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Schweizer Universitäten: Attraktiv für alle Welt

Die Schweizer Wirtschaft prosperiert und ist wie die deutsche auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Die schweizerischen Hochschulen sind diesbezüglich Vorreiter – müssen sich aber auf Gegenwind gefasst machen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2017 hatten 49 Prozent aller Mitarbeiter der Schweizer Universitäten einen ausländischen Pass – so international sind weder die deutschen noch die österreichischen Hochschulen aufgestellt.
  • Der Sog der Schweizer Unis reicht über die Grenzregionen hinaus: Im Jahr 2017 stammten 2.700 Forscher aus Asien und knapp 1.000 aus Nordamerika.
  • Gründe für die Anziehungskraft sind der Wohlstand in der Schweiz, die gute Ausstattung der Hochschulen und die Nachfrage nach hochqualifiziertem Personal.
Zur detaillierten Fassung

Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich dürfte die bekannteste sein, klingende Namen haben aber alle zwölf Schweizer Universitäten. Ihr guter Ruf hat sich weltweit herumgesprochen. Seit 2007 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union die uneingeschränkte Personenfreizügigkeit eingeführt wurde, haben sich die helvetischen Akademikerschmieden zu einem immer stärkeren Magneten für ausländische Wissenschaftler entwickelt (Grafik): Im Jahr 2017 hatten bereits 49 Prozent aller Schweizer Universitätsmitarbeiter einen ausländischen Pass – 2008 waren es erst 40 Prozent. So viel Prozent der Beschäftigten an Schweizer Universitäten waren Ausländer Besonders hoch ist der Grad der Internationalität beim wissenschaftlichen Personal: Im Jahr 2017 kamen 51 Prozent der Professoren aus dem Ausland. Von den Assistenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern waren sogar zwei Drittel Ausländer. Insgesamt beschäftigten die Schweizer Unis zuletzt fast 23.700 Wissenschaftler ohne Schweizer Pass. Zwei Vergleiche machen deutlich, wie bemerkenswert diese Zahlen sind: So zählte Deutschland, das fast zehnmal so viele Einwohner hat wie die Schweiz, 2017 rund 39.000 ausländische Uni-Wissenschaftler – und sie machten gerade einmal 14 Prozent des wissenschaftlichen Hochschulpersonals aus. Mit der Schweiz mithalten kann hierzulande nur die Max-Planck-Gesellschaft: Ihre Quote ausländischer Wissen-schaftler beträgt 47 Prozent. In Österreich, das der Schweiz größenmäßig ähnlicher ist, hatten 9.400 ausländische Wissenschaftler im Wintersemester 2014/2015 einen Anteil von 25 Prozent – fast die Hälfte davon waren Deutsche.

Die Schweizer Hochschulen sind ein Magnet für ausländische Wissenschaftler: Im Jahr 2017 hatten 49 Prozent aller Schweizer Universitätsmitarbeiter einen ausländischen Pass.

Dass auch in der Schweiz die meisten ausländischen Wissenschaftler aus jenen drei Nachbarländern kommen, deren Sprachen in der Schweiz gesprochen werden, liegt auf der Hand: Fast 7.200 stammten 2017 aus Deutschland, knapp 2.900 aus Italien und 2.600 aus Frankreich. Der Sog der Schweizer Unis reicht aber über die Grenzregionen hinaus: Immerhin kamen auch 2.700 Forscher aus Asien und knapp 1.000 aus Nordamerika.

Die Schweiz braucht hochqualifizierte Spezialisten

Unter den Studenten an den Schweizer Universitäten finden sich mittlerweile gut 30 Prozent Ausländer – zu Beginn der 2000er Jahre waren es nur 20 Prozent. Die Gründe für den hohen Ausländeranteil an den Unis liegen auf der Hand: Die Schweiz ist ein wohlhabendes Land mit gut ausgestatteten Hochschulen. Zugleich ist sie aber auch ein kleines Land, dessen florierende Wirtschaft ihren Bedarf an hochqualifizierten Spezialisten längst nicht mehr allein mit Schweizern decken kann. Selbst für die Ausbildung von Meistern und Technikern werden inzwischen Fachkräfte aus dem Ausland angeworben. Bildungszuwanderer haben nach dem Abschluss gute Arbeitsmarktperspektiven – 2017 lag der Ausländeranteil an den Erwerbstätigen bei 31 Prozent und damit über dem allgemeinen Ausländeranteil von 25 Prozent. Unter den Schweizern sind die hohe Zuwanderung und der hohe Ausländeranteil allerdings umstritten: In diesem Sommer hat die Schweizerische Volkspartei (SVP) unerwartet schnell genügend Unterschriften für eine Volksinitiative gesammelt, die die Personenfreizügigkeit mit der EU aufkündigen will. Schon Anfang 2014 war eine „Volksinitiative gegen die Masseneinwanderung“ mit hauchdünner Mehrheit angenommen worden.

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