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Geisteswissenschaft meets Informatik

Die Digitalisierung hat längst auch die Geistes- und Kulturwissenschaften erreicht. Sowohl in der Forschung, die mit computergestützten Textanalysen und 3-D-Modellierungen arbeitet, als auch in der Lehre werden digitale Kompetenzen vermittelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Digitalisierung spielt mittlerweile auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften eine immer größere Rolle.
  • Die Kombination von Sprache und Informatik spricht gerade Schulabgängerinnen an: Die Zahl der Studentinnen im Fach Computerlinguistik ist in den vergangenen zehn Jahren um 65 Prozent gestiegen.
  • Auch in der Lehre ist die Digitalisierung zunehmend präsent. Es gibt etwa 30 Studienangebote, die eine Verknüpfung geisteswissenschaftlicher Inhalte mit digitalen Zusatzqualifikationen ermöglichen.
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Der Begriff „Digital Humanities“ umfasst unter anderem die Weiter- und Neuentwicklung interdisziplinärer Verbindungen mit dem Fach Informatik. So wird in der Computerlinguistik seit mehr als 40 Jahren daran gearbeitet, mit der Logik der informationstechnischen Algorithmen eine Systematik menschlicher Sprachen zu entwickeln sowie Programme für die automatische Erzeugung und Auswertung von Texten herzustellen. Mittlerweile geht es auch um die Optimierung von Suchmaschinen und die Auswertung von Internetkommunikation. Die Kombination von Sprache und Informatik spricht gerade Schulabgängerinnen mehr an als die reine Informatik. Von allen angehenden Informatikern ist jeder Fünfte eine Frau, bei den Computerlinguisten ist der Anteil deutlich höher – mit steigender Tendenz (Grafik): Die Zahl der Studenten im Fach Computerlinguistik ist in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um 57 Prozent gestiegen, die der Studentinnen sogar um 65 Prozent. Zahl der eingeschriebenen Studenten im geisteswissenschaftlichen Fach Computerlinguistik in Deutschland Unter „Digital Humanities“ fallen aber auch computergestützte Verfahren der Erfassung, Aufbereitung und Auswertung von Daten in den herkömmlichen geisteswissenschaftlichen Fächern. In etlichen geisteswissenschaftlichen Teildisziplinen werden literarische und historische Quellen in Datenbanken gespeichert und übers Internet zugänglich gemacht. So nutzen Wissenschaftler des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache die weltweit größte Datensammlung der deutschen Gegenwartssprache mit 43 Milliarden Wörtern. Mit digitalisierten Suchverfahren lassen sich zuvor definierte Themengebiete aus großen Textmengen extrahieren und inhaltliche Trends über bestimmte Zeiträume hinweg sichtbar machen.

Die Zahl der Studenten im Fach Computerlinguistik ist in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um 57 Prozent gestiegen, die der Studentinnen sogar um 65 Prozent.

In kollaborativen digitalen Archiven erweitern und bearbeiten Historiker fortlaufend den Bestand an Medien und Ressourcen. Auf Monasterium.net zum Beispiel können digitale Kopien von mehr als 500.000 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus über 60 europäischen Institutionen eingesehen und die dazugehörigen wissenschaftlichen Texte korrigiert, ergänzt und annotiert werden. Auch in der Lehre ist die Digitalisierung zunehmend präsent. Neben 25 Studiengängen in Computerlinguistik gibt es heute etwa 30 Studienangebote, die geisteswissenschaftliche Inhalte mit digitalen Zusatzqualifikationen verknüpfen. Ein Beispiel ist das Zertifikatsprogramm „Digital Humanities – Geschichts- und Kunstwissenschaften“ an der LMU München. Dort ergab eine Auswertung von Stellenanzeigen, dass auch in traditionellen Tätigkeitsfeldern von Historikern wie Museen oder Archiven immer häufiger digitale Kompetenzen erwartet werden. Im Rahmen des Zertifikats machen sich die Studenten mit der Nutzung und dem Aufbau von Datenbanken vertraut, trainieren anwendungsorientiertes Programmieren und lernen statistische Auswertungsverfahren sowie visuelle Darstellungsmöglichkeiten der Ergebnisse im Internet kennen. Diese Kompetenzen helfen auch beim Berufseinstieg. Unternehmen schätzen die kommunikativen Fähigkeiten der Geisteswissenschaftler und trauen ihnen zu, unkonventionelle Lösungswege zu finden – beides Kompetenzen, die in der digitalisierten Arbeitswelt noch wichtiger werden. Allerdings sehen die Unternehmen Defizite bei den digitalen Kenntnissen der Geisteswissenschaftler. Hier können die Zusatzqualifikationen im Bereich „Digital Humanities“ helfen, neue berufliche Möglichkeiten zu finden.

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