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Börsenindizes spiegeln Wandel der Wirtschaft wider

Wie unterschiedlich sich die Wirtschaftsstrukturen in den USA und Deutschland entwickelt haben, erkennt man auch an den jeweiligen Aktienmärkten. Während sich der Anteil der Industriefirmen im Dax in den vergangenen Jahren nur leicht verändert hat, spiegelt sich im Dow Jones die Deindustrialisierung der amerikanischen Wirtschaft deutlich wider.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche und die amerikanische Wirtschaft haben in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen - das zeigt auch der Blick auf die jeweiligen Aktienindizes.
  • Während Deutschland immer noch auf eine breit aufgestellte Industrie setzen kann, ist in den USA eine voranschreitende Deindustrialisierung zu beobachten.
  • So ging die Zahl der gelisteten Industriefirmen im Dow Jones zwischen 1987 und 2020 von 25 auf 19 zurück – im Deutschen Aktienindex nahm ihre Zahl dagegen von 21 auf 22 zu.
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Seit ungefähr zwei Jahren befindet sich die deutsche Industrie in einer Rezession. Die Liste der Ursachen ist lang: internationale Handelskonflikte, Protektionismus, ein tiefgreifender Strukturwandel – und dann auch noch Corona. Kein Ereignis der vergangenen 70 Jahre hat die hiesige Wirtschaft so stark gebeutelt wie die Pandemie. So ging der Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2020 auf rund 20 Prozent zurück. In den Vorjahren lag der Anteil bei rund 23 Prozent.

Dennoch kann Deutschland immer noch auf eine breit aufgestellte Industrie setzen. In anderen Ländern wie den USA sieht das ganz anders aus. Schon seit fünf Dekaden ist dort eine voranschreitende Deindustrialisierung zu beobachten: Der Wertschöpfungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes summierte sich im vergangenen Jahr nur noch auf knapp 12 Prozent des BIP.

Die unterschiedliche Entwicklung, die die deutsche und die amerikanische Wirtschaft durchlaufen haben, spiegelt sich auch in den bekannten Aktienindizes der beiden Länder wider (Grafik):

Im Dow Jones Industrial Average ging die Zahl der gelisteten Industriefirmen zwischen 1987 und 2020 von 25 auf 19 zurück – im Deutschen Aktienindex (Dax) nahm ihre Zahl von 21 auf 22 leicht zu.

Zahl der Dienstleistungsunternehmen und Industrieunternehmen in den Aktienindizes

So zählten im Jahr 1987 noch 14 Firmen der Kategorien Konsumgüterproduzenten und Basic Materials (zum Beispiel Chemiefirmen) zu den Top 30 des amerikanischen Aktienindex, 2020 waren es nur noch vier. Dafür kamen bis 2020 einige Konsumdienstleistungs-, Pharma-, Finanz- oder Technologieunternehmen hinzu.

Letztere stellen mit sechs Firmen mittlerweile die größte Gruppe im Dow Jones. Schwergewichte wie Amazon und Alphabet, die zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt zählen, gehören wegen ihrer hohen Kurse allerdings nicht dazu. Die Aktien des Dow Jones Industrial Average werden im Gegensatz zum Dax in Preisen gewichtet, sodass Titel mit sehr hohen Aktienwerten ausgeschlossen werden müssen. Dies verhindert zwar, dass die großen Firmen die Indexentwicklung im Extremfall allein bestimmen – zugleich wird aber auch die Bedeutung der großen Technologie- und Plattformunternehmen am amerikanischen Aktienmarkt nicht vollständig abgebildet.

Der Anteil der Industriefirmen im Dax hat sich in den vergangenen Jahren nur leicht verändert; dagegen spiegelt sich im Dow Jones die Deindustrialisierung der amerikanischen Wirtschaft wider.

Im Vergleich dazu hat sich die Gewichtung der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Dax über die Jahre kaum verändert. Die Branche der Konsumdienstleister hat etwa durch das Ausscheiden von Kaufhof, Karstadt und Lufthansa an Bedeutung verloren. Dafür hat jüngst Delivery Hero, eine Online-Bestellplattform für Restaurantessen, diese Kategorie neu besetzt. Mit SAP und Infineon sind im Deutschen Aktienindex nur zwei Technologiefirmen vertreten – im Jahr 1987 war es lediglich Nixdorf.

Aber auch im Dax gab es Veränderungen. So sind im Gegensatz zu 1987 heute vier – statt zwei – Pharmakonzerne gelistet. Und die Zahl der Konsumgüterproduzenten ist von fünf auf sieben gestiegen. Grund hierfür ist vor allem die hohe Bedeutung der Automobilindustrie in der deutschen Wirtschaft.

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