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„Keine Lehrkraft kann 30 Kinder ausreichend fördern"

Was Eltern und Lehrer tun können, um Kinder im Grundschulalter bestmöglich zu unterstützen, weiß Petra Sichla. Die 63-Jährige hat vor ihrer Pensionierung als Grundschullehrerin in Köln gearbeitet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei einer Klassengröße von 15 Schülern könnten Grundschulkinder optimal gefördert werden, so die Meinung der früheren Grundschullehrerin Petra Sichla.
  • Schulen sollten zudem verstärkt in pädagogisches Personal für die Nachmittagsbetreuung investieren.
  • Handys hält die Pädagogin in den ersten Schuljahren nicht für notwendig – die Geräte lenkten ab und sollten daher in der Grundschule verboten sein.
Zur detaillierten Fassung

Wie wichtig sind die Eltern für die Kompetenzentwicklung ihrer Kinder? Das Elternhaus spielt eine große Rolle, wobei die Schule aufgrund der heute üblichen Berufstätigkeit beider Elternteile inzwischen viele Aufgaben übernehmen muss. Weil die Eltern so wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen, wollen viele ihrem Nachwuchs möglichst alle Wünsche erfüllen, was bei den Kindern wiederum zu einer geringeren Frustrationstoleranz führt. Viele Kinder sind in der Schule dann nicht mehr bereit, etwas zu tun, was ihnen keinen Spaß macht. Kann die Grundschule unter diesen Bedingungen trotzdem gleiche Start- und Förderbedingungen für alle Schüler schaffen? Nein, das kann sie meiner Meinung nach im Moment nicht, denn dafür fehlt es an Personal. In deutschen Grundschulen sitzen in jedem Klassenzimmer durchschnittlich 29 bis 30 Schüler, da kann sich der Lehrer nicht um alle Kinder ausreichend kümmern und sie entsprechend fördern.

Man sollte sich freimachen von dem Gedanken, dass alle Kinder irgendwann mit einem Super-Abi die Schullaufbahn beenden können.

Wie groß sollten Grundschulklassen denn sein? Persönlich fände ich 15 Schüler je Klasse gut, das ist eine Größe, in der man als Lehrer auch noch die verhaltensauffälligen Kinder, die Verhaltensoriginellen, wie man sie ja heutzutage nennt, in der Gruppe auffangen kann. Zusätzlich bräuchte man auch mehr pädagogisches Personal, die Mitarbeiter in der Nachmittagsbetreuung beispielsweise haben oft keinen pädagogischen Background. Würde es helfen, die Grundschulzeit um zwei auf sechs Jahre zu verlängern? Für Kinder, die bis zum Ende der vierten Klasse nicht altersgerecht entwickelt sind, wäre das sinnvoll. Man sollte sich aber freimachen von dem Gedanken, dass alle Kinder irgendwann mit einem Super-Abi die Schullaufbahn beenden können. Es gibt nun mal Kinder, deren schulische Begabung begrenzt ist. Trotzdem streben fast alle Eltern das Abi für ihren Nachwuchs an. Was können Eltern tun, um ihre Kinder bestmöglich zu fördern? Eltern sollten ihre Kinder vor allem begleiten und für sie präsent sein. Gleichzeitig sollten sie ihnen aber auch Grenzen aufzeigen, sie herausfordern und durch Lob bestätigen. Kein Kind macht gerne Hausaufgaben, manchmal müssen Eltern ihre Kinder regelrecht dazu zwingen. Da kann es helfen, sich daneben zu setzen und die Aufgaben mit ihnen zu machen, indem man erklärt. Wichtig ist allerdings auch, dass die Lehrer die Hausaufgaben kontrollieren, denn im Grundschulalter machen Kinder Hausaufgaben nicht für sich, sondern für die Eltern und die Lehrkraft. Ohne deren Lob haben Kinder keine Motivation und ohne Motivation entsteht keine Konzentration. Handys sind bekanntermaßen abträglich für die Konzentration. Handys sollten meiner Auffassung nach in der Grundschule verboten sein. In diesem Alter geht es vorrangig ums Rechnen, Lesen und Schreiben – Handys lenken ab und sind als Lernwerkzeug in der Grundschule nicht notwendig. Auch von der Persönlichkeitsentwicklung her halte ich Handys für diese Altersgruppe für untauglich.

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