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Mit Schülerfirmen Wirtschaft hautnah erleben

Eine Geschäftsidee entwickeln, ein Start-up gründen und damit echtes Geld verdienen – diese Erfahrungen konnten in den vergangenen 25 Jahren Schüler aus ganz Deutschland mit „JUNIOR – Wirtschaft erleben“ machen. Das Bildungsprojekt hat sich in dieser Zeit von einem kleinen, regionalen Projekt zum bundesweit größten Anbieter für Schülerfirmenprogramme entwickelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mit einer Pilotphase in Sachsen-Anhalt startete 1994 das Schülerfirmenprogramm JUNIOR in Deutschland.
  • Heutzutage gründen in jedem Schuljahr mehr als 10.000 Schüler in ganz Deutschland eine Schülerfirma.
  • Die Jugendlichen verbessern durch ihre Teilnahme an JUNIOR nicht nur ihre wirtschaftlichen Kompetenzen. Mehr als 90 Prozent der begleitenden Lehrkräfte sehen Fortschritte in den Bereichen Teamfähigkeit und Selbstständigkeit bei ihren Schülern.
Zur detaillierten Fassung

Wer bietet in Deutschland ein Projekt für Schülerfirmen an? Diese Frage stellte 1993 die belgische Organisation Les Jeunes Entreprises dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – und sie war der Startschuss für das Projekt JUNIOR. Gründung und Etablierung. Marion Hüchtermann – noch heute Geschäftsführerin der IW JUNIOR gGmbH – und ihr Kollege Matthias Kenter wurden vom IW damals mit der Aufgabe betraut, die Idee der Schülerfirmen auch in Deutschland umzusetzen. In Sachsen-Anhalt startete mit der dortigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft als Kooperationspartner 1994 eine Pilotphase mit 100 Schülern in neun Schülerfirmen. Die Resonanz der Schüler und Lehrer war durchweg positiv, schnell schlossen sich neue Förderer dem Projekt an. Im Folgejahr wurden in Nordrhein-Westfalen und Sachsen weitere Schülerfirmen gegründet. Den ersten bundesweiten JUNIOR Wettbewerb, bei dem die Schüler ihre Geschäftsideen vorstellten und die beste von ihnen prämiert wurde, gab es 1996 in Dresden. Europa. Für den damaligen Gewinner „Computer-Klinik“ aus Bergisch Gladbach ging es sogar noch weiter. Die Jugendlichen durften am Europawettbewerb der Schülerfirmen in Jerusalem teilnehmen und landeten unter 17 angetretenen Teams auf Rang 3. Nach dem Wettbewerb in Israel wurde JUNIOR offiziell in den Kreis der europäischen Schülerfirmenanbieter aufgenommen und ist bis heute Mitglied des Junior Achieve-ment Europe. Das Netzwerk unterstützt mit 140.000 Freiwilligen aus der Wirtschaft und rund 130.000 Lehrkräften jährlich mehr als vier Millionen junge Menschen in 40 Ländern bei ihren Projekten. Im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover richtete JUNIOR erstmals den Europawettbewerb aus. Teams aus 19 Ländern folgten der Einladung nach Deutschland. Am Ende hatte ein Schüler-Start-up aus Großbritannien die Nase vorn.

133.000 Schüler aus ganz Deutschland gründeten in den vergangenen 25 Jahren mit JUNIOR eine Schülerfirma.

Deutsche Teams standen insgesamt viermal ganz oben auf dem europäischen Treppchen. Zuletzt gewann das Unternehmen RAUTECK aus Eckernförde im Jahr 2015. Die Schüler überzeugten mit ihren Flaschenöffnern aus Sicherheitsgurten schrottreifer Autos. Für die Erfinder des „Förde-Öffners“ gab es zudem ein weiteres Highlight – die Schüler wurden von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Treffen eingeladen.

Hilfen für Schüler im Onlineportal

Entwicklung. Alle Bildungsprojekte des Instituts der deutschen Wirtschaft sind seit 2008 unter dem Dach der IW JUNIOR gGmbH vereint. Heute bietet JUNIOR Schülerfirmenprogramme für drei Altersgruppen an, hinzu kommt das Bildungsprogramm JUNIOR primo für Grundschulen. Neben der Unterstützung der Schüler durch Kooperationspartner aus der Wirtschaft stellt JUNIOR seit 2012 in einem Onlineportal Hilfen für die Jungunternehmer zur Verfügung, darunter Informationen zur Buchführung und zur Gewinn- und Verlustrechnung. Auch ihre eigenen Daten können die Schüler dort verwalten. Erfolge. Mit neun Schülerfirmen startete JUNIOR, mittlerweile gibt es jährlich mehr als 700 Teams, die sich beteiligen (Grafik): Im Schuljahr 2018/2019 nahmen mehr als 10.600 Schüler aus ganz Deutschland an JUNIOR teil. Entwicklung der Teilnnehmerzahlen seit dem Schuljahr 1994/1995 Insgesamt haben in den vergangenen 25 Jahren über 133.000 Schüler eine eigene Firma gegründet. Dabei bleiben die Ideen der Jugendlichen nicht bloß graue Theorie. Sie entwickeln Produkte, bewerben sie mit Flyern und verkaufen ihre Neuerungen – zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten, Frühlingsfesten oder über einen eigenen Onlineshop. Die Jugendlichen verbessern durch ihre Teilnahme an JUNIOR jedoch nicht nur ihre wirtschaftlichen Kompetenzen, auch aus pädagogischer Sicht ist das Projekt ein Erfolg (Grafik): Mehr als 90 Prozent der begleitenden Lehrkräfte finden, dass sich ihre Schüler durch die Teilnahme an JUNIOR in den Bereichen Teamfähigkeit und Selbstständigkeit verbessert haben. So viel Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass sich ihre Schüler durch die Teilnahme an einer Schülerfirma der IW JUNIOR in diesen Bereichen verbessert haben Ein höheres Verantwortungsbewusstsein und eine bessere Kommunikation stellten die Lehrer bei ihren Schützlingen ebenfalls fest. Weitere Projekte. Seit 1998 haben Schüler auf der JUNIOR-Messe die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Veranstaltungen finden in der Regel an öffentlichen Plätzen statt, zum Beispiel in Einkaufszentren. Neben der Werbung für die eigene Idee dienen die Messen dazu, die Schülerfirmen miteinander ins Gespräch zu bringen, sodass sie Tipps und Erfahrungen austauschen können. Eine weitere Chance, mit Wirtschaftsexperten ins Gespräch zu kommen, bietet das Gründercamp. Einmal pro Jahr geben Fachleute aus der Wirtschaft in einem zweitägigen Workshop ihr Wissen an junge Interessierte weiter. Denn für viele ist JUNIOR mehr als ein Schulprojekt: Einige führen ihr Start-up weiter, andere gründen nach Schule oder Studium ihr eigenes Unternehmen. Damit Ehemalige sich vernetzen und unterstützen können, wurde 2004 der JUNIOR Alumni e. V. gegründet. Mittlerweile hat der Verein gut 450 Mitglieder.

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