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Deutsch-Französische Hochschule: 6.000 sagen „Ja“ und „Oui“

Als erster und bislang einziger Anbieter von durchgängig integrierten binationalen Studiengängen sorgt die Deutsch-Französische Hochschule seit 20 Jahren für interkulturell ausgebildete Akademiker. Derzeit bietet das Netzwerk Studienmöglichkeiten an 186 Hochschulen in den beiden Ländern an.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) in Saarbrücken bietet eng verzahnte Partnerstudiengänge für Studenten beider Länder an. Im Moment sind rund 6.000 Studenten eingeschrieben.
  • Gegenwärtig betreut die Deutsch-Französische Hochschule ein Netzwerk von 186 Einrichtungen, darunter deutsche Exzellenzuniversitäten und französische Elitehochschulen.
  • Die qualitativ hochwertige Lehre zahlt sich aus: Die Absolventen finden im Schnitt innerhalb der ersten drei Monate nach Studienabschluss eine adäquate Stelle, meist sogar mit deutsch-französischem oder internationalem Bezug.
Zur detaillierten Fassung

Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) in Saarbrücken ist – neben dem Fernsehsender ARTE und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk – eine von vielen Partnerorganisationen, die auf den Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 zurückgehen. An diesem Tag unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle in Paris das Freundschaftsabkommen, das eine weitreichende Zusammenarbeit beider Länder in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen sowie der Jugendpolitik vorsah. Und seitdem begehen beide Länder den 22. Januar als deutsch-französischen Tag.

Trotzdem sollte es noch einmal mehr als drei Jahrzehnte dauern, bis 1997 die Deutsch-Französische Hochschule gegründet wurde. Ihr Hauptauftrag ist die Auswahl, Unterstützung und Evaluierung von Partnerstudiengängen – also solchen Studiengängen, in denen sowohl ein deutscher als auch ein französischer Hochschulabschluss erworben wird.

Standen vor 55 Jahren historisch-politische Motive im Vordergrund, spielen heute auch wirtschaftspolitische Aspekte im binationalen Verhältnis eine wichtige Rolle:

Deutschland ist mit weitem Abstand Frankreichs Handelspartner Nummer eins, sowohl bei Importen als auch bei Exporten.

Umgekehrt ist Frankreich nach den USA Deutschlands größter Exportkunde. Auch als Arbeitgeber sind beide Nationen recht aktiv: Französische Tochterunternehmen stellen rund 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland, umgekehrt offerieren deutsche Betriebe rund 340.000 Jobs in Frankreich.

Die Absolventen der Deutsch-Französischen Hochschule finden nach ihrem Studium meist schnell eine Stelle. Jeder zweite hat nach fünf Jahren Berufserfahrung bereits eine Führungsposition inne.

Für junge Leute gibt es somit gute Gründe, sich neben der Sprache des Nachbarlands auch interkulturelle Kompetenzen und landesspezifisches Fachwissen anzueignen. Das Studienangebot der Deutsch-Französischen Hochschule bietet genau diesen Mix: Die Lehrpläne der DFH sind so eng miteinander verzahnt, dass beide Abschlüsse in der Regelstudienzeit zu schaffen sind.

Einjähriger Auslandsaufenthalt ist Pflicht

Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass mindestens ein Jahr im jeweiligen Partnerland studiert wird. Außerdem achten die Hochschulen darauf, dass Franzosen und Deutsche gemeinsam studieren, damit nicht nur Fachwissen, sondern auch Verständnis für die andere Kultur erworben wird und idealerweise Freundschaften entstehen können. Ermöglicht werden außerdem Doktorarbeiten, die sowohl von einer deutschen als auch von einer französischen Hochschule betreut werden. Zum Programm der DFH gehören darüber hinaus wissenschaftliche Konferenzen und Seminare.

