Mittelständische Unternehmen Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Mittelstand obenauf

Den kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland geht es hervorragend. Die Beschäftigung ist auf Rekordniveau und die Umsätze steigen so stark wie lange nicht mehr. Laut KfW-Mittelstandspanel 2018 gibt es – fast – nur gute Nachrichten.

Kernaussagen in Kürze:
  • 99,95 Prozent der Unternehmen in Deutschland erwirtschafteten 2017 maximal 500 Millionen Euro Jahresumsatz und galten damit laut Definition der KfW Bankengruppe als mittelständisch.
  • Die Mittelständler haben von 2006 bis 2017 rund fünf Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und wollen weiter Beschäftigung aufbauen. Ihr Umsatz ist zuletzt überdurchschnittlich gestiegen.
  • Für einen Wermutstropfen sorgten 2017 die im Schnitt leicht gesunkene Rendite und die zumindest bei den kleineren Mittelständlern weiter verringerte Produktivität.
Zur detaillierten Fassung

Anders als die EU definiert die KfW Bankengruppe kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht über die Zahl ihrer Beschäftigten, sondern ausschließlich über den Umsatz. Demnach zählen jene Betriebe zum Mittelstand, die maximal 500 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften. Der größere Mittelstand, die Mid Caps (siehe „Mittelgroße Unternehmen: 14.000 Unbekannte“), ist also auch dabei. Im Jahr 2017 erfüllten 3,76 Millionen Betriebe dieses Kriterium – das waren sage und schreibe 99,95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Dazu zählen kleine Handwerksbetriebe genauso wie Selbstständige und traditionsreiche Familienunternehmen.

99,95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland gehören zum Mittelstand.

Auch wenn die 500-Millionen-Euro-Marke beeindruckend klingt – das Gros der Mittelständler backt wesentlich kleinere Brötchen: 87 Prozent von ihnen erzielen einen Jahresumsatz von höchstens 1 Million Euro, lediglich 0,3 Prozent erwirtschaften mehr als 50 Millionen Euro im Jahr. Gleichwohl können die KMU mit einer Reihe von Superlativen aufwarten.

Stütze des deutschen Jobwunders

Herzstück des deutschen Beschäftigungsaufbaus, der nunmehr seit elf Jahren anhält, sind die mittelständischen Betriebe. Von 2006 bis 2017 haben sie die Zahl ihrer Mitarbeiter um rund fünf Millionen erhöht. Das heißt (Grafik): Im Jahr 2017 arbeiteten gut 70 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland in mittelständischen Unternehmen – das waren 4 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2006. So viel Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiteten in den Jahren 2001 bis 2017 in mittelständischen Unternehmen Insgesamt beschäftigten die KMU im vergangenen Jahr 31,3 Millionen Menschen – und werden in diesem Jahr noch eine Schippe drauflegen: Zwar wird die 32-Millionen-Marke wohl nicht geknackt, doch laut der KfW-Umfrage wollen rund 15 Prozent der Betriebe weitere Mitarbeiter einstellen, nur 10 Prozent planen das Gegenteil.

Überdurchschnittliches Umsatzwachstum

Vor allem die steigende Inlandsnachfrage hat dafür gesorgt, dass die kleinen und mittleren Unternehmen 2017 ein Umsatzplus von 4,7 Prozent einfahren konnten. Das war der stärkste Anstieg seit sechs Jahren und übertraf deutlich den Zuwachs der Gesamtwirtschaft, die nur auf 3,7 Prozent kam. Das mittelständische Umsatzwachstum erreichte zwar alle Segmente, mit einem Plus von 6,2 Prozent konnten aber vor allem die Betriebe aus dem Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen überproportional profitieren. Damit verstärkt sich trotz der starken mittelständischen Industrie der Trend zum Service: Die Dienstleister steuerten 2017 rund 73 Prozent zum KMU-Umsatz von 4.700 Milliarden Euro bei. Bestätigt sich der Optimismus der deutschen Mittelständler, wird das Wachstum bis zum Jahr 2020 weitergehen: 34 Prozent der KMU erwarten steigende Umsätze, 16 Prozent rechnen mit dem Gegenteil und die übrige Hälfte geht von gleichbleibenden Umsätzen aus.

