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Über 100 Fußballfelder pro Tag

Die deutschen Kommunen weisen im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung zu viele neue Gebiete als Siedlungs- und Verkehrsflächen aus. Abhilfe schaffen könnte der Handel mit Zertifikaten. Das „Planspiel Flächenhandel“ – unter der Leitung des IW Köln – testet diese Idee nun in einem deutschlandweiten Modellversuch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Kommunen weisen im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung zu viele neue Gebiete als Siedlungs- und Verkehrsflächen aus.
  • Im gesamten Jahr 2011 wurde eine Fläche von 215 Quadratkilometern zusätzlich genutzt, das entspricht der Fläche von Städten wie Düsseldorf oder Lübeck.
  • Beim Planspiel wird ein Flächensparziel – zum Beispiel das 30-Hektar-Ziel der Regierung – in Form von Zertifikaten verbrieft und auf die Kommunen verteilt.
Zur detaillierten Fassung

Trotz des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Bevölkerungsrückgang werden in Deutschland jeden Tag rund 74 Hektar neue Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen und entsprechend genutzt (Grafik). Umgerechnet sind das etwa 105 Fußballfelder.

Im gesamten Jahr 2011 wurde damit eine Fläche von 215 Quadratkilometern zusätzlich genutzt, das entspricht der Fläche von Städten wie Düsseldorf oder Lübeck.

Flächennutzung in Deutschland.

Die dadurch steigenden Kosten der Erschließung und Instandhaltung werden auf immer weniger Köpfe verteilt und belasten die privaten Haushalte und die Kommunen. Hinzu kommen die negativen Folgen für Umwelt und Natur.

Aus diesen Gründen hat die Bundesregierung im Rahmen ihrer natio­nalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel definiert, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren.

Allerdings können Städte und Gemeinden das Problem der überhöhten Flächenausweisung und der ineffizienten Flächennutzung nicht alleine lösen. Um den Kommunen unter die Arme zu greifen, hat daher das Umweltbundesamt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beauftragt, das Instrument des Flächenhandels zu testen. Dabei soll in einem bundesweiten Modellversuch der Zertifikatehandel für Flächen mit zunächst 15 Testkommunen simuliert werden.

Bei dem Planspiel wird ein Flächensparziel – zum Beispiel das 30-Hektar-Ziel der Regierung – in Form von Zertifikaten verbrieft und auf die Kommunen verteilt. Die Flächenzertifikate ähneln den CO2-Zertifikaten, die Unternehmen vorlegen müssen, um eine bestimmte Menge an Treibhausgasen ausstoßen zu dürfen.

Wenn eine Kommune also bisher ungenutzte Flächen im Außenbereich zu Bauland machen will, braucht sie eine entsprechende Anzahl an Flächenzertifikaten. Zum Außenbereich einer Gemeinde zählen alle Grundstücke, die nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans liegen. Für Bebauungen im Innenbereich eines Ortes sind keine Zertifikate erforderlich, denn hier darf grundsätzlich gebaut werden.

Die Zertifikate sind zwischen den Kommunen frei handelbar, das heißt, es können sowohl zusätzlich benötigte Zertifikate von anderen Kommunen erworben als auch überschüssige an andere Gemeinden verkauft werden.

Die Zertifikate werden zu Beginn jedes Jahres auf die Kommunen verteilt. Diese können die Zertifikate auch für spätere Aktivitäten ansparen. Weitere Zertifikate erhalten die Kommunen durch Rückbaumaßnahmen – das sind dann sogenannte weiße Zertifikate.

Weitere Informationen: www.flaechenhandel.de

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