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„Wir bilden Brückenbauer aus“

Frankreich wurde von vielen Deutschen lange Zeit kaum beachtet. Mit Macron als Präsident ändert sich das – das Nachbarland ist wieder „in“. Jochen Hellmann, Generalsekretär der Deutsch-Französischen Hochschule, erklärt, warum vertiefte Kenntnisse des Nachbarlands auf beiden Seiten vonnöten sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Frankreich wurde von vielen Deutschen lange als nicht ebenbürtig wahrgenommen, dabei gehört das Land zu den wichtigsten Handelspartnern der Bundesrepublik.
  • Um nachhaltige Geschäftsbeziehungen aufbauen zu können, braucht es vertiefte Kenntnisse der Wirtschafts- und Verwaltungskultur, der Sprache und der gesellschaftlichen Besonderheiten des jeweiligen Gegenübers.
  • Die Deutsch-Französische Hochschule mit Sitz in Saarbrücken bildet in binationalen Studiengängen junge Menschen aus, die das politische und wirtschaftliche Leben in Deutschland, Frankreich und Europa mitprägen können.
Zur detaillierten Fassung

Ist der deutschen Öffentlichkeit eigentlich ausreichend bewusst, wie bedeutend Frankreich als Handelspartner deutscher Unternehmen ist? Die beiden anderen Kandidaten für das Siegerpodium der wichtigsten deutschen Handelspartner – China und die USA – sind in aller Munde, hingegen Frankreich, zuletzt Silbermedaillengewinner aus deutscher Perspektive, wirkte lange, zumindest auf die weniger gut Informierten, wie ein nicht ganz ebenbürtiger Nachbar. Die Präsidentschaften Sarkozy und Hollande trugen wenig dazu bei, diese deutsche „Frankreich-Vergessenheit“ zu korrigieren. Die unpräzise Vorstellung, Frankreich sei ein Land mit zwar reicher kultureller Tradition, angenehmer Lebensart und touristischer Anziehungskraft, ansonsten aber nicht (mehr) ganz für voll zu nehmen, hatte sich in vielen Köpfen verfestigt. Die Begleitumstände der Wahl Emmanuel Macrons zum neuen französischen Staatspräsidenten und die dann folgende, teilweise spektakuläre, ambitionierte und von zupackendem Voluntarismus geprägte Handlungsweise der neuen Regierung ließen dann all diejenigen, die über gute Antennen verfügen, interessiert aufhorchen. Dass der Economist Frankreich kürzlich zum „country of the year“ bestimmt hat, ist nur Ausdruck der neuen Sicht: Frankreich ist eindeutig wieder „in“. Wer allerdings schon länger mit französischen Einrichtungen oder Firmen zu tun hat, weiß: Zwischen deutschen und französischen Partnern lässt sich gewiss zur Not auch ohne vertiefte gegenseitige Landes- und Sprachkenntnis etwas Sinnvolles erreichen – vorausgesetzt, der gute Wille ist vorhanden und beide Parteien sprechen Englisch.

Deutschland und Frankreich können sich gegenseitig viel geben, obwohl sie trotz enger institutioneller Verbundenheit sehr verschieden geblieben sind.

Jochen Hellmann ist Generalsekretär der Deutsch-Französischen Hochschule mit Sitz in Saarbrücken, Foto: Iris Maurer Aber um wirklich zu reüssieren und eine intensive, auf der Basis gegenseitigen Vertrauens gegründete und nachhaltig-fruchtbare Geschäftsbeziehung aufzubauen, bedarf es mehr: Erst sobald nämlich die handelnden Personen über vertiefte Kenntnisse der Wirtschafts- und Verwaltungskultur, der Sprache und der gesellschaftlichen Besonderheiten des jeweiligen Gegenübers verfügen, gelingt die Zusammenarbeit wirklich. Denn die beiden Länder, benachbart und verbündet wie sie sind, können sich gegenseitig viel geben, obwohl sie trotz enger institutioneller Verbundenheit sehr verschieden geblieben sind.

Nun gibt es eine Einrichtung, die nicht nur Brücken baut, sondern sogar die Brückenbauer der nächsten Generation ausbildet: Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) mit Sitz in Saarbrücken hat als zentrale „raison d'être“ die Förderung der Ausbildung junger Menschen, die sich nach dem Abschluss ihres Studiums in beiden Kulturen, beiden Sprachen und beiden Wirtschaften gleichermaßen zu Hause fühlen – ausgedrückt durch die Tatsache, dass ihnen, nachdem sie die Hälfte des Studiums in Deutschland, die andere in Frankreich absolviert haben, ein französisches und ein deutsches vollwertiges Hochschuldiplom verliehen wird. Eine solche Einrichtung, die beiden Partnerländern gleichzeitig „gehört“, von beiden paritätisch gesteuert und finanziert wird, ist einmalig auf der Welt. Absolventen der DFH-Studiengänge – 1.500 erhalten jedes Jahr den doppelten Abschluss – werden als fachlich exzellente, dreisprachige Könner in Zukunft das politische und wirtschaftliche Leben in Deutschland, Frankreich und Europa mitprägen.

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