Grafikstrecke Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Haushalten in Ost und West

Verkehrte Welt: Dass in der DDR ein Gebrauchtwagen mehr kostete als ein neues Auto, ist heute kaum mehr vorstellbar. Doch auf dem Gebrauchtwagenmarkt herrschte im Osten eben schon vor 1989 das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Kernaussagen in Kürze:
  • In der DDR kostete ein Gebrauchtwagen mehr als ein neues Auto.
  • Besonders teuer waren im Osten auch technische Geräte wie Farbfernseher.
  • Allerdings war das Wohnen in der DDR unglaublich günstig.
Zur detaillierten Fassung

Weil die DDR-Bürger auf einen neuen, 19.000 Mark teuren Trabi zehn Jahre warten mussten und es kaum importierte Westautos gab, blühte der Handel mit Pkws aus zweiter Hand – wo das knappe Angebot und die extrem hohe Nachfrage zu absurd hohen Preisen führte. So gingen manch gebrauchte Trabis für das Doppelte dessen weg, was sie als Neuwagen gekostet hatten.

Besonders teuer waren in Ostdeutschland auch technische Geräte wie Farbfernseher. Kurz vor der Wende musste man fast 5.000 Mark dafür hinlegen, also mehr als zwei Netto-Monatsgehälter eines Vier-Personenhaushalts. In der DDR hatten deshalb 1989 auch nur knapp sechs von zehn Haushalten einen Farbfernseher, während in den westdeutschen Wohnzimmern bereits durchgehend farbig ferngesehen wurde.

Die Planwirtschaft in der DDR führte nicht nur dazu, dass es so manchen Konsumartikel entweder gar nicht oder nur in einer abgespeckten Version gab, auch die Einkommen waren im Vergleich zum Westen deutlich geringer: Das Nettohaushaltseinkommen einer vierköpfigen Arbeitnehmerfamilie betrug in "Ostmark" lediglich knapp 60 Prozent dessen, was eine gleich große Familie in D-Mark im Westen zur Verfügung hatte.

Allerdings schlug das nicht vollständig auf die Kaufkraft durch – das Wohnen zum Beispiel war zwischen Rostock und Suhl unglaublich günstig: Die Quadratmetermiete betrug lediglich 1 Mark. Deshalb musste ein durchschnittlicher DDR-Haushalt nur 5 Prozent seines Monatseinkommens für die Miete aufwenden, während eine Familie in Westdeutschland mehr als ein Viertel ihres Montagsbudgets dafür einplante.

Auch Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch waren in der DDR günstiger zu haben als in Westdeutschland. Ein Pfund Exportkaffee dagegen kostete 35 Mark, auch Eier und Butter waren teurer als in Westdeutschland. Unter dem Strich mussten die DDR-Bürger einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Haushaltsbudgets für Nahrungs- und Genussmittel ausgeben wie die Westdeutschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de