M+E-Strukturbericht Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie: Wichtige Einnahme­quelle für den Staat

Die M+E-Industrie ist das Herz der Wirtschaft in Deutschland. Das schlägt auch für Vater Staat: Rund 20 Prozent aller Steuereinnahmen verdankt der deutsche Fiskus der M+E-Industrie und ihren vor- und nachgelagerten Aktivitäten. Dazu kommen noch einmal gut 28 Prozent aller Sozialabgaben in Deutschland.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die von der M+E-Industrie ausgelösten Steuerzahlungen summierten sich im Jahr 2017 auf 145 Milliarden Euro. Das waren umgerechnet rund 20 Prozent der bundesweiten Steuereinnahmen.
  • Der größte Betrag entfiel auf die Lohnsteuer. Das M+E-induzierte Volumen lag über 40 Milliarden Euro.
  • Neben den Steuern ist die M+E-Industrie auch für einen großen Teil der Sozialabgaben verantwortlich. Im Jahr 2017 belief sich der M+E-Beitrag auf mehr als 154 Milliarden Euro, was 28 Prozent aller Sozialabgaben in Deutschland entspricht.
Zur detaillierten Fassung

Die Metall- und Elektro-Industrie ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2017 lag die Bruttowertschöpfung der Branche bei rund 461 Milliarden Euro, der Produktionswert summierte sich auf gut 1.244 Milliarden Euro.

Um die gesamte ökonomische Bedeutung der M+E-Industrie zu beziffern, reicht eine isolierte Betrachtung aber nicht aus. Denn die Unternehmen sind mit anderen Branchen stark vernetzt und lösen entsprechende wirtschaftliche Effekte aus (Grafik):

Die Zulieferbetriebe erreichten mit ihren Waren und Dienstleistungen für die Metall- und Elektro-Industrie im Jahr 2017 eine Bruttowertschöpfung von 212 Milliarden Euro. Kennzahlen im Jahr 2017

Zusätzlich spielen induzierte Effekte eine Rolle. Das sind jene Wirtschaftseffekte, die durch die Nachfrage der M+E-Beschäftigten und der Beschäftigten der Vorleistungsbranchen in anderen Branchen entstehen.

Der gesamtwirtschaftliche Effekt der M+E-Industrie ergibt sich somit aus der Summe der direkten, indirekten und induzierten Effekte. Mit insgesamt 756 Milliarden Euro war die M+E-Industrie im Jahr 2017 für fast 26 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung verantwortlich. Der kumulierte Produktionswert lag bei 1.796 Milliarden Euro.

Von der starken M+E-Industrie in Deutschland profitieren aber nicht nur die Wirtschaft und die Beschäftigten. Auch der Staat kann hohe Steuereinnahmen verbuchen (Grafik):

Die von der M+E-Industrie ausgelösten Steuerzahlungen summierten sich im Jahr 2017 auf 145 Milliarden Euro. Das entspricht rund 20 Prozent der bundesweiten Steuereinnahmen. So viele Milliarden Euro trug die M+E-Industrie in Deutschland im Jahr 2017 zum Aufkommen an Steuern und Sozialabgaben bei

In die Berechnung des Steueraufkommens wurden sieben der zehn wichtigsten Steuern in Deutschland einbezogen, die zusammen 90 Prozent des Steueraufkommens im Jahr 2017 ausmachten. Deshalb dürfte das tatsächliche Steueraufkommen noch über den ermittelten 145 Milliarden Euro liegen.

Die mehr als 30 Steuerarten, die die restlichen 10 Prozent des Steueraufkommens ausmachen, betreffen meist den Verbrauch einzelner Güter. Sie spielen für die M+E-Unternehmen so gut wie keine Rolle.

Die M+E-Industrie ist mit ihren vor- und nachgelagerten Aktivitäten für 20 Prozent des gesamten Steueraufkommens in Deutschland verantwortlich.

Lohnsteuer. Der größte Betrag in der M+E-Industrie entfällt auf die Lohnsteuer.

Das Lohnsteuervolumen der M+E-Industrie betrug im Jahr 2017 mehr als 40 Milliarden Euro.

Das entsprach einem Anteil von 20,6 Prozent am gesamten Entgeltaufkommen der Branche. Der Anteil der M+E-Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Bruttoentgeltsumme lag im vergangenen Jahr dagegen nur bei 16,7 Prozent. In der Differenz spiegeln sich sowohl die relativ gute Bezahlung in der M+E-Industrie als auch der progressive Einkommensteuertarif in Deutschland wider.

Auf Grundlage der ermittelten Steuersumme wird anschließend der Solidaritätszuschlag berechnet. Der sogenannte Soli fällt auch auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer an. In der M+E-Industrie hatte er 2017 insgesamt ein Volumen von 3,4 Milliarden Euro.

Einkommensteuer. Ein hohes Steueraufkommen ist auch bei der veranlagten Einkommensteuer zu verzeichnen. Sie betrifft M+E-Unternehmen, die als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften geführt werden. Diese Betriebe haben 2017 schätzungsweise 16 Milliarden Euro in die Staatskasse gezahlt.

Umsatz- und Einfuhrumsatzsteuer. Sie spülte ebenfalls einen zweistelligen Milliardenbetrag in die Staatskasse. Die berechneten 11,4 Milliarden Euro entsprechen jedoch nur einem Anteil von rund 5 Prozent am gesamtwirtschaftlichen Aufkommen dieser Steuern. Im Vergleich zu den Anteilen der M+E-Industrie am Produktionswert und an der Bruttowertschöpfung ist dies ein geringer Wert.

Das ist auf zwei Besonderheiten der Metall- und Elektro-Industrie zurückzuführen. Erstens ist ihre Exportquote vergleichsweise hoch – und auf Exporte fällt keine Umsatzsteuer an. Zweitens werden M+E-Produkte von anderen Unternehmen häufig als Investitionsgüter oder Vorleistungen verwendet. Auch hierbei fällt keine Umsatzsteuer an, weil Endprodukte unabhängig von der Zahl der Produktionsstufen nur einmal mit dieser Steuer belastet werden.

Gewerbesteuer. Für die Kommunen ist die Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle. Zwar gibt es eine bundesweit einheitliche Steuermesszahl von 3,5. Die Gemeinden können aber mittels Hebesatz die Höhe der Gewerbesteuer bestimmen.

Die M+E-Unternehmen zahlten im vergangenen Jahr insgesamt rund 8,9 Milliarden Euro Gewerbesteuer. Das entspricht einem Anteil von 16,7 Prozent am gesamten Gewerbesteueraufkommen.

Sozialabgaben. Die enorme wirtschaftliche Bedeutung der M+E-Industrie lässt sich auch an den Sozialabgaben ablesen.

Auf die M+E-Industrie waren im Jahr 2017 Sozialabgaben in Höhe von mehr als 154 Milliarden Euro zurückzuführen.

Das entspricht einem Anteil von 28,4 Prozent an allen Sozialbeiträgen in Deutschland.

Die Arbeitgeber schulterten mit 80 Milliarden Euro den größeren Teil der Sozialabgaben. Die Differenz zu den Arbeitnehmerbeiträgen ergibt sich dadurch, dass die Unternehmen die Unfallversicherung allein zahlen sowie Umlagen für Mutterschaft und Insolvenz entrichten.

Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Fünfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter: gesamtmetall.de

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