Fluktuation: Geringe Dynamik auf dem Arbeitsmarkt
Weil Betriebe aufgrund der schwachen Konjunktur hierzulande weniger Stellen neu besetzen, kündigen weniger Beschäftigte ihre laufenden Verträge, um woanders einen Job anzutreten. Diese geringe Dynamik erschwert Arbeitslosen die Rückkehr in das Erwerbsleben und jungen Menschen den Einstieg in den Beruf.
- Seit 2022 sinkt die Fluktuationsrate in Deutschland kontinuierlich, 2025 lag sie lediglich noch bei 30,1 Prozent.
- Der Grund dafür: Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, halten sich Arbeitgeber mit Neueinstellungen zurück. Arbeitnehmer sind in unsicheren Zeiten zudem meist weniger gewillt, den Job zu wechseln.
- Allgemein wechseln junge Menschen häufiger den Arbeitsplatz als Ältere; Ungelernte und Akademiker wechseln häufiger als Fachkräfte mit Berufsabschluss und Männer häufiger als Frauen.
Jobwechsel gehören zur Arbeitswelt dazu. Wenn eine Person ein Unternehmen verlässt und eine neue Kraft die Aufgaben übernimmt, sprechen Personaler von Fluktuation. Die Relation von neu begonnenen oder beendeten Arbeitsverhältnissen zum durchschnittlichen Beschäftigtenbestand beschreibt wiederum die Fluktuationsrate. Sie ist umso höher, je mehr Arbeitsplatzwechsel es gibt.
Eine gewisse Fluktuation im Unternehmen ist nicht per se schlecht. Schließlich kann sie vieles bedeuten: dass Geringqualifizierte Einstiegsmöglichkeiten in neue Jobs finden, dass Beschäftigte neue Verdienst- und Karrierechancen in anderen Firmen suchen oder dass Auszubildende und neue Arbeitskräfte eingestellt werden. Solche Prozesse sind notwendig und Ausdruck eines funktionierenden Arbeitsmarktes.
Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, wechseln tendenziell weniger Menschen den Job.
In Deutschland war diese Dynamik lange Zeit stabil, die Fluktuationsrate lag grundsätzlich auf einem konstanten Niveau – zwischen 2005 und 2025 fast durchgängig zwischen 30 und 33 Prozent im Jahresdurchschnitt. Einzig das Corona-Jahr 2020 bildete mit einem Wert unter 30 Prozent einen Ausreißer. Doch in den vergangenen Jahren ist ein klarer Trend erkennbar (Grafik):
Seit 2022 sinkt die Fluktuationsrate kontinuierlich, im vergangenen Jahr lag sie lediglich noch bei 30,1 Prozent.
Der Grund dafür: Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, halten sich Arbeitgeber mit Neueinstellungen zurück. Arbeitnehmer sind in unsicheren Zeiten zudem meist weniger gewillt, den Job zu wechseln. Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Flaute in der Bundesrepublik sowie der geopolitischen Unsicherheiten, die die Planungen der Unternehmen erschweren, ist auch nicht davon auszugehen, dass es im laufenden Jahr wieder bedeutend mehr Personalbewegungen geben wird. Das ist vor allem für Arbeitslose und Berufseinsteiger eine schlechte Nachricht – wenn weniger Stellen frei werden, erschwert das die Jobsuche.
Wer wie oft den Job wechselt
Wie stark die Fluktuation schwankt, hängt allerdings auch von der Branche ab. So ist die Dynamik der Jobwechsel im Verarbeitenden Gewerbe zum Beispiel deutlich stärker an die Wirtschaftslage gekoppelt als in der öffentlichen Verwaltung, der Verteidigung oder den Sozialversicherungen. Schaut man sich die Fluktuationszahlen genauer an, lassen sich zudem zum Teil strukturelle Unterschiede in der Bevölkerung erkennen (Grafik):
Die Fluktuationsraten sanken zwischen 2022 und 2025 zwar in allen Bevölkerungsgruppen, variierten aber je nach Geschlecht, Alter und Bildungsabschluss der Beschäftigten teils deutlich.
Das liegt an jeweils unterschiedlichen Faktoren:
Geschlecht. Die Fluktuation fällt bei Männern im Durchschnitt höher aus als bei Frauen. Der Grund dafür könnte der unterschiedliche Geschlechteranteil in den verschiedenen Branchen sein. So hat zum Beispiel die Veränderung der Fluktuationsrate im Verarbeitenden Gewerbe einen recht großen Einfluss auf die Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Geschlechterdifferenz in den Fluktuationsraten, da dieser Wirtschaftszweig einer der größten in Deutschland ist und gleichzeitig einen relativ geringen Frauenanteil aufweist.
Alter. Auffallend hoch ist die Fluktuationsrate bei jungen Arbeitnehmern. Die Erklärung dafür ist einfach: Die unter 25-Jährigen steigen erst ins Berufsleben ein, in diesem Alter werden also viele Arbeitsverträge neu geschlossen. Im klassischen erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 65 Jahren ist die Fluktuation insgesamt wesentlich niedriger – und wer über 55 Jahre alt ist, wechselt den Job besonders selten.
Berufsausbildung. Beschäftigte ohne Berufsabschluss weisen eine deutlich höhere Fluktuationsrate auf als Personen, die über mindestens einen beruflichen Abschluss verfügen. Dies dürfte sich damit erklären lassen, dass Geringqualifizierte oft Helfertätigkeiten ausüben, die einfach zu erlernen sind, für die sich wegen der wenig berufsspezifischen Kenntnisse im Fall einer Kündigung aber auch schnell neues Personal finden lässt.
Bei Akademikern ist die Fluktuation wiederum höher als bei Personen mit beruflichem Bildungsabschluss. Denkbar wäre, dass Karriereschritte zum Teil auch mit einem Wechsel des Arbeitgebers verbunden sind und dies bei Akademikern häufiger vorkommt.