Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Arbeitszeiten Lesezeit 3 Min.

Jahresarbeitszeit in der EU

In vielen EU-Ländern gelten die 40-Stunden-Woche und ein jährlicher Urlaubsanspruch von 20 Tagen. Andere Nationen arbeiten weniger und gewähren mehr freie Tage. So kommen in einigen EU-Staaten etliche Wochen mehr Arbeit im Jahr zustande als in anderen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2022 betrug die tarifliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland 37,7 Stunden.
  • Noch niedriger war sie EU-weit nur in fünf anderen Staaten. Zwölf Länder wiesen 2022 ein wöchentliches Vollzeitpensum von 40 Stunden aus, dem Maximalwert innerhalb der EU.
  • Deutschland kam 2022 im Schnitt auf eine tarifvertraglich festgelegte Jahresarbeitszeit von 1.681 Stunden. Nur Finnen, Dänen und Franzosen hatten eine niedrigere Jahresarbeitszeit.
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„Wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, das forderte Bundeskanzler Friedrich Merz kürzlich von den Bundesbürgern. Dies sei nötig, um Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Tatsächlich ist mehr oder produktivere Arbeit – idealerweise sogar beides – allein schon deshalb erforderlich, weil bereits aktuell jedes Jahr mehr Beschäftigte in Deutschland in Rente gehen, als junge Erwerbstätige ins Berufsleben einsteigen – eine Gemengelage, die sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird.

Vor allem wegen der vielen Urlaubstage betrug die durchschnittliche Jahresarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland 2022 nur 1.681 Stunden – in Estland und Ungarn waren es dagegen 1.856 Stunden.

Da die Produktivitätsfortschritte in der Vergangenheit jedoch abgenommen haben, dürfte dies nicht der primäre Lösungsansatz für den demografischen Wandel auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sein. Somit bleibt in erster Linie zunächst nur die Möglichkeit übrig, die Arbeitszeiten zu erhöhen, wenn das Wohlstandsniveau in Deutschland aufrechterhalten werden soll.

Doch wie viel arbeiten die Beschäftigten überhaupt? Eurofound, die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, trägt die Daten dazu für alle EU-Mitgliedsstaaten zusammen und weist für Deutschland einen vergleichsweise niedrigen Wert aus (Grafik):

Im Jahr 2022 – dies sind die neuesten verfügbaren Daten – betrug die tarifliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland 37,7 Stunden – noch niedriger war sie EU-weit nur in fünf anderen Staaten.

für Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2022 in Stunden Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Über alle 27 EU-Staaten hinweg lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit für in Vollzeit Tarifbeschäftigte bei 38,1 Stunden. Für zwölf Länder weist Eurofound für 2022 ein wöchentliches Vollzeitpensum von 40 Stunden aus, dem Maximalwert innerhalb der EU.

Deutschland und Dänemark haben EU-weit höchsten Urlaubsanspruch

Die Wochenarbeitszeit ist jedoch nur ein Indikator von vielen für das Arbeitspensum. Um das Arbeitsvolumen für ein Land besser bestimmen zu können, ziehen Forscher deshalb häufig die Jahresarbeitszeit heran. Dazu multiplizieren sie die Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte mit 52 (Wochen) und ziehen davon die Urlaubs- und Feiertage ab. Und die variieren erheblich von Land zu Land (Grafik):

In Deutschland und Dänemark haben die meisten Tarifbeschäftigten mit jeweils 30 Urlaubstagen EU-weit den höchsten Urlaubsanspruch.

Zahl der gesetzlich und tarifvertraglich festgelegten Urlaubstage und gesetzlichen Feiertage in den EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2022 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit gewähren diese beiden Länder zwei Wochen mehr bezahlten Urlaub, als die EU vorschreibt – nämlich mindestens vier Wochen. Dieses Mindestmaß erhalten Arbeitnehmer in 13 EU-Staaten, der durchschnittliche Urlaubsanspruch in den EU-Mitgliedsstaaten betrug 2022 mit 24,3 Tagen knapp fünf Wochen.

Summe aus Urlaubs- und Feiertagen unterscheidet sich zwischen EU-Ländern stark

Auch die Zahl der Feiertage unterscheidet sich innerhalb der Staatengemeinschaft stark. Deutschland kam 2022 im Durchschnitt – die Feiertagszahl ist in den einzelnen Bundesländern uneinheitlich – auf nur sieben Feiertage. Dass die Zahl so niedrig ausfiel, hat mit dem Kalenderjahr zu tun: Im Jahr 2022 gab es in der Bundesrepublik besonders viele Feiertage, die auf einen Sonntag fielen. Dagegen konnten sich die Einwohner Bulgariens, Maltas, Zyperns und der Slowakei über zwölf freie Tage im selben Jahr freuen.

Rechnet man Urlaubs- und Feiertage zusammen, beträgt die Spanne innerhalb der EU-Länder mehr als zwei Arbeitswochen. Denn während Esten, Ungarn, Belgier und Niederländer im Jahr 2022 auf 28 freie Tage kamen, hatten die Malteser 40 freie Tage zur Verfügung, die Dänen 38.

So kommt es, dass nicht automatisch die Länder mit den höchsten durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten auch die höchsten durchschnittlichen Jahresarbeitszeiten haben.

In Malta, wo zwar durchschnittlich 40 Wochenarbeitsstunden tarifvertraglich die Regel sind, führten die 40 freien Tage im Jahr 2022 dazu, dass ein Vollzeitbeschäftigter übers Jahr gerechnet durchschnittlich 1.760 Stunden arbeitete (Überstunden, Kranktage und Kurzarbeit sind hier nicht berücksichtigt). In Estland und Ungarn, wo ebenfalls die 40-Stunden-Woche gilt, waren es aufgrund von weniger Urlaubs- und Feiertagen im Jahr 2022 dagegen 1.856 Arbeitsstunden im Jahr.

Deutschland kam 2022 trotz der wenigsten Feiertage EU-weit aufgrund der 30 Urlaubstage und der niedrigen Wochenarbeitszeit im Schnitt nur auf 1.681 Stunden tarifvertraglich festgelegte Jahresarbeitszeit. Am kürzesten arbeiteten Beschäftigte in Frankreich mit durchschnittlich 1.608 Stunden. Das waren 248 Stunden beziehungsweise sechs Wochen weniger, als Beschäftigte in Ungarn und Estland stemmen mussten.

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