor allem für Branchen mit vielen internationalen Verflechtungen herausfordernd. Dazu zählt in Deutschland die Stahlindustrie, denn sie ist stark auf Vorleistungen aus anderen Ländern angewiesen:

79 Prozent des Produktionswerts der deutschen Stahlindustrie basieren auf ausländischer Wertschöpfung.

Der Hauptgrund: Die nötigen Rohstoffe zur Stahlproduktion in Deutschland werden überwiegend außerhalb Europas abgebaut. Erze, Kohle und Koks werden dann hierzulande zu hochwertigem Stahl verarbeitet.

Um einen detaillierten Überblick über den Stand in Sachen Nachhaltigkeit zu erhalten, hat die IW Consult die Branche in einer Studie anhand verschiedener Kriterien unter die Lupe genommen.

Die deutsche Stahlindustrie ist international einer der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Davon profitieren auch die nachgelagerten Industrien wie der Maschinenbau oder der Automobilsektor.

Arbeitsrechte. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bewertet anhand mehrerer Indikatoren – wie Versammlungsfreiheit und faire Tarifverhandlungen – die Arbeitsrechte in einem Land auf einer Skala von null bis zehn (Grafik).

Das hohe Maß an Mitbestimmung für Arbeitnehmer lässt Deutschland im Bereich Arbeitsrechte gut dastehen, auch wenn es nicht für eine Position in der Spitzengruppe reicht.

Arbeitsrechte-Index der Internationalen Arbeitsorganisation

Belgien, Italien und Österreich kommen nach ILO-Einschätzung auf den perfekten Wert von null.

CO₂-Intensität. Nachhaltigkeit bezieht sich aber natürlich nicht nur auf die Arbeitsrechte, sondern auch auf Aspekte des Umweltschutzes. So hat die deutsche Stahlindustrie mit ihrer gesamten Wertschöpfungskette im Jahr 2021 rund 76,8 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Zum Vergleich: Chinas Stahlindustrie hat 2,43 Milliarden Tonnen ausgestoßen, also beinahe das 32-Fache.

Mehr Aufschluss über die Umweltbelastung gibt allerdings die CO2-Intensität – das Verhältnis des CO2-Ausstoßes zum Produktionswert. Deutschland weist nach Japan weltweit den zweitniedrigsten Wert auf: Die gesamte Wertschöpfungskette der deutschen Stahlindustrie verursacht nur 0,61 Kilotonnen CO2 je 1 Milliarde Dollar Produktionswert Stahl. Schlechte Bilanzen weisen dagegen Russland (2,32) und Indien (2,77) auf. China hat mit 1,37 Kilotonnen ebenfalls viel Verbesserungspotenzial.

Abfallwirtschaft. Ein weiterer Faktor für den Umwelt- und Klimaschutz ist der richtige Umgang mit Produktionsabfällen. Hier agiert die deutsche Stahlindustrie vorbildlich (Grafik):

Gut 90 Prozent des Abfalls aus der Wertschöpfungskette deutscher Stahlunternehmen werden umweltgerecht entsorgt. Anteil des umweltgerecht entsorgten Abfalls entlang der Wertschöpfungskette Stahl in Prozent

Auf einen solchen Wert kommt sonst nur Belgien. Düster sieht es am anderen Ende der Liste aus: Gerade einmal 9,9 Prozent der Abfälle entsorgen Russlands Unternehmen fachmännisch. Aber auch die Großproduzenten USA und China erreichen nur einen Anteil von etwas mehr als 52 Prozent. Die Vereinigten Staaten schneiden schlecht ab, weil sie einen Großteil des Abfalls auf Mülldeponien kippen, anstatt ihn zu recyceln oder anderweitig zu nutzen.

Die Auswertung der IW Consult belegt: Die deutsche Stahlindustrie ist international einer der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Von dieser guten Bilanz profitiert nicht nur die Branche selbst, sondern auch die nachgelagerten Industrien wie der Maschinenbau oder der Automobilsektor.

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