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Pharmaindustrie zeigt Engpass-Symptome

Qualifiziertes Personal ist für große Teile der pharmazeutischen Industrie ein Muss. Umso besorgniserregender ist es, dass es in vielen Berufsgruppen, die für die Pharmabranche relevant sind, Engpässe gibt. Die Branche konkurriert zudem oft mit anderen Industriezweigen um gut ausgebildete Arbeitnehmer. Branchenübergreifende Strategien gegen Fachkräfteengpässe kommen daher auch der Pharmaindustrie zugute.

Kernaussagen in Kürze:
  • Qualifizierte Mitarbeiter sind auch in der Pharmaindustrie knapp – im Jahr 2017 arbeiteten dort 38 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Engpassberuf.
  • Engpässe bei Experten und Spezialisten gibt es unter anderem in der technischen Produktionsplanung und Qualitätssicherung sowie in der Berufsgruppe "Pharmazie".
  • Auf dem Qualifikationsniveau der Fachkräfte sind die Engpässe in den Berufsgruppen "Maschinenbau/Betriebstechnik" und "Chemie" besonders groß.
Zur detaillierten Fassung

Die Erforschung und Herstellung neuer Arzneimittel ist eine hochkomplexe Materie. Kein Wunder also, dass auch die Beschäftigten der pharmazeutischen Industrie im Schnitt ein höheres Qualifikationsniveau aufweisen als die Mitarbeiter des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt: Im Jahr 2017 waren 19 Prozent der Mitarbeiter der Pharmabranche akademisch ausgebildete Experten und 23 Prozent Spezialisten, die zum Beispiel eine Fortbildung zum Meister oder Techniker absolviert haben. In der gesamten Industrie betrugen diese Anteile nur 12 beziehungsweise 15 Prozent. Schon seit einigen Jahren mehren sich die Meldungen aus der deutschen Wirtschaft, dass gut ausgebildete Mitarbeiter immer schwieriger zu finden sind. Es stellt sich also die Frage, inwieweit auch die pharmazeutische Industrie mit personellen Engpässen zu kämpfen hat. Ein solcher Engpassberuf liegt nach wissenschaftlichen Standards dann vor, wenn es in einer Berufsgattung je offene Stelle, die der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird, weniger als zwei entsprechend qualifizierte Arbeitslose gibt. Ein erster Blick auf die Daten legt nahe, dass die Pharmabranche im Vergleich zur übrigen Industrie noch vergleichsweise gut dasteht (Grafik): Im Jahr 2017 arbeiteten in der Pharmaindustrie 38 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Engpassberufen – im gesamten Verarbeitenden Gewerbe waren es dagegen 53 Prozent. So viel Prozent der im Jahr 2017 auf diesen Qualifikationsniveaus sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren in einem Engpassberuf tätig Auch wenn man auf die verschiedenen Qualifikationsstufen schaut, sind die Engpässe im pharmazeutischen Bereich weniger gravierend als anderswo. So sind von den Spezialisten und Experten jeweils weniger als ein Fünftel in Engpassberufen tätig. Bei den Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung liegt der entsprechende Anteil zwar ebenfalls unter dem Wert für die gesamte Industrie, er ist gleichwohl mit 64 Prozent alles andere als niedrig.

Engpässe auf allen Qualifikationsstufen

Wo genau die pharmazeutischen Unternehmen der Personal-Schuh drückt, lässt sich jedoch am besten zeigen, wenn man auf jene Berufsgruppen schaut, die am stärksten von Engpässen betroffen sind. Dann wird deutlich, dass die Branche keineswegs nur auf der Qualifikationsstufe der Fachkräfte Sorgen hat, sondern auch akademisch qualifizierte Experten sowie Meister und andere Spezialisten knapp sind. Das zeigt sich beispielhaft an den drängendsten Engpassberufen in der Berufsgruppe „Technische Produktionsplanung“. Gut 16 Prozent der dort Beschäftigten arbeiten im Engpassberuf der technischen Produktionsplanung und –steuerung auf dem Qualifikationsniveau „Experte“. Weitere 14 Prozent sind im Engpassberuf der technischen Qualitätssicherung mit komplexen Spezialistentätigkeiten betraut. Diese Engpässe sind für die Unternehmen von strategischer Bedeutung – unter anderem, weil qualifizierte Beschäftigte der genannten Berufsrichtungen mit Blick auf die strengen regulatorischen Anforderungen an die Qualitätssicherung im Herstellungsprozess und in den Zulassungsverfahren von Arzneimittel unverzichtbar sind. In der Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion von Arzneimitteln nehmen auch akademisch ausgebildete Pharmazeuten – sprich: Apotheker – eine Schlüsselfunktion ein. Dass es hier ebenfalls einen Engpass gibt, bereitet den Betrieben entsprechend Sorgen, auch wenn Apotheker in der Berufsgruppe „Pharmazie“ nur 11 Prozent der Beschäftigten stellen.

Im Jahr 2017 waren in der Pharmaindustrie 86 Prozent der Beschäftigten der Berufsgruppe „Maschinenbau/Betriebstechnik“ in einem Engpassberuf tätig.

Auf der Ebene der beruflich ausgebildeten Fachkräfte hat die pharmazeutische Industrie vor allem in zwei Berufsgruppen Probleme (Grafik): Im Jahr 2017 waren 86 Prozent der Beschäftigten der Berufsgruppe „Maschinenbau/Betriebstechnik“ in einem Engpassberuf tätig, in der Berufsgruppe „Chemie“ betrug der Anteil 68 Prozent. So viel Prozent der im Jahr 2017 in diesen Berufsgruppen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren in Engpassberufen tätig Einen besonders großen Engpass gibt es bei den Fachkräften in den Berufen der Chemie- und Pharmatechnik – im Jahr 2017 standen hier je offene Stelle rechnerisch nur 0,9 Arbeitslose zur Verfügung. Das ist für die weitere Entwicklung der Pharmabranche doppelt bedenklich: Zum einen sind diese Arbeitskräfte mit einem Anteil von fast 13 Prozent an allen Beschäftigten der Pharmaindustrie die größte Berufsgattung der Branche. Zum anderen stellen sie ein Drittel aller Pharmabeschäftigten, die in Engpassberufen tätig sind.

Pharmaindustrie konkurriert mit anderen Branchen um knappes Fachpersonal

Insgesamt fällt auf, dass die Pharmaindustrie vor allem in den Bereichen mit technischen Tätigkeitsschwerpunkten und im Bereich Chemie Arbeitskräfte beschäftigt, die auch in anderen Industriezweigen begehrt sind – die aufgezeigten Engpässe verschärfen den Wettbewerb um gut qualifiziertes Personal zusätzlich. Daraus ergibt sich, dass die pharmazeutischen Unternehmen zwar selbst Strategien zum Umgang mit den Fachkräfteengpässen entwickeln müssen, aber auch auf branchenübergreifende Maßnahmen angewiesen sind. Zum einen muss die Politik das in Deutschland vorhandene Arbeitskräftepotenzial besser heben – zum Beispiel durch eine Stärkung des Unterrichts in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Zum anderen gilt es aber auch, das Potenzial zu vergrößern, indem beispielsweise qualifizierte Fachkräfte und Studenten aus dem Ausland über ein modernes, transparentes Zuwanderungsrecht leichter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bekommen.

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