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Digitalisierung in Köln

Köln plant, mit der Initiative „Startup-City.Cologne“ eine innovative und starke Gründerszene in den digitalen Zukunftsmärkten zu etablieren. Doch dazu muss Köln erst einmal wissen, wie es um seine digitale Wirtschaft derzeit bestellt ist. Die IW Consult hat das untersucht und herausgefunden: Köln ist auf einem guten Weg.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im ersten Quartal 2016 kamen 1.800 der insgesamt knapp 63.000 Unternehmen in Köln aus dem Bereich der digitalen Wirtschaft, mehr als 600 waren digitale Start-ups.
  • Die digitale Wirtschaft erreicht in Köln einen durchschnittlichen Reifegrad von 23,5 Punkten von 100 möglichen Punkten.
  • Insgesamt machen die höchstens zehn Jahre alten Start-ups in der Region Köln gut 1,6 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.
Zur detaillierten Fassung

Die digitale Wirtschaft gilt als vielversprechende Zukunftsbranche – in Deutschland wird ihr Potenzial allein für die kommenden fünf Jahre auf gut 150 Milliarden Euro geschätzt, was immerhin einem jährlichen BIP-Zuwachs von 1 Prozent entspricht.

Wer als Stadt oder Region von dieser Entwicklung profitieren will – über die Wirkungskette Arbeitsplätze, Wertschöpfung, Steuereinnahmen -, der braucht junge innovative Unternehmen, sogenannte Start-ups, die sich auf den Zukunftsmärkten behaupten können.

Was sind Start-ups?

Der Begriff wird fast immer im Zusammenhang mit Unternehmensgründungen in der digitalen Wirtschaft genannt. Start-ups zeichnen sich durch drei Merkmale aus:

  1. Sie sind jünger als zehn Jahre;
  2. sie sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ;
  3. sie haben ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum oder streben dies an.

Um herauszufinden, auf wie viele Unternehmen das in Köln bzw. im Industrie- und Handelskammer-Bezirk Köln zutrifft, hat die IW Consult, eine Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die ortsansässigen Unternehmen nach bestimmten Kriterien gefiltert: Infrage kamen nur Firmen, die a) mindestens zwei Mitarbeiter haben, b) einen überdurchschnittlichen Digitalisierungsgrad aufweisen und darüber hinaus mit einer bestimmten Zahl an digitalen Themen wie 3D-Druck, Data-Mining, App-Entwicklung, Cloud-Dienste oder Industrie 4.0 befasst sind und c) nicht älter als zehn Jahre sind. Das Ergebnis:

Im ersten Quartal 2016 waren von den 62.789 Unternehmen in Köln 1.811 der digitalen Wirtschaft zuzuordnen – davon waren 626 digitale Start-ups.

Im IHK-Bezirk Köln, zu dem neben der Domstadt auch Leverkusen, der Rhein-Erft-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis sowie der Oberbergische Kreis gehören, reduziert der Filter die insgesamt 122.664 Firmen auf 2.755 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, von denen 862 digitale Start-ups waren.

Wie diese absoluten Zahlen einzuordnen sind, zeigt sich allerdings erst, wenn man sie ins Verhältnis zu allen Unternehmen setzt:

Digitale Wirtschaft: Diesem Segment sind in Köln 2,9 Prozent aller Unternehmen zu zuordnen, der IHK-Bezirk Köln kommt auf 2,2 Prozent.

Digitale Start-ups: In Köln sind 35 Prozent aller digitalen Start-ups jünger als zehn Jahre. Das sind 1 Prozent aller Unternehmen. Im IHK-Bezirk Köln sind es 31 Prozent der digitalen bzw. 0,7 Prozent aller Firmen.

Weil zehn Jahre im digitalen Zeitalter schon recht viel sein können, hat sich die IW Consult auch noch angeschaut, wie die Quoten ausfallen, wenn nur die höchstens fünf Jahre alten Unternehmen berücksichtigt werden. Demnach hat Köln eine Quote von 0,4 Prozent und der IHK-Bezirk Köln von 0,3 Prozent.

Der digitale Reifegrad

Die rein quantitative Aufteilung der Unternehmen sagt noch nichts darüber aus, wie weit die Digitalisierung in den einzelnen Regionen fortgeschritten ist. Um das festzustellen, hat die IW Consult einen Digital-Index entwickelt, der die Websites der einzelnen Unternehmen auf bis zu 10.000 Merkmale hin analysiert. Diese sind in acht Kategorien aufgeteilt, in denen der Reifegrad jeweils einen Wert zwischen 0 (nicht vorhanden) und 100 Punkten (maximaler Reifegrad) erreicht:

1. Technology: Wie aktuell und leistungsfähig ist die Technik der Website?

2. Mobile: Wie ausgereift sind die mobilen Anwendungen? Welche Apps werden eingesetzt?

3. Traffic/Reach: Wie sichtbar beziehungsweise bekannt ist die Website? Wie stark wird das digitale Angebot auf der Website genutzt?

4. Search: Welches Ranking erzielt das digitale Angebot in den Suchmaschinen?

5. Social Media: Auf welchen Plattformen ist das Unternehmen vertreten und wie aktiv ist es?

6. Connectivity: Wie vernetzt ist das Unternehmen?

7. Digital Topics: Welche digitalen Themen werden auf der Website genannt? Wie digital stellt sich das Unternehmen dar.

8. Quality: In welcher Qualität werden die verschiedenen Kriterien der digitalen Präsenz abgebildet?

Das Ergebnis über alle acht Kategorien gerechnet:

Die digitale Wirtschaft erreicht in Köln einen durchschnittlichen Reifegrad von 23,5 Punkten, der IHK-Bezirk Köln kommt auf 21,8 Punkte. Bei den digitalen Start-ups, die maximal zehn Jahre alt sind, erreicht Köln 23,8 von 100 möglichen Punkten, der IHK-Bezirk Köln 22,5 Punkte.

Errechnet man den digitalen Reifegrad aller Unternehmen, also nicht nur den der digitalen, kommen wesentlich niedrigere Werte heraus. In diesem Segment schneidet Köln mit 6 Punkten zwar besser ab als Nordrhein-Westfalen (5,2 Punkte) und übertrifft auch den bundesweiten Durchschnitt von 4,8 Punkten deutlich. Allerdings zeigen diese Werte auch, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung erst ganz am Anfang steht. Zur Erinnerung: Möglich sind 100 Punkte.

Mitarbeiter und Umsatz

Ende März 2016 waren im IHK-Bezirk Köln fast 13.000 Mitarbeiter in digitalen Start-ups angestellt, die seit höchstens zehn Jahren auf dem Markt sind. Dabei zeigt sich allerdings ein starkes Gefälle:

70 Prozent der Beschäftigten in digitalen Start-ups arbeiten direkt in Köln, die restlichen 30 Prozent entfallen auf die übrigen Standorte des IHK-Bezirks Köln.

Dass in den 862 Start-ups der IHK-Köln-Region insgesamt nur rund 13.000 Menschen arbeiten, erklärt sich mit der Größenstruktur der Betriebe. Sowohl in Köln selbst als auch im IHK-Bezirk Köln haben jeweils rund 60 Prozent dieser Firmen höchstens fünf Mitarbeiter, weitere 15 Prozent kommen mit sechs bis zehn Beschäftigen aus. Dagegen liegt der Anteil jener Start-ups, die mehr als 50 Mitarbeiter haben, in Köln nur bei 4 Prozent und im IHK-Bezirk Köln bei 5 Prozent.

Der Reifegrad der digitalen Wirtschaft in Deutschland erreicht nur 6 von 100 möglichen Punkten – es ist also noch viel zu tun in Sachen Digitalisierung.

In der Kategorie Start-ups unter fünf Jahren ist der Trend hin zum Kleinstunternehmen noch ausgeprägter. Sowohl in der Stadt Köln als auch im IHK-Bezirk Köln kommen jeweils mehr als 80 Prozent der Start-ups mit höchstens zehn Mitarbeitern aus.

Insgesamt machen die höchstens zehn Jahre alten Start-ups in der Region Köln derzeit einen Jahresumsatz von gut 1,6 Milliarden Euro. Pro Mitarbeiter gerechnet liegt der Umsatz um rund 27.000 Euro über dem durchschnittlichen Umsatz nicht digitaler junger Unternehmen – schon das allein zeigt, warum es sich lohnt, in diese Zukunftsbranche zu investieren.

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