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Rentner arbeiten am liebsten in Teilzeit

Die Corona-Krise trifft den deutschen Arbeitsmarkt mit voller Wucht. Doch die Demografie macht keine Pause. Deshalb werden Silver Worker in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen – also Mitarbeiter, die schon eine Rente beziehen oder zumindest die rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllen. Eine neue IW-Studie hat sich den Einsatz dieser Arbeitskräfte genauer angeschaut.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nach der Corona-Pandemie werden Unternehmen weiterhin Silver Worker benötigen, also Mitarbeiter, die schon eine Rente beziehen oder zumindest die rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllen.
  • Geld ist für die Silver Worker nicht das wichtigste Argument für ihren Job – wichtigere Gründe sind die sozialen Kontakte sowie der Spaß an der Arbeit.
  • Die meisten Silver Worker reizt nur eine Beschäftigung in Teilzeit oder als Minijobber, was die Optionen der Politik, Arbeit im Alter zu fördern, deutlich begrenzt.
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Wenn in Deutschland darüber diskutiert wird, ob die Menschen wegen der demografischen Entwicklung erst später in Rente gehen sollten, werden regelmäßig Dachdecker oder Fließbandarbeiter als Beispiele bemüht: Die könnten keinesfalls noch länger schuften und sich dabei den Körper ruinieren.

Doch längst nicht alle älteren Erwerbstätigen haben entsprechend körperlich beanspruchende Jobs. Viele arbeiten gern und wollen gar nicht so schnell wie möglich die beruflichen Brücken abbrechen. Deshalb ist für viele, die das Renteneintrittsalter erreicht haben, im Job noch nicht Schluss (Grafik):

Gut 39 Prozent der Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern beschäftigten 2019 Silver Worker.

Die Grafik zeigt, wie viel Prozent der befragten Unternehmen verschiedener Größenklassen Silver Worker beschäftigen oder in den vergangenen fünf Jahren beschäftigt haben

Weitere knapp 7 Prozent griffen in den vergangenen fünf Jahren auf Unterstützung durch Senioren zurück. Das sind zentrale Ergebnisse des IW-Personalpanels, für das im Frühjahr 2019 mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden.

Teilzeit ist besonders beliebt

Die IW-Auswertung zeigt auch, dass Silver Worker in jenen Betrieben besonders häufig arbeiten, in denen der Altersschnitt der Belegschaft hoch ist. Das erscheint logisch: Wenn viele Beschäftigte gleichzeitig in Rente gehen, verliert die Firma wichtiges Know-how. Entsprechend hilfreich ist es für sie, zumindest einen Teil der Wissensträger über das Rentenalter hinaus zu halten.

Bei der Frage, in welcher Beschäftigungsform Silver Worker tätig sind, ist das Ergebnis deutlich (Grafik):

Nur in knapp 32 Prozent der Firmen arbeiten Silver Worker in Vollzeit, in 43 Prozent der Firmen in sozialversicherungspflichtiger Teilzeit. Gut drei Viertel der Unternehmen beschäftigen Silver Worker als 450-Euro-Jobber.

Die Grafik zeigt für unterschiedliche Beschäftigungsformen, wie viel Prozent der befragten Unternehmen Silver Worker beschäftigen oder in den vergangenen fünf Jahren beschäftigt haben.

Generell scheinen Mitarbeiter im Rentenalter häufig eine kürzere Arbeitszeitlösung vorzuziehen. So finden Firmen, die Silver Worker nur in Vollzeit beschäftigen wollen, mit einer um 10 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit keine entsprechenden Kandidaten als andere Unternehmen. Dagegen können jene Betriebe, die Minijob-Modelle anbieten, mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit arbeitswillige Rentner aktivieren.

Den arbeitenden Rentnern geht es nicht vorrangig ums Geld.

Während es den Unternehmen vorrangig darum geht, mit Silver Workern Fachkräftelücken zu schließen und Know-how im Haus zu halten, haben die Beschäftigten selbst vorrangig nicht das Geld im Blick: Nur 42 Prozent der weiblichen und 29 Prozent der männlichen Silver Worker gaben im Nationalen Bildungspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung an, dass sie das Geld aus ihrem Rentner-Job brauchen. Wozu, das blieb in der Befragung offen.

Die Mehrheit der Befragten nannte aber die sozialen Kontakte sowie Spaß an der Arbeit und der Aufgabe als vorherrschende Gründe.

Tatsächlich, das hat das IW in einer früheren Untersuchung gezeigt, sind es vornehmlich einkommensreichere Rentner, die weiterarbeiten:

Bei Personen aus Haushalten mit einem sogenannten Nettoäquivalenzeinkommen von mehr als 2.500 Euro im Monat ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit über 65 Jahren noch arbeiten, mehr als doppelt so hoch wie bei Haushalten, die weniger als 1.000 Euro zur Verfügung haben.

Folglich stellt sich die Frage, ob die Politik überhaupt noch Hebel hat, um mehr Silver Worker für den Arbeitsmarkt zu aktivieren. Dabei wäre das zweifellos sinnvoll: zum einen für den Zeitpunkt, an dem sich die Folgen der Corona-Pandemie abschwächen und wieder offene Stellen ob des andauernden Fachkräftemangels nicht nachbesetzt werden können. Zum anderen gibt es schon jetzt Jobs, in denen trotz Krise Experten fehlen (siehe: „Die Fachkräftelücke schrumpft“).

Silver Worker erzielen üppiges Rentenplus

Finanziell ist die Arbeit für Silver Worker schon heute attraktiv. So gibt es für ein Jahr mehr in Vollzeit einen zusätzlichen Rentenpunkt, ein späterer Bezug der Rente erhöht die monatliche Zahlung zusätzlich um 6 Prozent. Für den Durchschnittsverdiener mit 45 Versicherungsjahren ergibt das ein monatliches Rentenplus von immerhin 92 Euro.

Bis zu 450 Euro Hinzuverdienst aus einem Minijob werden zudem nicht auf den Rentenanspruch angerechnet.

Aus Sicht des IW bleibt nur ein Bereich, in dem es noch weitere Handlungsmöglichkeiten für die Politik gäbe, um die Arbeit im Alter weiter zu stärken: Der Gesetzgeber könnte das Kündigungsschutz- und Befristungsrecht deutlich vereinfachen. Schließlich entfällt für die Silver Worker im Ruhestandsalter die Begründung für oft umfassende rechtliche Schutzmaßnahmen.

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