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Telefonieren übers Festnetz ist out

Mehr mobil, weniger Festnetz und auf jeden Fall anders – die Digitalisierung und technische Innovationen haben das Telefonierverhalten der Bundesbürger verändert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nach der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes sind die Preise fürs Telefonieren eingebrochen – und das Volumen des Sprachverkehrs hat bis 2012 stark zugenommen.
  • Die Festnetztelefonie entwickelt sich allerdings schon seit 2002 rückläufig – das Telefonieren via Mobilfunk, Skype, WhatsApp und über andere internetbasierte Smartphone-Apps boomt dagegen.
  • Wie sich der kommende Mobilfunkstandard 5G und damit verbundene Innovationen auf das Telefonierverhalten der Bundesbürger auswirken, bleibt abzuwarten.
Zur detaillierten Fassung

Im Januar 1998 fiel mit dem Inkrafttreten des Telekommunikationsgesetzes das Monopol der Deutschen Telekom für den Telefondienst. Diese Liberalisierung des Marktes sorgte für einen deutlichen Rückgang der Preise: Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für das Telefonieren im Festnetz und über das Internet von 1998 bis 2017 um rund 40 Prozent gesunken. Wie im ökonomischen Lehrbuch führten die sinkenden Preise zunächst zu mehr und längeren Telefonaten (Grafik): Der gesamte Sprachverkehr der Bundesbürger pro Tag stieg von 517 Millionen Minuten 1998 auf den Rekordwert von 967 Millionen Minuten im Jahr 2012. Entwicklung des telefonischen Sprachverkehrs in Deutschland seit 1998 Allerdings haben sich die einzelnen Sparten recht unterschiedlich entwickelt. So erreichte das Festnetz bereits im Jahr 2002 mit 572 Millionen Minuten pro Tag sein Allzeithoch, seitdem geht es kontinuierlich bergab. Umgekehrt ist es beim Mobilfunk: Hier ist das Sprachvolumen von 22 Millionen Minuten pro Tag im Jahr 1998 auf geschätzte 306 Millionen Minuten im Jahr 2018 geradezu explodiert.

Sprachverkehr via Internet boomt

Seit 2006 werden außerdem technische Innovationen wie das Telefonieren über Skype und WhatsApp erfasst – im Fachjargon spricht man von Over-the-top-Inhalten (OTT). Dabei handelt es sich um die Übermittlung und den Verkauf von Video- und Audioinhalten über Internetzugänge, ohne dass ein Internetprovider involviert ist. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch das Aufkommen des Smartphones, das mit der Einführung des iPhones 2007 seinen Durchbruch feierte. Von nun an konnte auch mobil über entsprechende Apps via Internet kommuniziert und telefoniert werden. Diese Option kommt gut an: Belief sich der Sprachverkehr über das Internet im Jahr 2006 auf 64 Millionen Minuten pro Tag, sind es 2018 bereits geschätzte 265 Millionen Minuten. Trotz des Booms von Mobilfunk und OTT ist der gesamte Sprachverkehr seit dem Höchststand im Jahr 2012 rückläufig. Im laufenden Jahr werden in Deutschland schätzungsweise lediglich noch 896 Millionen Minuten mit Telefonaten verbracht. Die Bundesbürger kehren vor allem dem Festnetz den Rücken: Diese Art zu telefonieren kommt mittlerweile gerade mal noch auf 325 Millionen Minuten pro Tag – das sind gut 40 Prozent weniger als im Rekordjahr 2002.

Trotz des Booms von Mobilfunk und OTT ist der telefonische Sprachverkehr insgesamt seit 2012 rückläufig.

Die Entwicklung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Insbesondere der kommende Mobilfunkstandard 5G kann mit seiner hohen Bandbreite und der geringen Latenzzeit – das ist die Zeitspanne zwischen dem Absenden eines Datenpakets und dem Eingang des zurückgeschickten Antwortpakets – den Boden für weitere Innovationen bereiten.

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