Gegenwärtig betreut die Deutsch-Französische Hochschule ein Netzwerk von 186 Einrichtungen, darunter deutsche Exzellenzuniversitäten und französische Elitehochschulen. Für diese Arbeit sowie für die Unterstützung der Studenten standen der DFH im Jahr 2016 rund 13,6 Millionen Euro zur Verfügung (Grafik). Geldgeber sind neben den deutschen und französischen Bildungsministerien auch die jeweiligen Außenministerien. So viel Euro erhielt die Deutsch-Französische Hochschule in Saarbrücken für die Betreuung ihres Netzwerks und zur Unterstützung von Studenten im Jahr 2016

In insgesamt 183 Studiengängen und 23 Doktorandenkollegs sind derzeit rund 6.000 Studenten eingeschrieben. Sie erhalten während ihres Auslandsaufenthalts eine monatliche Mobilitätspauschale von 270 Euro. In einigen Studiengängen wird die Kooperation noch um ein drittes Land erweitert, beispielsweise die Schweiz oder Luxemburg.

Die Studenten selbst kommen überwiegend aus Deutschland und Frankreich, 9 Prozent stammen aus anderen Ländern. Franzosen und Deutsche sind zwar nahezu gleich stark vertreten, haben aber unterschiedliche Fächerpräferenzen (Grafik):

Während bei den Deutschen die Geistes- und Sozialwissenschaften an erster Stelle stehen, favorisieren Franzosen MINT-Fächer. So viel Prozent der Studenten im Netzwerk der Deutsch-Französichen Hochschule studierten 2017 diese Fachrichtungen

Wirtschaftswissenschaften kommen bei den Deutschen an zweiter Stelle, bei den Franzosen sind dies die Geistes- und Sozialwissenschaften. Aus Frankreich wie auch aus Deutschland hat sich jeder Fünfte in Jura eingeschrieben, was in Anbetracht der unterschiedlichen Rechtssysteme und der sprachlichen Anforderungen einen hohen Einsatz erfordert.

Ohnehin ist der Weg zum deutsch-französischen Doppelabschluss kein Spaziergang. Ein studiertaugliches Sprachniveau wird bereits bei der Bewerbung um den Studienplatz vorausgesetzt. Und bevor es an manche Partneruni geht, müssen bereits erfolgreich absolvierte Studienabschnitte nachgewiesen werden.

Außerdem haben einige Hochschulen ein zusätzliches Auswahlverfahren – so beispielsweise die renommierte französische Eliteuniversität Sciences Po, eine der Kaderschmieden für den Nachwuchs in politischen und wirtschaftlichen Spitzenpositionen. Aber auch an der deutschen Exzellenzuni RWTH Aachen, die einen gemeinsamen Masterstudiengang mit der französischen Elite-Ingenieurhochschule CentraleSupélec durchführt, gibt es ein Auswahlverfahren.

Gute Berufschancen für Absolventen

Ein solches müssen auch die Hochschulen selbst durchlaufen, bevor sie in das DFH-Netzwerk aufgenommen werden. In einem mehrstufigen Evaluationsverfahren müssen die Partnerhochschulen den Gutachtern aus beiden Ländern nachweisen, dass Studieninhalte und Studienleistungen so verzahnt sind, dass sie einen Doppelabschluss ohne Zeitverlust ermöglichen. Außerdem muss ersichtlich sein, dass die deutsch-französische Integration, die Interkulturalität, die Sprachkenntnisse sowie die Arbeitsmarktchancen gefördert werden.

Diese Form der Qualitätssicherung und das anspruchsvolle Studium zahlen sich aus: Die Absolventen finden im Schnitt innerhalb der ersten drei Monate nach Studienabschluss eine adäquate Stelle, meist sogar mit deutsch-französischem oder internationalem Bezug. Von den französischen Absolventen traten 2014 knapp 40 Prozent ihre erste Arbeitsstelle in Deutschland an, von den deutschen Absolventen begannen 13 Prozent in Frankreich. Die meisten DFH-Abgänger finden einen Job in der Privatwirtschaft, jeder zweite hat nach fünf Jahren Berufserfahrung eine Führungsposition inne.

Mit ihren Erfahrungen wäre die DFH eine gute Ausgangsbasis für ein breiter aufgestelltes Netzwerk. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hatte sich in seiner Europa-Rede dafür ausgesprochen, in den kommenden sechs Jahren 20 europäische Universitäten zu schaffen, die mindestens zweisprachige Studiengänge anbieten und europäische Abschlüsse vergeben. Zwar haben bereits die nationalen Bachelor- und Masterabschlüsse europaweit Gültigkeit, ein zweisprachiges Studium gemeinsam mit Kommilitonen aus den Nachbarländern dürfte den Zusammenhalt in Europa aber noch weitaus mehr stärken.

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