Ausländische Beschäftigte fürs Gesundheitswesen unverzichtbar
Vom Krankenpfleger bis zum Rettungssanitäter – ausländische Fachkräfte lindern den Personalmangel im deutschen Gesundheitswesen. Sie sind ein zentraler Faktor dafür, dass Pflege und medizinische Versorgung in Deutschland gewährleistet sind.
- Die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in medizinischen Gesundheitsberufen hat sich in Deutschland zwischen 2015 und 2025 auf gut 526.000 Menschen mehr als verdreifacht. Sie sind damit eine wichtige Stütze des Gesundheitswesens.
- Allein rund 205.000 Beschäftigte aus dem Ausland arbeiteten im März 2025 in der Gesundheits- und Krankenpflege, dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe.
- Die Bundesrepublik sollte sich weiterhin intensiv darum bemühen, Fachpersonal aus dem Ausland anzuwerben oder auszubilden sowie die Anerkennung beruflicher Qualifikationen weiter zu vereinfachen.
Wie bedeutsam ein funktionierendes Gesundheitssystem ist, hat die Coronapandemie allen vor Augen geführt. Und gerade in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen ist es wichtig, dass Krankenhäuser, Altenheime und Pflegeeinrichtungen ihren Betrieb aufrechterhalten können. Dafür braucht es in erster Linie Arbeitskräfte. Doch die fehlen hierzulande schon seit Längerem – die Bundesrepublik ist deshalb auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen.
Da ist es eine gute Nachricht, dass sich die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in medizinischen Gesundheitsberufen hierzulande seit 2015 auf gut 526.000 Menschen mehr als verdreifacht hat. Der Großteil davon ist in Krankenhäusern und Kliniken angestellt (Grafik):
Rund 205.000 Beschäftigte aus dem Ausland arbeiteten im März 2025 in der Gesundheits- und Krankenpflege, dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe.
Diese Berufsgattung verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von 288 Prozent auch den stärksten Zuwachs an ausländischem Fachpersonal. Zum Vergleich: Die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsbürgerschaft in diesem Bereich nahm im selben Zeitraum nur um 10 Prozent zu. Der Ausländeranteil in dieser Berufsgattung stieg dadurch von 5,3 auf 16,4 Prozent. Ähnliches gilt für die Altenpflege, wo mittlerweile fast ein Viertel der Beschäftigten zugewandert ist. Und dann wären da noch die nach Angaben der Bundesärztekammer schätzungsweise 7.000 hier niedergelassenen Ärzte aus dem Ausland, die aufgrund ihrer Selbstständigkeit gar nicht in den Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erfasst sind.
Die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in medizinischen Gesundheitsberufen hat sich in Deutschland zwischen 2015 und 2025 auf gut 526.000 Menschen mehr als verdreifacht. Sie sind damit eine wichtige Stütze des Gesundheitswesens.
Die Zuwanderung aus dem Ausland schließt in Deutschland also einige Personallücken. Trotzdem fehlen im deutschen Gesundheitswesen massenhaft Fachkräfte: Im Schnitt des Jahres 2024 war die Fachkräftelücke hier mit mehr als 46.000 nicht besetzbaren offenen Stellen über alle Branchen hinweg am größten (siehe "In welchen Branchen die meisten Fachkräfte fehlen"). Allein 16 Prozent der freien Posten davon vereinten die Gesundheits- und Krankenpfleger auf sich.
Deswegen sollte sich die Bundesrepublik weiterhin intensiv darum bemühen, Fachpersonal aus dem Ausland anzuwerben oder auszubilden sowie die Anerkennung beruflicher Qualifikationen weiter zu vereinfachen. Generell geht es zudem darum, ein Klima zu schaffen, in dem sich Zuwanderer willkommen fühlen – eine Aufgabe für Politik, Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen.
„Zwei Drittel stammen aus Drittstaaten“
Interview mit Wido Geis-Thöne, Senior Economist für Familienpolitik und Migrationsfragen im Institut der deutschen Wirtschaft.
Aus welchen Ländern kommen die ausländischen Beschäftigten im Gesundheitswesen?
Rund zwei Drittel der Zugewanderten stammen aus Drittstaaten, nur ein Drittel kommt aus der EU. Menschen von den Philippinen haben hierzulande anteilig gesehen besonders oft einen Job im medizinischen und pflegerischen Bereich. Und unter den Ärzten gibt es viele Syrer.
Die Daten zur Fachkräftelücke im Gesundheitswesen beziehen sich meist auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Wie sieht es im freiberuflichen Bereich aus?
Dort fehlen ebenfalls dringend benötigte Fachkräfte. So haben wir bei den niedergelassenen Haus- und Fachärzten vielerorts zunehmende Versorgungslücken, auch bei weiteren freiberuflich tätigen Berufsgruppen wie den Hebammen ist die Lage schwierig. Diese Positionen werden allerdings nicht von Arbeitgebern als offene Stellen ausgeschrieben, sodass sie bei der Berechnung von Fachkräftelücken in der Regel nicht berücksichtigt werden.
Was kann die Bundesrepublik konkret tun, um noch mehr ausländische Fachkräfte für den medizinischen Bereich zu gewinnen?
Das ist ein sensibles Thema. Da die Herkunftsländer oft selbst zu wenig Personal im Gesundheitswesen haben, kommt die gezielte Anwerbung von fertig ausgebildeten Fachkräften für den deutschen Arbeitsmarkt aus ethischer Sicht häufig kaum infrage. Daher sind Initiativen wie das Programm „Triple Win“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bundesagentur für Arbeit wichtig, bei dem Deutschland zunächst die Ausbildung von Pflegekräften im Ausland unterstützt und diesen anschließend die Einwanderung sehr einfach macht.