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Chinesen stärken eigene Leistungsbilanz

US-Präsident Donald Trump kritisiert China für seine immensen Warenexporte. Doch die chinesische Leistungsbilanz – also die Summe aller Ausgaben und Einnahmen der Volkswirtschaft – war im ersten Quartal dieses Jahres negativ, wenn man den offiziellen Zahlen aus Peking glauben darf. Das liegt vor allem an der Reisefreude der Chinesen. Sie könnte auch den USA helfen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2017 ließen sich die Chinesen ihre Auslandsreisen umgerechnet mehr als eine viertel Billion Dollar kosten.
  • Die Reisefreude der Chinesen hat erheblichen Einfluss auf die Leistungsbilanz des Landes, denn sie kompensiert den enormen Handelsbilanzüberschuss.
  • Die USA sollten im Handelsstreit den Tourismus nicht aus den Augen verlieren, denn die chinesischen Gäste können dazu beitragen, die amerikanische Leistungsbilanz zu verbessern.
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Morgens am Schloss Neuschwanstein, zum Mittagessen im Münchner Hofbräuhaus, dann mit dem ICE zum Kölner Dom: Das Reisepensum chinesischer Touristen auf Deutschlandvisite ist berühmt-berüchtigt; ebenso der angebliche Anspruch der asiatischen Besucher, alle Sehenswürdigkeiten Europas in einer Woche zu sehen. Tatsächlich gibt es für Chinesen, die es sich leisten können, seit Öffnung des kommunistischen Staates touristisch kein Halten mehr (Grafik): Im Jahr 2017 ließen sich die Chinesen ihre Auslandsreisen umgerechnet mehr als eine viertel Billion Dollar kosten. So viele Milliarden Dollar gaben Reisende aus diesen Ländern im Jahr 2017 im Ausland aus Laut Welttourismusorganisation ist die Volksrepublik damit einsamer Spitzenreiter – schon die zweitplatzierten Amerikaner geben nur etwas mehr als halb so viel auf ihren Auslandsreisen aus. Bei diesen Zahlen handelt es sich wohlgemerkt um Gesamtwerte für die jeweilige Nation; pro Einwohner gerechnet stellt sich die Situation noch immer anders dar – vor allem für die Deutschen, die gemeinhin als Reiseweltmeister gelten.

Die Reisefreude der Chinesen kompensiert den enormen Handelsbilanzüberschuss der Volksrepublik.

Gleichwohl hat die Reisefreude der Chinesen erheblichen Einfluss auf die Leistungsbilanz des Landes, denn sie kompensiert den enormen Handelsbilanzüberschuss: Der chinesische Leistungsbilanzüberschuss von umgerechnet 165 Milliarden Dollar entsprach 2017 nur noch etwas mehr als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Es gibt zwar durchaus berechtigte Zweifel daran, dass die Tourismusausgaben der Chinesen tatsächlich so hoch sind, wie sie die Regierung in Peking ausweist. Doch selbst wenn sie aus politischen Gründen übertrieben würden, bestreiten westliche Forscher den allgemeinen Trend nicht. Auch US-Präsident Trump sollte deshalb das Thema Tourismus bei seiner harschen Kritik an China nicht aus dem Blick verlieren. Denn der Handelskrieg mit dem Reich der Mitte könnte auch dazu führen, dass chinesische Touristen die Vereinigten Staaten meiden. Das träfe die dortige Reiseindustrie spürbar: Im Jahr 2017 besuchten mehr als drei Millionen Chinesen die USA, 2022 sollen es laut Prognosen des US-amerikanischen National Travel and Tourism Office mehr als 4,5 Millionen sein. Die zusätzlichen Gäste könnten dann ihren Teil dazu beitragen, die weiterhin defizitäre amerikanische Leistungsbilanz zu verbessern.

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