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Privatschulen: Sozialer als gedacht

Eines der Vorurteile gegenüber privaten Schulen lautet, dass sie die Gesellschaft spalten. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass diese Bildungseinrichtungen sogar zum sozialen Zusammenhalt in Großstädten beitragen können.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der Privatschulen in Deutschland ist von 1992 bis 2016 um 82 Prozent gestiegen, während die Zahl der öffentlichen Schulen um 29 Prozent gesunken ist.
  • Einer wissenschaftlichen Studie zufolge können Privatschulen dazu beitragen, die soziale Segregation in einigen Großstädten zu bremsen.
  • Das ist insofern bedeutsam, als es generell einen Trend zu einer immer unausgewogeneren Verteilung von Menschen verschiedener Einkommensklassen über die einzelnen Stadtbezirke gibt.
Zur detaillierten Fassung

Privatschulen liegen im Trend. Zwischen 2006 und 2016 hat sich der Anteil der Privatschüler an der gesamten deutschen Schülerschaft von 7 auf 9 Prozent erhöht. Auch der Anteil der Privatschulen ist auf längere Sicht deutlich gestiegen. Waren 1992 nur 4,5 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen in privater Trägerschaft, sind es mittlerweile fast 11 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich der Trend zur Privatschule beim Blick auf die absoluten Zahlen (Grafik):

Von 1992 bis 2016 ist die Zahl der öffentlichen Schulen in Deutschland um rund 29 Prozent gesunken, die der Privatschulen jedoch um 82 Prozent gestiegen. Entwicklung der Zahl öffentlicher und privater allgemeinbildender Schulen von 1992 bis 2016

Viele Bundesbürger betrachten Privatschulen jedoch skeptisch. Einem weit verbreiteten Vorurteil zufolge treiben diese Schulen die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich voran. Die neue Studie „Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte?“ des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin (WZB) zeigt jedoch, dass Privatschulen sogar positiv auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft wirken können.

Privatschulen können sich positiv auf den Zusammenhalt der Gesellschaft auswirken, weil sie helfen, die soziale Durchmischung in den Stadtvierteln zu erhalten.

Die WZB-Forscher haben für 74 deutsche Städte die sogenannte soziale Segregation analysiert, also den Trend zu einer immer ungleicheren Verteilung von Menschen verschiedener Einkommensklassen über die einzelnen Stadtbezirke. Dies gilt unter anderem deshalb als problematisch, weil sich in Vierteln, in denen überdurchschnittlich viele Einkommensschwache wohnen, Armut leicht verfestigen kann. Vor diesem Hintergrund stimmt ein Ergebnis der WZB-Forscher zuversichtlich:

In einigen westdeutschen Großstädten tragen Privatschulen dazu bei, die soziale Segregation zu bremsen.

Der plausible Grund: Vor allem Akademikerfamilien, die mit der öffentlichen Schule, die ihnen die Stadt für ihre Kinder zuweist, nicht einverstanden sind, dürften einen Umzug erwägen, damit der Nachwuchs in einem sozial privilegierteren Viertel auf eine vermeintlich bessere Schule gehen kann. Gibt es an ihrem Wohnort jedoch eine private Grundschule als Alternative, ist ein Schulwechsel ohne Umzug möglich. Dadurch bleibt die „soziale Durchmischung“ in den Wohngebieten erhalten.

Das ist insofern bedeutsam, als die soziale Segregation in Deutschland tendenziell zunimmt: Hätten 2005 etwa 24 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II umziehen müssen, um eine räumliche Gleichverteilung der Einkommensklassen in den Städten zu erreichen, stieg dieser Anteil bis 2014 auf knapp 27 Prozent.

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