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Draghi-Nachfolge: EZB-Präsident 004 gesucht

Wer auch immer nach Wim Duisenberg, Jean-Claude Trichet und Mario Draghi der vierte Präsident der Europäischen Zentralbank wird – die Aufgaben, vor denen der oder die oberste Währungshüter/in steht, sind groß.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ende Oktober wird Mario Draghi nach acht Jahren aus dem Amt des EZB-Präsidenten ausscheiden. Über seine Nachfolge entscheiden die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten.
  • Als Favoriten gelten derzeit Erkki Liikanen, Ex-Chef der Finnischen Zentralbank, und François Villeroy de Galhau, Präsident der Französischen Zentralbank.
  • Draghi hinterlässt mit der Nullzinspolitik und den milliardenschweren Anleihenkaufprogrammen ein schweres Erbe. Als Herausforderung kommt hinzu, dass das Wirtschaftswachstum in Europa wohl nachlassen wird.
Zur detaillierten Fassung

Ende Oktober wird Mario Draghi nach acht Jahren satzungsgemäß aus dem Amt des EZB-Präsidenten ausscheiden. Wer sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird, entscheidet der Europäische Rat, also die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten. Geht es nach den 38 Ökonomen, die das US-Medienunternehmen Bloomberg im Februar 2018 gefragt hat, gibt es zwei Favoriten (Grafik): Erkki Liikanen, Ex-Chef der Finnischen Zentralbank, und François Villeroy de Galhau, Präsident der Französischen Zentralbank, bekommen die höchsten Chancen eingeräumt, Mario Draghi zu folgen. Diese Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi werden von 38 Ökonomen favorisiert, die die Nachrichtenagentur Bloomberg befragt hat Der Finne bekam von den 38 Ökonomen 46 Punkte, der Franzose 42. Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, landet mit 26 Punkten auf Platz fünf; Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds und einzige Frau unter den Kandidaten, hält mit nur einem Punkt die rote Laterne.

Was auf den neuen EZB-Präsidenten zukommt

Die Aufgaben, die der vierte EZB-Präsident zu bewältigen hat, könnten größer kaum sein. Was alles auf seiner oder ihrer Agenda steht, ist am besten daran abzulesen, was in Draghis Amtszeit passiert ist: Der übernahm die EZB auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise. Er senkte – zum Verdruss der Sparer – die Leitzinsen im März 2016 auf null, um so die Konjunktur anzukurbeln, und er legte milliardenschwere Anleihenkaufprogramme auf, um so – unter anderem – die sehr niedrige Teuerungsrate in Europa anzuheben. All das hat die Bilanz der EZB auf Rekordniveau aufgebläht: Betrug die Bilanzsumme der EZB im Jahr 2014 rund 2,2 Billionen Euro, waren es 2018 erstmals mehr als 4,7 Billionen Euro – das entsprach fast 41 Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone. Der kommende EZB-Chef sollte, so fordern es jedenfalls die meisten Ökonomen, die Geldpolitik wieder normalisieren, sprich die Leitzinsen wieder erhöhen und die EZB-Bilanz reduzieren. Zudem müssen sich die Währungshüter darauf einstellen, dass die Zeiten des kräftigen Wirtschaftswachstums in Europa erst einmal vorbei sind: Nachdem die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im Euroraum 2017 mit 2,4 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht hatte, rechnet die EU-Kommission für 2019 nur noch mit 1,9 Prozent und für 2020 sogar lediglich mit 1,7 Prozent. Rutscht die europäische Wirtschaft gar in eine Rezession und/oder halten sich einzelne Mitgliedsstaaten – wie derzeit Italien – nicht an die Regeln der Währungsunion, steht die neue EZB-Führung unter enormem Druck: Um eine erneute Schuldenkrise wie ab 2010 zu bewältigen, wird der neue EZB-Präsident die „What ever it takes“-Strategie seines Vorgängers noch toppen müssen – keine leichte Aufgabe.

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