M+E-Strukturbericht Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Metall- und Elektro-Industrie: Mehr Akademiker

In der Metall- und Elektro-Industrie arbeiten heute deutlich mehr Höherqualifizierte als noch vor etwa 20 Jahren. Künftig aber wird es aufgrund des demografischen Wandels in manchen Branchen schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt geeignetes Personal zu finden. Die Unternehmen sollten sich daher besonders darum bemühen, junge Menschen für eine Ausbildung in einem MINT-Beruf zu begeistern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2000 hatten 9,9 Prozent der M+E-Beschäftigten einen akademischen Abschluss, 2017 waren es schon 16,5 Prozent. Der Anteil der Mitarbeiter ohne Berufsausbildung ist im selben Zeitraum deutlich gesunken.
  • Branchenübergreifend benötigt die M+E-Industrie auch künftig qualifiziertes Personal. Die Suche nach entsprechenden Mitarbeitern gestaltet sich aber zunehmend schwieriger.
  • Die Zahl der MINT-Fachkräfte in der M+E-Industrie ist zuletzt stark gesunken. Aufgabe der M+Branche ist es daher, mehr junge Menschen für eine MINT-Ausbildung zu begeistern.
Zur detaillierten Fassung

Um sich auf den Weltmärkten gegen die Konkurrenz behaupten zu können, setzen die Betriebe der M+E-Industrie in Deutschland stark auf Forschung und Entwicklung. Entsprechend wichtig sind qualifizierte Mitarbeiter (Grafik): Im Jahr 2000 hatten 9,9 Prozent der M+E-Beschäftigten einen akademischen Abschluss, 2017 waren es schon 16,5 Prozent. So viel Prozent der Beschäftigten in diesen Branchen verfügten über diesen Berufsabschluss Dagegen ist der Anteil der M+E-Beschäftigten ohne Berufsausbildung deutlich gesunken. Im Jahr 2000 war gut jeder Fünfte eine ungelernte Kraft, im Jahr 2017 nur noch jeder Neunte. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Rückgang von gut 820.000 auf knapp 440.000. Die größte Gruppe stellen weiterhin die Mitarbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung: Zwei Drittel der vier Millionen M+E-Beschäftigten in Deutschland gehören dazu.

Der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsausbildung ist in der Metall- und Elektro-Industrie deutlich gesunken. Im Jahr 2000 war gut jeder fünfte Mitarbeiter ungelernt, 2017 nur noch jeder Neunte.

In den verschiedenen M+E-Branchen unterscheiden sich die Qualifikationsstrukturen teils deutlich: Elektroindustrie. In diesem M+E-Bereich ist die Akademikerquote am höchsten. Fast jeder vierte Beschäftigte hat ein Hochschulstudium abgeschlossen. Damit liegt die Branche rund 9 Prozentpunkte über der gesamtwirtschaftlichen Quote von 15,6 Prozent. Der Anteil Ungelernter ist in der Elektroindustrie seit 2000 zudem stärker gesunken als in der M+E-Industrie insgesamt. Fahrzeugbau. Ebenfalls überdurchschnittlich viele Akademiker sind im Fahrzeugbau beschäftigt. Jeder Fünfte hat hier einen entsprechenden Abschluss. Ähnlich wie die Betriebe der Elektroindustrie konnten auch die Unternehmen des Fahrzeugbaus die Quote der Ungelernten deutlich reduzieren. Metallerzeugnisse. Etwas geringer ist der Anteil akademischer Kräfte mit 6,5 Prozent in der Sparte Metallerzeugnisse. Der Anteil der Beschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ist dagegen von 63 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt 72 Prozent gestiegen – das ist mehr als in jeder anderen Branche. Maschinenbau. Als einzige M+E-Branche konnte der Maschinenbau den Anteil an Ungelernten auf weniger als 10 Prozent senken. Mit einer Akademikerquote von 16,5 Prozent lagen die Maschinenbauer 2017 im Schnitt der M+E-Industrie.

Fachkräftemangel in vielen Bereichen

Branchenübergreifend benötigt die M+E-Industrie auch künftig qualifiziertes Personal. Die Suche nach entsprechenden Mitarbeitern gestaltet sich aber zunehmend schwieriger. Durch den demografischen Wandel mangelt es in vielen Bereichen bereits an Fachkräften. In der M+E-Industrie sind vor allem die Bereiche Metallverarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Energie- und Elektrotechnik sowie Technische Forschung und Produktionssteuerung betroffen. Zu erkennen ist ein Fachkräftemangel am Verhältnis der offenen Stellen zu den Arbeitslosen – ist der Wert größer als eins, handelt es sich um einen Engpassberuf. Um präzise Aussagen zum Fachkräftemangel treffen zu können, hat die IW Consult für den M+E-Strukturbericht drei Anforderungsniveaus unterschieden: Expertentätigkeiten, die vor allem Ingenieurberufen zugeordnet werden; Spezialistentätigkeiten, also Meister- und Technikerberufe; sowie fachliche Tätigkeiten, also Ausbildungsberufe (Grafik): Gegenüber 2011 hat sich die Engpasssituation in den Ingenieurberufen der untersuchten M+E-Berufsfelder zunächst leicht verbessert – in den vergangenen zwei Jahren ist die Lücke aber wieder etwas größer geworden. Offene Stellen je Arbeitslosen in den Branchen der Metall- und Elektro-Industrie

MINT-Fachkräfte dringend gesucht

Bei den Spezialisten- und den fachlichen Tätigkeiten haben die Engpässe seit 2015 deutlich zugenommen. So kamen in der Energie- und Elektrotechnik im Frühjahr 2018 auf einen arbeitslosen Meister oder Techniker rund sechs offene Stellen. Bei den Facharbeiten war die Relation mit eins zu fünf kaum besser. Für die M+E-Industrie sind vor allem Fachkräfte mit Qualifikationen in den MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – von großer Bedeutung. Im Jahr 2015 waren gut 91 Prozent der Mitarbeiter in den M+E-Forschungsabteilungen MINT-Fachkräfte. Mit ihren Kompetenzen leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Wachstum und Innovationen im M+E-Bereich. Die Zahl der MINT-Akademiker in der M+E-Industrie stieg von 2011 bis 2015 um 16,8 Prozent. Dagegen sank die Zahl der MINT-Fachkräfte um 3,4 Prozent – gut dreimal so stark wie in der Gesamtwirtschaft. Aufgabe der M+E-Industrie ist es daher, mehr junge Menschen für eine Ausbildung in einem MINT-Beruf zu begeistern. Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Fünfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter gesamtmetall.de

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