Entgeltfortzahlung Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Krankheit kostet Milliarden

Die Ausgaben der Unternehmen für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben 2015 erstmals die Marke von 50 Milliarden Euro überschritten. Mit medizinischer Prävention ließe sich zwar gegensteuern – der Aufwand dafür darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Unternehmen mussten 2015 erstmals über 50 Milliarden Euro für Lohnfortzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge im Krankheitsfall ausgeben.
  • Seit 2006 ist dieser Kostenblock kontinuierlich größer geworden – binnen eines Jahrzehnts um 114 Prozent.
  • Neben dem gestiegenen Krankenstand haben auch höhere Entgelte und die wachsende Beschäftigung zum Kostenanstieg beigetragen.
Zur detaillierten Fassung

Im Jahr 2015 haben die Arbeitgeber schätzungsweise 45 Milliarden Euro allein für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall aufgewendet – das sind jene Leistungen, die erkrankte Arbeitnehmer während der ersten sechs Wochen ihrer Krankheit erhalten, nämlich das volle Bruttogehalt. Doch das ist nicht alles:

Zusammen mit den 8,9 Milliarden Euro an Beiträgen zur Sozialversicherung mussten die deutschen Unternehmen im Jahr 2015 insgesamt 53,9 Milliarden Euro für ihre erkrankten Mitarbeiter aufwenden.

Richtig einordnen kann man diese Summe erst, wenn man sie mit den Ausgaben des Jahres 2006 vergleicht. Denn damals hatte Deutschland mit durchschnittlich 12,9 Arbeitsunfähigkeitstagen je Pflichtmitglied der Betriebskrankenkassen einen historisch niedrigen Krankenstand – entsprechend niedrig war auch der Posten Entgeltfortzahlung.

Seitdem ist dieser Kostenblock jedoch kontinuierlich größer geworden – binnen eines Jahrzehnts um 114 Prozent.

Die Unternehmen in Deutschland mussten 2015 erstmals mehr als 50 Milliarden Euro für Lohnfortzahlungen und Sozialversicherungsbeiträge im Krankheitsfall ausgeben.

Diese Entwicklung wird häufig dem gestiegenen Krankenstand zugeschrieben. Tatsächlich aber gibt es noch andere Faktoren:

Steigende Entgelte der Mitarbeiter führen – unter sonst gleichen Bedingungen – ebenfalls zu höheren Lohnfortzahlungen.

Die wachsende Beschäftigung erhöht die Ausfalltage durch Krankheit, und zwar auch dann, wenn das durchschnittliche Erkrankungsrisiko gleich bleibt.

Bleibt die Frage, wie viel man durch medizinische Prävention einsparen könnte. Würde die Zahl der – ärztlich attestierten – durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitstage unter den aktuellen Beschäftigungs- und Entgeltverhältnissen von derzeit 17,3 wieder auf das Rekordtief von 12,9 gesenkt, dann läge das maximale Einsparpotenzial bei knapp 14 Milliarden Euro. Das klingt nach einer erklecklichen Summe. Allerdings fehlt noch die Gegenrechnung, also der Umfang und der Aufwand, mit dem dieses Einsparpotenzial realisiert werden kann.

IW-Kurzbericht 13/2017

Jochen Pimpertz: Kosten der Entgeltfortzahlung - beschränktes Präventionspotenzial

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