Stabiles Auslandsgeschäft trotz Protektionismus

Nach zwei eher mageren Jahren sind die Exporte mittlerweile wieder ein starkes Standbein der Mittelständler – trotz Trump und Brexit. Zwar wird das Niveau von 2011/2012 mit fast 600 Milliarden Euro noch nicht wieder erreicht, doch das Plus von 5,7 Prozent gegenüber 2016 – das nahezu vollständig auf das Konto der großen Mittelständler aus dem Verarbeitenden Gewerbe ging – hievte den Auslandsumsatz 2017 immerhin auf 577 Milliarden Euro. Angesichts des weltweit aufkeimenden Protektionismus überrascht diese Entwicklung. Doch offenbar haben sich die Mittelständler weder vom Handelskonflikt zwischen den USA und Europa noch von jenem zwischen den USA und China irritieren lassen. Vermutlich verhageln diese Konflikte durch die Störung der Wertschöpfungskette eher das Geschäft der Großunternehmen.

Mehr Investitionen

Im Jahr 2017 sind die mittelständischen Investitionen in neue Anlagen und Bauten zum vierten Mal in Folge gestiegen. Das Plus von 4 Prozent bedeutet den höchsten Wert seit 2004. Und dieser Trend soll sich fortsetzen: Laut KfW-Umfrage wollen 20 Prozent der KMU ihre Investitionen in diesem Jahr erhöhen – nur 15 Prozent planen einen Abbau. Stimulierend wirkt vor allem die hohe Binnennachfrage (Grafik): Rund 56 Prozent der Mittelständler, die ihre Investitionen 2018 ausweiten wollen, nennen steigende Umsätze als einen der drei wichtigsten Gründe. Diese Gründe nannten Mittelständler 2018 für die Erhöhung ihrer Investitionen

Leicht gesunkene Renditen

Trotz steigender Umsätze hat der deutsche Mittelstand im vergangenen Jahr erneut leicht an Profitabilität eingebüßt. Die Umsatzrendite ist um 0,1 Punkte auf 7,2 Prozent zurückgegangen. Dahinter stecken jedoch unterschiedliche Entwicklungen: Während die großen Mittelständler (ab 50 Beschäftigte) seit 2014 insgesamt 0,4 Prozentpunkte verloren und mittlerweile nur noch auf eine Umsatzrendite von 4,2 Prozent kommen, haben die kleinen Mittelständler (weniger als zehn Mitarbeiter) ihre Rendite binnen Jahresfrist um 0,6 Punkte auf 14,6 Prozent steigern können. Damit hat sich die Rendite-Kluft zwischen den kleinen und den großen Unternehmen erstmals seit der Erhebung des KfW-Mittelstandspanels auf mehr als 10 Prozentpunkte erhöht. Ein Grund für das schlechtere Abschneiden der größeren Mittelständler könnte sein, dass sie überdurchschnittlich stark Beschäftigung aufgebaut haben und das mit überproportional gestiegenen Personalkosten einhergeht. Zu beachten ist auch, dass bei den kleinen Personengesellschaften das Unternehmereinkommen aus dem Gewinn bestritten wird.

Geringere Produktivität

Wie die Rendite kann auch die Arbeitsproduktivität der Mittelständler nicht vom Umsatzplus profitieren. Setzt man die Produktivität des Jahres 2003 – damals wurden die KMU zum ersten Mal von der KfW Bankengruppe befragt – gleich 100, dann erzielt der Mittelstand beim Umsatz je Vollzeitbeschäftigten heute im Schnitt nur noch 94 Indexpunkte. Ein Grund könnte sein, dass ehemals arbeitslose Geringqualifizierte in den vergangenen Jahren wieder Arbeit gefunden haben. Ein noch stärkeres Absinken haben vor allem die großen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes verhindert, die ihre Produktivität 2017 gegenüber dem Vorjahr um drei Indexpunkte steigern konnten. Weil aber die Kleinstunternehmen – die Betriebe mit weniger als fünf Beschäftigten machen gut 80 Prozent des Mittelstands aus – rund zwei Indexpunkte verloren haben, ist die Produktivitätslücke zwischen den kleinen und großen KMU auf 31 Prozent angewachsen. Mehr zum Thema Das KfW-Mittelstandspanel zum Download unter kfw.de/mittelstandspanel

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