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Britische Wirtschaft rutscht ab

Die Auswirkungen des Brexits treffen die britische Wirtschaft immer stärker. Einerseits schwächelt der private Konsum, andererseits entwickeln sich die privaten Investitionen nur noch schleppend – und die Direktinvestitionen aus dem Ausland sind regelrecht eingebrochen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der bevorstehende Brexit schlägt sich inzwischen messbar auf die britische Wirtschaft nieder.
  • Die Wachstumsprognosen wurden gesenkt, die Inflationsrate ist gestiegen und die Dynamik der Konsumausgaben hat sich verlangsamt.
  • Besonders stark leiden aber die Investitionen: Die inländischen steigen kaum noch – und der Kapitalzufluss aus dem Ausland ist regelrecht eingebrochen.
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Wie stark wird die Wirtschaft im Vereinigten Königreich wachsen? Das vorherzusagen ist Aufgabe des britischen Office for Budget Responsibility (OBR). Seine Wachstumsprognose für die Jahre 2016 bis 2020 hat das OBR seit November 2015 um kumuliert 8 Prozentpunkte gesenkt – ein Indiz für den Ernst der Lage. Das Wachstum im Vereinigten Königreich ist durch die Brexit-Entscheidung hinter das des Euroraums zurückgefallen. Zuvor lagen die Briten lange über dem Durchschnitt der Euroländer. Für die trüben Aussichten gibt es zwei Gründe: Erstens hat das Pfund seit dem Brexit-Votum gegenüber dem Euro deutlich abgewertet. Die Folge: Die Inflationsrate im Vereinigten Königreich ist 2017 auf mehr als 3 Prozent gestiegen. Dadurch hat sich die vormals hohe Dynamik der privaten Konsumausgaben spürbar verlangsamt. Zweitens drückt die Unsicherheit über die Ausgestaltung des Brexits auf die Investitionen. Das betrifft zum einen das Engagement der heimischen Firmen: Im Jahr 2016 gingen die privaten Investitionen – ohne Bau – im Vereinigten Königreich um 0,5 Prozent zurück und 2017 erhöhten sie sich nur um 2,4 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2015 waren die privaten Investitionen noch um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr gewachsen.

Auch die Investitionen aus dem Ausland brechen ein

Zum anderen wirkt sich der Brexit auch auf die Direktinvestitionen aus. Das Vereinigte Königreich war stets besonders beliebt bei ausländischen Investoren. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2016 legten sie 66 Milliarden Euro auf der Insel an. Ganz anders nach der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen (Grafik): Im Jahr 2017 flossen lediglich noch 15,1 Milliarden Euro an Direktinvestitionen ins Vereinigte Königreich. Entwicklung des Zuflusses an Direktinvestionen in EU-Länder Unter den großen EU-Volkswirtschaften ist Großbritannien damit vom ersten auf einen der letzten Plätze abgerutscht. Die jüngsten Entwicklungen in den Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU dürften die Lage eher noch verschärfen als entspannen. Denn ein No-Deal-Szenario – also der EU-Austritt ohne Vertrag – ist weiterhin nicht auszuschließen.

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