Kaufkraft Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Big-Mac-Index: Der etwas andere Wechselkurs

Ökonomiestudenten lieben den Big-Mac-Index des Wirtschaftsmagazins „The Economist“ seit Generationen, weil er das Zusammenspiel von Wechselkurs und Preisniveau so anschaulich macht. Seine Aussagekraft ist allerdings eingeschränkt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ hat den Big-Mac-Index vor 32 Jahren entwickelt, um auf einfache Weise zu messen, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist.
  • Umgerechnet in Dollar war der Mc-Donald's-Burger im Juli 2018 in der Schweiz am teuersten und in Ägypten am billigsten.
  • Die Aussagekraft des Index in Bezug auf Wechselkurse ist eingeschränkt, weil der Big Mac kein handelbares Produkt ist und sein Preis von vielen nationalen Faktoren abhängt.
Zur detaillierten Fassung

Im Juli hat das Wirtschaftsmagazin „The Economist“ seinen aktuellen „Big-Mac-Index“ veröffentlicht. Er führt für insgesamt 57 Länder die aktuellen Burgerpreise auf. Die Spanne ist immens (Grafik):

In der teuren Schweiz kostet der Burger umgerechnet 6,54 Dollar – und damit fast viermal so viel wie in Ägypten, wo er für 1,75 Dollar zu haben ist. Big-Mac-Index im Juli 2018

Den Index hat eine Wirtschaftsredakteurin der britischen Zeitschrift vor 32 Jahren entwickelt, um auf einfache Art und Weise zu messen, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist. Dahinter steckt eine Vorstellung aus dem ökonomischen Lehrbuch: In der perfekten Wirtschaftswelt würden sich Wechselkurse bei freiem Handel so einpendeln, dass vergleichbare Waren in allen Ländern gleich viel kosten.

Ein Züricher kann seinen Big Mac nicht in Kairo bestellen und dadurch dort die Preise nach oben treiben.

Dass der Big Mac ein global vergleichbares Produkt ist, lässt sich kaum bestreiten: Der Fast-Food-Konzern McDonald‘s ist weltweit präsent und schreibt seinen Franchisenehmern die einzelnen Bestandteile des Burgers genau vor. Dass das Brötchen mit der Boulette aber keineswegs überall gleich viel kostet, sondern im Gegenteil die Preisunterschiede weltweit ausgesprochen groß sind, ist jedoch nicht nur durch Wechselkurse im Ungleichgewicht zu erklären, sondern hat mehrere Ursachen:

  1. Ein Burger ist kein handelbares Produkt – schlicht und einfach, weil er verderblich ist. Ein Züricher kann seinen Big Mac eben nicht in Kairo bestellen und dadurch dort die Preise nach oben treiben oder für einen Ausgleich der Wechselkurse sorgen.
  2. Das internationale Wohlstandsgefälle bewirkt Unterschiede im allgemeinen Preisniveau, die sich auch im Burgerpreis niederschlagen. Vor allem für die Preise von Lebensmitteln, die nicht für den Export bestimmt sind, ist die heimische Kaufkraft ausschlaggebend.
  3. Steuern und Zölle beeinflussen den Preis für Kunden im In- und Ausland. Wenn etwa unterschiedliche Mehrwertsteuersätze zu Preisdifferenzen führen, werden diese generell nicht durch den Wechselkurs ausgeglichen, weil die nationale Mehrwertsteuer beim grenzüberschreitenden Handel nicht anfällt. Umgekehrtes gilt für Zölle: Sie treffen nur die Kunden im Ausland.
  4. Das Wettbewerbsumfeld und die nationalen Vorlieben spielen ebenfalls eine Rolle. Welche Preise McDonald’s für einen Big Mac verlangen kann, hängt logischerweise auch von Angebot und Nachfrage ab: Wie groß ist die Konkurrenz in der Fast-Food-Sparte? Stehen beispielsweise die Inder genauso auf den Big Mac wie die Bundesbürger und die Amerikaner – oder bevorzugen sie vielleicht einheimische Speisen?

All diese Einschränkungen bedeuten jedoch nicht, dass es überhaupt nichts mit dem Wechselkurs zu tun hat, dass sich ausgerechnet Länder wie die Ukraine, Russland und die Türkei auf den billigen Plätzen des Big-Mac-Index tummeln. Alle drei Staaten stecken derzeit in einer Wirtschaftskrise, ihre Währungen sind international kaum gefragt und haben folglich gegenüber dem Dollar abgewertet. Auch in Ägypten sind es wohl die politischen Probleme, die dazu führen, dass sich die Wirtschaft nicht entwickelt, das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner stagniert und schon gar keine Preiserhöhungen für Fast Food durchsetzbar sind. Big-Mac-Index im Juli 2018

Ein Maßstab für die Kaufkraft des Dollars im Ausland

Als Wechselkursmaßstab ist der Big-Mac-Index im Großen und Ganzen trotzdem eher ungeeignet, er taugt allerdings ganz gut dazu, die Kaufkraft des Dollars außerhalb der USA zu messen – ein Punkt, der besonders Touristen interessiert. Zumindest aus deren Warte ist es eher unbefriedigend, dass der Economist nur einen Durchschnittspreis für die Eurozone berechnet. Denn der Big Mac kostet in den Euroländern keineswegs gleich viel – und ihr Preisniveau bewegt sich eben auch längst nicht auf einer Höhe.

Der Preis für einen Big Mac in Deutschland sei daher an dieser Stelle nachgeliefert: Im Juli 2018 betrug er umgerechnet 4,44 Dollar. Amerikanische Touristen können demzufolge in Heidelberg oder München für rund 22 Dollar fünf Big Macs verspeisen – während es zu Hause nur vier wären.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene