Berufliche Fortbildung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Meister statt Mediziner

Studium oder Ausbildung? Das ist die Gretchenfrage für viele Schulabsolventen. Dabei vergessen sie häufig, dass auch mit einer Lehre vieles möglich ist – beispielsweise eine Fortbildung zum Meister oder Fachwirt. Mit diesen Qualifikationen eröffnen sich meist vielversprechende Karriere- und Einkommensperspektiven.

Kernaussagen in Kürze:
  • Rund jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland verfügt über einen Fortbildungsabschluss.
  • Wer eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt absolviert, erzielt in der Regel ein höheres Einkommen und erhält mehr Führungsverantwortung.
  • 28 Prozent der Fortbildungsabsolventen verdienen mehr als der Durchschnittsakademiker.
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Für die meisten steht fest: Ein Hochschulstudium geht mit höheren Einkommen und niedrigerem Arbeitslosigkeitsrisiko einher als eine Berufsausbildung. Genau diese Einschätzung treibt die jungen Leute in Scharen an die Hochschulen.

Dabei wird jedoch oft nicht bedacht, dass auch beruflich Qualifizierte Karriere machen können – insbesondere dann, wenn sie eine Aufstiegsfortbildung absolvieren. Darunter fallen jene Fachkräfte, die sich nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung weiterqualifizieren und dann als Meister, Techniker oder Fachwirte verantwortliche Positionen übernehmen.

Tatsächlich ist diese Personengruppe sogar ziemlich groß:

Rund jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland verfügt über einen Fortbildungsabschluss.

Die berufliche Aufstiegsfortbildung lohnt sich – und zwar aus mehreren Gründen:

  • Wer nach der Berufsausbildung eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt absolviert, erzielt in der Regel ein höheres Einkommen und erhält mehr Führungsverantwortung als vorher.
  • Im Vergleich zu Akademikern sind Fortbildungsabsolventen im Durchschnitt häufiger als direkte Vorgesetzte tätig oder haben öfter eine fachliche Weisungsbefugnis.
  • Bei den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen schneiden Akademiker mit 20,60 Euro zwar besser ab als Fortbildungsabsolventen, die auf 17,50 Euro in der Stunde kommen. Allerdings bekommen 28 Prozent der Meister, Techniker und Fachwirte mehr als den durchschnittlichen Akademikerlohn – obwohl Mediziner, Anwälte und Ingenieure den Mittelwert der Akademiker­saläre nach oben treiben. So gibt es also durchaus Meister, die mehr verdienen als ein Arzt.
  • Rund 25 Prozent der Topverdiener unter den Fortbildungsabsolventen sind Hauptschüler, 47 Prozent Realschüler – ein ansehnliches Einkommen lässt sich über einen beruflichen Bildungsweg also sogar ohne Abitur erreichen.

Und wie sehen Unternehmen die Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten von Fortbildungsabsolventen im Vergleich zu Akademikern?

  • Mehr als drei Viertel aller Unternehmen geben an, dass Fortbildungsabsolventen mindestens gleich gute Karrierechancen haben wie Akademiker mit Bachelorabschluss.
  • Weit mehr als die Hälfte der Unternehmen zahlt Fortbildungsabsolventen ein etwa gleich hohes oder sogar höheres Gehalt als Akademikern mit einem Bachelorabschluss.
  • Im Vergleich zu Masterabsolventen kommen Absolventen einer Aufstiegsfortbildung in puncto Geld allerdings etwas schlechter weg. Immerhin zahlen aber noch mehr als 40 Prozent der Betriebe ihren Meistern, Technikern und Fachwirten ein mindestens gleich hohes Gehalt wie den Absolventen von Masterstudien­gängen.
  • Die Gehaltsunterschiede zwischen kaufmännischen Fortbildungsabsolventen und ihren akademischen Pendants – also den wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-, Master- oder Diplomabsolventen – sind kleiner als die Unterschiede zwischen gewerblich-technischen Fortbildungsabsolventen und den naturwissenschaftlichen Hochschulabsolventen.
  • Die Gehaltsunterschiede, die zwischen Fortbildungs- und Hochschulabsolventen in Unternehmen bestehen, nehmen fünf Jahre nach dem Abschluss ab – und zwar zugunsten der Fortbildungsabsolventen (Grafik).
  • Mit einem beruflichen Bildungsweg sind also durchaus attraktive Einkommens- und Karriereperspektiven verknüpft. Doch nicht nur aus individueller Sicht, sondern auch mit Blick auf die große Nachfrage der Unternehmen nach beruflich Qualifizierten ist es wichtig, die berufliche Bildung zu stärken und die „Höhere Berufsbildung“ als Marke zu etablieren. Dies kann beispielsweise durch eine bessere Verzahnung der Stu­dien- und Berufsberatung gelingen. Auch die Novelle des Meister-Bafögs, die ab August höhere Förderleistungen vorsieht, ist ein wichtiger Schritt, um die Aufstiegsfortbildung zu stärken (vgl. iwd 10/2016).

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